Die politische Sisi

Engagement für Ungarn an der Seite von Graf Andrássy

In der Sissi-Trilogie mit Romy Schneider wird die Kaiserin zur Retterin der Monarchie. Mit ihrer zarten Anmut betört sie den Grafen Andrássy, als in der Provinz Ungarn ein Aufstand droht. Bis heute wird darüber spekuliert, ob die wahre Sisi eine Affäre mit dem umschwärmten Freiheitshelden hatte. Wie politisch war die wirkliche Kaiserin?

Sisi trifft Andrássy (Spielszene) Quelle: ZDF

Im Jahr 1864 holt die 26-jährige Elisabeth ein ungarisches Mädchen in ihre nächste Umgebung: Ida Ferenczy. Sisi interessiert sich, romantisch bewegt, für den ungarischen Widerstand. Aus reiner Opposition gegen den Hof lernt sie die ungarische Sprache. Ida wird ihre beste Freundin und kennt jedes ihrer Geheimnisse. Ida gehört zum engsten Kreis des legendären Freiheitskämpfers Gyula Graf Andrássy. Man sagt, die Ungarn haben sie bei der Kaiserin eingeschleust, um sie politisch zu manipulieren. Sisi ist fasziniert bevor sie Andrássy gesehen hat.

"Märtyrer der Revolution"

Bild von Graf Andrássy Quelle: ZDF

Andrássy zählt zu den Männern, die im Revolutionsjahr 1848 den Aufstand gegen die Monarchie entfacht haben. Er entkam dem Galgen indem er ins Exil flüchtete. 1867 drohen neue Aufstände, und der "Märtyrer der Revolution" kämpft mit liberalen Ideen für eine ungarische Verfassung. Sein Ziel ist nicht mehr die Zerschlagung, sondern die Spaltung der Donaumonarchie - in ein Kaisertum Österreich und ein Königreich Ungarn.

Sisi setzt ihre Schönheit für politische Ambitionen ein. Für den Effekt ihrer Auftritte lässt sie sich "ins Geschirr spannen" - wie sie es nennt. Sie betont ihre Wespentaille durch so enges Schnüren, dass sie Atemnot bekommt und sich die Rippen verbiegen. "Die Leute sind baff über unsere Souveränin!", staunt ein Zeitgenosse. Selbst der Schah von Persien reist an, um das Wunder der "Feenkaiserin" mit eigenen Augen zu sehen - und brüskiert den Hof, als er seine Hände um ihre sensationelle Taille legt.

Begeisterung für die "ungarische Sache"

Sisi in ungarischer Tracht (Spielszene) Quelle: ZDF,Attila Kleb

Bei ihrer ersten Begegnung mit Andrássy will Sisi ein Zeichen setzen und eine ungarische Robe tragen. Der Wiener Tratsch berichtet irritiert von ihrer Begeisterung für die "ungarische Sache" und für den charismatischen Andrássy. Sisi sympathisiert mit den Rebellen - und setzt sich provokant als Königin von Ungarn in Szene. Andrássy will den historischen Augenblick nutzen. Preußen hat 1866 Österreich den Krieg erklärt und zahlt Geld an Ungarn, um den Widerstand gegen den Kaiser zu stützen. Franz Joseph könnte gestürzt werden, wenn er nicht einlenkt.



Der Rebell und die Märchenprinzessin - das brisante Rendezvous ist perfekt inszeniert und voller Theatereffekte. Elisabeth weiß, dass die Forderungen des einstigen Revolutionärs die absolute Macht des Kaisers schwächen. Doch sie ist entflammt für Ungarn und entwickelt mit Andrássy ein Programm für die Zweiteilung des Kaisertums: die k. & k. Monarchie, vereint unter der Krone Franz Joseph. Andrássy belohnt sie mit dem Gefühl, die Retterin Ungarns und der Monarchie zu sein. "Die schöne Vorsehung für das ungarische Vaterland" - ein poetischer Titel, verliehen vom ungarischen Volk, wird die Kaiserin zukünftig schmücken.

Das freie Leben in Budapest

Als sie das Wort an Andrássy richtet, spricht sie zu seiner großen Überraschung perfekt ungarisch. Ihre Aufenthalte in Ungarn versetzen die Melancholikerin in eine exaltierte Stimmung. Sisi liebt den Csardas, die Freizügigkeit und das offen gezeigte Temperament der ungarischen Aristokratie. Das freie Leben in Budapest prägt auch den Kronprinzen Rudolf. Andrássy wird sein Mentor und Idol. Er erlebt die politische Begeisterung seiner Mutter - ein Virus, das auf ihn übergreifen wird.

Graf Andrássy und Kaiser Franz (Spielszene) Quelle: ZDF

Österreich droht eine Niederlage gegen Preußen. Elisabeth aber richtet in diesem politisch sensiblen Moment ihr ganzes Augenmerk auf die Freiheit Ungarns - und auf Andrássy. Dass die "schöne Vorsehung" ein Auge auf ihn geworfen hat, spricht sich wie ein Lauffeuer im ganzen Reich herum. Franz Joseph gibt dem Drängen Elisabeths nach und trifft sich mit Andrássy. Er ist bereit für einen Kompromiss. Doch er befürchtet, dass auch Andrássy die radikalen Kräfte in Ungarn nicht unter Kontrolle halten kann. Elisabeth glaubt nicht mehr an den Fortbestand der Monarchie.

Doppelmonarchie als gemeinsames Werk

Österreich hat den Krieg gegen Preußen verloren, Franz Joseph ist gedemütigt und die Stimmung in Ungarn aufgeheizt. Sisi macht auf ihre Art Politik. Sie übt starken Druck auf den Kaiser aus und fängt ihn letzten Endes damit, ihm einen Sohn zu gebären, der der spätere König von Ungarn werden soll. "Ein Ungar von echtem Stamm, für Ungarn nur schlüge sein Herz", schwärmt Elisabeth. Franz Joseph lenkt ein, die Krönung des Kaiserpaares findet am 8. Juli 1867 in Budapest statt. Für Elisabeth ist es der Höhepunkt ihres Lebens. Die k. und k. Monarchie ist ihr gemeinsames Werk mit Andrássy. Der Film mit Romy Schneider als "Sissi" endet nach der ungarischen Episode. Das Happy End für die Liebe mit dem Kaiser ist jedoch nur eine Legende.

Sisis Tochter Marie Valerie (Spielszene) Quelle: ZDF

Zehn Monate nach der Krönung kommt in Budapest Marie Valérie zur Welt - die "ungarische Tochter", wie man sie nennt. Ein Mädchen, aber Sisi ist das egal - ihr Versprechen an den Kaiser und das ungarische Volk hat sie erfüllt. Das vermeintliche Glück wird überschattet von Mutmaßungen. Hat Sisi sich doch auf ein Abenteuer mit Andrássy eingelassen? Obwohl das Mädchen dem Kaiser sehr ähnelt, verstummt das Gerede nicht. Marie Valérie ist der umschwärmte Liebling der Kaiserin - das einzige ihrer Kinder, dem sie sich widmet. Andrásssy ist der Pate der "ungarischen Tochter". Doch sie wird Ungarn später einmal hassen, weil sie sich dem Tratsch nicht mehr entziehen kann.

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