Die punische Gesellschaft

"Demokratie" und Sklaventum

Auch die punische Stadt Kerkouane, östlich von Karthago direkt am Meer gelegen, wurde von den Römern zerstört. Es bleibt ein Rätsel, warum Kerkouane nicht wie andere Orte zu römischer Zeit wieder aufgebaut wurde. Gerade deshalb aber kann man hier mehr über die Struktur einer punischen Stadt und damit der punischen Gesellschaft erfahren.

Aus der Vogelperspektive erkennt man den auffallend regelmäßigen Grundriss der Stadt. Die Häuser sind klein, es fehlen Paläste und Monumentalbauten. Wer regierte Städte wie Karthago?

Eine Art Demokratie

Die Regierungsgewalt lag bei den Sufeten, zwei von den Kaufleuten aus den eigenen Reihen auf Zeit gewählte Repräsentanten. Könige hat es in Karthago nicht gegeben, persönliches Machtstreben wurde so verhindert. Das politische Handeln zielte auf den wirtschaftlichen Erfolg der ganzen Stadt. In gewisser Weise scheint hier eine Art Demokratie verwirklicht doch nicht für alle. Keine Stadt des Altertums ist denkbar ohne Sklaven. Ihre Muskeln waren die Motoren der Antike. Zum Sklaven konnte jeder werden: durch Armut, Menschenraub, Kriegsgefangenschaft, oder durch wirtschaftliche Not.

Cap Bon heißt auch das gute Kap, doch der Name trügt. In der Antike war dies ein schicksalhafter Ort, voller Schrecken und unermesslicher Leiden. Hier brachen Sklaven und verurteilte Verbrecher aus dem Felsen die Steine, mit denen Karthago erbaut wurde. 15 Meter tief unter der Erde ziehen sich Höhlen durch den Felsen, von Sklavenhand herausgeschlagen. An den Wänden sind noch die Spuren ihrer Meißel zu erkennen. Die Höhlen waren Steinbruch und Gefängnis zugleich. Wen das Schicksal in die Steinbrüche am Cap Bon führte, der hatte sein Leben verwirkt. Während die Haussklaven in der Stadt in der Regel gut versorgt wurden, überlebten die Sklaven in den Bergwerken meist nur zwei, drei Jahre. Sie waren der Willkür der Aufseher ausgeliefert.

Sklaven, Elfenbein und Gold

Viele der Sklaven kamen aus dem Inneren Afrikas, zusammen mit Elfenbein und Gold. Vier bis fünf Tagesreisen von Karthago entfernt, lag die Stadt Dougga, bedeutende Station einer Karawanenstraße aus dem Herzen des Kontinents. Auch hier haben die Römer eine Stadt auf den Trümmern der punischen Siedlung erbaut.

Unter der römischen Siedlungsschicht stoßen die Archäologen auf die Mauern eines punischen Handwerkerviertels. Die Amphorenscherben, die dort gefunden werden, stammen zumeist aus heimischer Produktion. Dazwischen finden sich immer wieder auch die Scherben römischer Amphoren. Wenige Jahre vor der Zerstörung Karthagos im Jahr 146 vor Christus tauchen in Dougga immer mehr römische Münzen auf. Ein Zeichen dafür, dass es den Römern gelang, Dougga auf ihre Seite zu ziehen.

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