Die Projekte von Kaiser Yongle

Große Mauer, Kaiserpalast und Hochseeflotte unter Zheng He

Der Kopf der gigantischen Hochseeflotte war der Großeunuch Zheng He. Heute verkörpert er wie kein anderer Chinas Aufbruch in neue Welten. Seine Karriere ist so ungewöhnlich wie das Flottenprojekt selbst.

Aufstieg zum Groß-Eunuchen

Als Kind teilt Zheng He das Schicksal vieler anderer Jungen seiner Zeit. Es herrscht Krieg in seiner Heimat Yunnan. Der Zehnjährige wird von Regierungssoldaten aus seinem Dorf entführt und zum Kastraten gemacht.



Am kaiserlichen Hof kommt er in das Gefolge des Prinzen Zhu Di. Zheng He gewinnt sein Vertrauen und steigt zum Groß-Eunuchen auf. Sein Gebieter strebt nach Größerem. 1402 rebelliert der Prinz Zhu Di gegen den rechtmäßigen Throninhaber. In Nanking, dem Sitz des Kaisers, kommt es zum Bürgerkrieg. Als Vertrauter des Prinzen zieht der loyale Zheng He im Hintergrund die Fäden. Trotz der offenen Rebellion gegen den legitimen Kaiser steht er seinem Fürsten in den Thronwirren zur Seite - und verhilft ihm zum Sieg. Der Kaiserpalast in Nanking entgeht nur knapp der völligen Zerstörung.


Aus den Kämpfen geht Prinz Zhu Di als neuer Kaiser hervor. Er macht es sich zur Aufgabe, das Reich der Mitte wieder zu seiner einstigen Größe zurückzuführen. Er nennt sich Yongle - "immerwährende Freude". Doch Yongle muss seine Herrschaft legitimieren. Gewaltige Projekte sollen seine Autorität als neuer Kaiser von China unterstreichen.

Einzigartiges Projekt



Unter Yongles Regentschaft wird die Große Mauer vollendet. Sie soll das Reich vor den Mongolen im Norden schützen. Er verlegt die Hauptstadt nach Peking und lässt einen gigantischen Kaiserpalast bauen - die Verbotene Stadt. Außerdem lässt der Kaiser das existierende Wissen im Reich der Mitte zusammentragen. Tausende Gelehrte arbeiten an einer 11.000-bändigen Enzyklopädie. Doch Yongle will das bestehende Wissen ergänzen und gibt ein Projekt in Auftrag, das in der Geschichte Chinas einzigartig ist.

Überreste eines Trockendocks

Unter dem Kommando seines begabten Vertrauten Zheng He befiehlt er 1403 den Bau einer mächtigen Hochseeflotte. Hunderte von Schiffen soll die Flotte umfassen, die Chinas Wissen von der Welt erweitern und seine Vorherrschaft in Asien festigen soll. Über Jahrhunderte hinweg war es ein Rätsel, wie der Bau dieser gigantischen Armada realisiert werden konnte.



2003, exakt 600 Jahre nach dem Auftrag zum Bau der Flotte, stoßen Archäologen bei Ausgrabungen auf Hinweise. Am Rande der Stadt Longjiang, bei Nanking, befinden sich brach liegende Wasserbecken. Über deren Zweck und Ursprung war lange nichts bekannt. Doch nachdem die Archäologen das Wasser abgepumpt hatten, machten sie eine überraschende Entdeckung. Sie fanden Überreste von 34 rechteckigen Holzkonstruktionen, die über alle Kanäle verteilt waren: Es sind die Überreste eines Trockendocks.


In China gibt es Trockendocks seit 1070. In Europa werden sie erstmals 1495 entwickelt - und es dauert Jahrhunderte, bis sie sich durchsetzen. Es sind Werftanlagen von riesigem Ausmaß. Viel zu groß, für den normalen Schiffsbau. Für die Archäologen steht fest, dass die Werft für ein so ehrgeiziges Projekt wie den Bau der gigantischen Armada angelegt war. Werkzeuge geben den Archäologen Aufschluss über die Arbeitsweise. Nach Berufen getrennt haben die Archäologen sie in der Werft vorgefunden. Hochorganisiert und arbeitsteilig wurde der Bau der Flotte vorangetrieben. Eingeritzte Zeichen markieren die Werkzeuge als Regierungseigentum.

Mehr als 20.000 Spezialisten im Einsatz



Neben der Großen Mauer ist die Werft vor 600 Jahren die größte Baustelle im Reich der Mitte. Aus allen Provinzen kommen Handwerker, mehr als 20.000 Spezialisten sind im Einsatz, um den Bau der Flotte voranzutreiben.

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