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Die Puppenspieler

Im Geheimdienst Ihrer Majestät

November 1558. Francis Walsingham, der mächtige Geheimdienstchef, macht sich Sorgen: Seine Königin, Elisabeth I., ist jung und ihre Macht noch nicht gefestigt. Der Papst in Rom ist ihr härtester Gegner. Er wird nicht hinnehmen, dass in England eine protestantische Königin regiert. Frankreich und Spanien stehen ihm zur Seite.

Francis Walsingham und Christopher Marlowe (Spielszene)
Francis Walsingham und Christopher Marlowe (Spielszene)

Erst 25 Jahre sind vergangen, seit Elisabeths Vater, Heinrich VIII., dem Parlament die Entscheidung aufzwang, ihn, den König, als Oberhaupt der neuen Kirche von England anzuerkennen. Doch nicht alle Engländer waren bereit, den alten Glauben an die katholische Kirche und den Papst in Rom aufzugeben. Protestantische Puritaner und Katholiken standen einander unversöhnlich gegenüber. Und auf dem Festland lauerten mit Spanien und Frankreich mächtige Verbündete Roms auf die Gelegenheit, das Reformwerk Heinrichs VIII. zu zerstören und den Inselstaat in den Schoß der Mutter Kirche zurück zu führen. Seither wollen sie selbst die Macht in England gewinnen.

Gefahr vom Festland

Francis Walsingham und Königin Elisabeth I. (Spielszene)
Francis Walsingham und Königin Elisabeth I. (Spielszene)

Elisabeth ist jung und in Frankreich und Spanien warten königliche Brautwerber auf ihre Chance. Francis Walsingham muss wachsam sein. Beim Kampf um die Macht für seine junge Königin Elisabeth wird ein dichtes Netz von Spitzeln und Informanten zur schärfsten Waffe des Sicherheitschefs. Die "blutige Maria", Elisabeths Halbschwesterund Vorgängerin auf dem Thron hatte viele Protestanten aus England vertrieben. Die marianischen Flüchtlinge kehren nun zurück und drängen auf Macht und Einfluss. Im Gegenzug verlassen katholische Adlige das Land und bereiten sich auf den Zeitpunkt zur Rückkehr an die Herrschaft vor. In der Stadt Douai, im damaligen Flandern gründen Jesuiten schon 1568 das Collegium Anglicum. Später wird es aus Sicherheitsgründen nach Reims verlegt.

Für viele junge Katholiken der oberen Gesellschaftsschichten in England gehört das Studium am Collegium Anglicum zum damals typischen Ausbildungsgang. Der Andrang ist groß, nicht nur wegen der religiösen Ausrichtung, sondern auch weil die jesuitischen Lehrer für hervorragende Ausstattung der Schule sorgen und für erstaunlich freigeistige Lehr- und Lernmethoden. Für Francis Walsingham ist es wichtig, durch seine Agenten ständig Informationen über Lehrer und Schüler des Collegs zu sammeln. Wie in den englischen Kollegien in Rom und in St. Omer wird auch in Douai um dieser Zeit das jesuitische Schultheater entwickelt. Die gemeinsamen Aufführungen von Schülern und Lehrern bauen auf sinnliche Spielformen. Gespielt werden fesselnde Märtyrergeschichten und Historiendramen, um die religiöse Botschaft anschaulich zu vermitteln. Auch William Shakespeare könnte, wie einige Forscher meinen, das neue Theater kennen gelernt haben - als Schüler in Douai oder in England.

Marlowe kommt ins Spiel

Porträt Christopher Marlowe
Porträt Christopher Marlowe

Christopher Marlowe wird 1564 als Sohn eines Schuhmachers in Canterbury geboren. Mit sieben Jahren beginnt er ein Universitätsstudium in Cambridge. Francis Walsingham wirbt den talentierten Jungen an, als Agent für seinen Geheimdienst zu arbeiten. 1587 rüstet in Spanien König Philipp II. eine gewaltige Flotte aus, zum Angriff auf England. Marlowe erhält den Auftrag, an den Jesuiten-Collegs in Frankreich und Rom die Stimmung der englischen Flüchtlinge zu erkunden und Informationen über die französischen Pläne zu sammeln. Er muss erfolgreich gewesen sein, denn fortan genießt er den besonderen Schutz seines Chefs. Den hat er im puritanisch geprägten London bald nötig. Er lebt mit seinem Freund und Dichterkollegen Thomas Kyd zusammen, ist am Theater als Autor erfolgreich und verkehrt mit Thomas Walsingham - dem Neffen des Geheimdienstchefs - in einer verdächtigen Gruppe von Freidenkern.

Freundeskreis um Thomas Walsingham (Spielszene)
Freundeskreis um Thomas Walsingham (Spielszene)

Der "School of Night" genannte Kreis trifft sich auf dem Landgut des Seehelden und Entdeckers Sir Walter Raleigh. Nachts beobachtet man gemeinsam die Sterne, daher der Name. Doch auch andere Themen, die in der Öffentlichkeit nicht diskutiert werden, kommen zur Sprache: Theologie, moderne Wissenschaft und Staatsphilosophie. Kein Wunder, dass die Gruppe von Spitzeln unterwandert ist. Ein Informant denunziert Marlowe beim Privy Council wegen Gotteslästerung. Und darauf steht Todesstrafe. Bevor es zum Urteil kommt, wird Marlowe bei einem Streit ermordet. So jedenfalls lautet der Untersuchungsbericht. Doch man munkelt: Der allmächtige "Puppenspieler" Francis Walsingham habe "seinen Mann" durch einen fingierten Mord aus dem Verkehr gezogen und ihm zur rettenden Flucht ins Ausland verholfen.

Der "Dienst" überlebt den Chef

Porträt Elisabeth I.
Porträt Elisabeth I.

Nachdem der in England und auf dem Kontinent gefürchtete Geheimdienstchef Francis Walsingham im Jahr 1590 eines natürlichen Todes gestorben ist, bleibt seine Stelle lange unbesetzt. Königin Elisabeth verliert mit ihm einen ihrer ältesten und loyalsten Weggefährten. Doch dann vertraut sie das heikle Amt Robert Cecil an, dem zweiten Sohn ihres engsten Beraters William Cecil. Ihm fällt die schwere Aufgabe zu, der Monarchin den Rücken frei zu halten für die drängender werdende Diskussion um die Thronfolge. Die "jungfräuliche Königin" hat keine Kinder. Als Erbe kommt einzig Jakob Stuart in Betracht. Der Sohn Maria Stuarts ist vielen Puritanern verdächtig. Sie fürchten: Ein Katholik auf den Thron könnte erneut versuchen, das Rad der Geschichte zurück zu drehen. Doch Elisabeth hat ihren Frieden mit Rom und mit Spanien gemacht. Ihr Ziel: Aussöhnung und Frieden für die Zukunft.

Als im Jahr 1600 Truppen aus Frankreich in Irland landen, soll Graf Essex die Gefahr eindämmen. Doch puritanische Gegner beschuldigen ihn des Verrats. Essex wagt einen verzweifelten Aufstand. Elisabeth reagiert mit Härte. Essex, der ehemalige Günstling, wird hingerichtet, das katholische Irland grausam verwüstet und unterworfen. Am 24. März 1603 stirbt Elisabeth I. Ihr Nachfolger wird Jakob Stuart, wie sie es vorbereitet hat. Bis zu seinem Tod 1612 dient Robert Cecil dem neuen König als Sicherheitschef, doch den wachsenden Konflikt zwischen Jakob I. und den Puritanern hatte er nicht verhindern können. Der "Dienst" aber überlebt den Tod seines Chefs und agiert weiterhin im Auftrag Seiner Majestät.

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