Die Rache des Scipio

Karthagos Ende besiegelt Roms Aufstieg

200.000 Tote, das ist die Bilanz des bisherigen Krieges. Ein Drittel aller wehrfähigen Männer Roms hat ihr Leben verloren. Der Wahnsinn muss ein Ende haben. Jetzt schlägt die Stunde Scipios.

Mit 23 Jahren ernennt der Senat Scipio zum General - und der junge Feldherr hat eine Idee, wie er den Karthager bezwingen kann:

Grausame Überrraschung

Vor allem nicht in Spanien. Während Hannibal ziellos durch Italien irrt, besetzt Scipio die karthagische Kolonie. Aus den reichen Silberminen des Landes fließt der Geldstrom, der Hannibals Feldzug speist. Jetzt wendet sich das Blatt. Die Römer diktieren von nun an die Züge des Spiels. Für Hannibal halten sie eine grausame Überraschung bereit: psychologische Kriegsführung mit allen Mitteln.

Der letzte Akt

Sie schicken ein Bündel ins karthagische Lager. Ein abgeschlagener Kopf als Geschenk für den Gegner. Aus den verzerrten Zügen starren den Feldherrn die toten Augen seines Bruders Hasdrubal an. Er ist bei dem Versuch, Hannibal von Spanien aus mit einem Heer zu Hilfe zu eilen, von den Römern getötet worden. Der Bruder - das ist die Erinnerung an die gemeinsame Jugend und den gemeinsamen Traum vom Sieg über Rom. Nun ist er ausgeträumt.


Hannibal muss Italien schnell verlassen. Denn plötzlich steht die Heimat auf dem Spiel. Ein römisches Heer ist in Nordafrika gelandet und lagert, nur eine Tagesreise von Karthago entfernt, bei einem Ort mit Namen Zama. Die kleine Stadt wird dem letzten Akt des Dramas den Namen geben. Hier tritt ein Mann auf, der seiner Chance seit Jahren entgegen fiebert: Scipio. Der Römer hat den Spieß umgedreht. Er hält jetzt die Fäden in der Hand. Er sucht die Konfrontation mit dem großen, dem gehassten, dem bewunderten Feind.

Vor der Schlacht stehen sich die beiden größten Feldherrn ihrer Zeit im Niemandsland zwischen den Heeren gegenüber - so berichten die Chronisten. Hannibal will verhandeln. Er bietet Scipio den Frieden an. Aber der lehnt ab. Ahnt der Karthager, dass er seinem Meister begegnet?

Zwiespältige Wunderwaffe

Auf dem Schlachtfeld von Zama marschieren zwei Heere von jeweils 50.000 Soldaten auf. Hannibal hat seine Reihen mit achtzig Kriegselefanten aus Karthago verstärkt. Die gewaltigen Tiere sollen den Gegner niederwalzen wie moderne Panzer. Aber sie sind Panzer aus Fleisch und Blut. Ein verletzter Elefant ist nicht mehr zu lenken und greift oft die eigenen Leute an. Das berichten antike Historiker. Eine zwiespältige Wunderwaffe, auf die Hannibal setzt.


Aber er hat keine andere Wahl. Denn hinter den Kolossen marschiert eine Armee, die aus unerfahrenen Rekruten besteht. Hannibals Plan: Seine Phalanx aus Dickhäutern soll die geschlossenen Schlachtreihen der Legionäre aufreißen. Doch Scipio durchschaut die Absicht des Gegners und reagiert blitzschnell. Taktische Maßnahmen, von denen Hannibal nichts ahnt. Es ist das erste Mal, dass er so viele Elefanten in einer Schlacht einsetzt - ein verhängnisvoller Fehler.

Entscheidende Niederlage

Der erhoffte Anfangsschlag verpufft, der Rest des karthagischen Heeres ist den römischen Legionen nicht gewachsen. Der Krieg ist verloren. Eine einzige Niederlage nach unzähligen Siegen. Aber die entscheidende.

Sein Leben hat Hannibal retten können, aber was für ein Leben ist das noch? Sein Schicksal heißt von jetzt an: Flucht vor den Häschern Roms. Zwanzig Jahre lang kann der Gejagte seinen Verfolgern noch davon laufen - durch die halbe bekannte Welt. Dann spüren sie ihn auf. Ein Augenblick auf den er vorbereitet ist. Tödliches Gift wird sein Leben beenden. Man schreibt das Jahr 187 vor Christus. Der Ort: ein kleines Nest in der heutigen Türkei. Hannibal - der Schrecken Roms stirbt elend und verlassen.




"Karthago muss endlich zerstört werden"

Mit dem Sieg über Karthago beginnt der Aufstieg Roms zur Weltmacht. Aber es hat die 200.000 Kriegsopfer nie vergessen. Scipio, der heimliche Bewunderer Hannibals, hatte die nordafrikanische Stadt verschont - doch eine neue Generation römischer Politiker will Rache. "Karthago muss endlich zerstört werden", betont der berühmte Senator Cato bei jeder Gelegenheit. Sein Wunsch sollte in Erfüllung gehen. Fast 40 Jahre nach Hannibals Tod erklärt Rom Karthago noch einmal den Krieg.

Nach fast dreijähriger Belagerung erstürmen die Legionäre die völlig ausgehungerte Stadt. Fast 80 Prozent der Einwohner fallen dem Blutbad in Gassen und Häusern zum Opfer. Am Ende des Grauens steht die völlige Vernichtung. Siebzehn Tage und Nächte lang sollte Karthago brennen. Dann haben die Flammen die einst strahlende Metropole in einen qualmenden Schutthaufen verwandelt.

Ironie der Geschichte

Über die Ruinen streuen die Eroberer Salz. Nie mehr soll an dieser Stelle etwas gedeihen - kein Baum, kein Strauch, kein Leben. Eine schreckliche Ironie der Geschichte: Karthago ging an Hannibals Triumphen zugrunde.

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