Die Rache des Volkes

Grausame Siegestrophäe: De Launays Kopf

Das Volk nimmt Rache. Im Triumph wird der Kopf De Launays zum Rathaus getragen.


Charpentier-Bericht (17.30 Uhr): "Eine empörte Menge trieb den Gouverneur durch die Straßen von Paris. Sie wollten ihn lynchen. Er hatte blindwütig in die Menge vor der Bastille schießen lassen. 98 von uns hatte er auf dem Gewissen. 'Das Monster De Launay' wurde er später genannt.

"Gegen unser Ehrenwort"

Er sollte seine gerechte Strafe kriegen. Doch was dann geschah, ging zu weit: Das war gegen unser Ehrenwort. Mein Gott! Ein Metzger schnitt ihm den Kopf ab. Was war das für eine grausame Siegestrophäe?"

Massenhinrichtungen durch Guillotine

Revolutionstribunale bilden sich. Die Conciergerie - das Gefängnis an der Seine - wird zum Sammelort für politische Gefangene der Revolution: Adlige und Bischöfe, ehemalige Minister, Generäle, Wissenschaftler: Jeder, der wegen seiner Herkunft oder politischen Einstellung verdächtig erscheint, wird hierhin gebracht. Auch Königin Marie Antoinette verbringt hier die letzten Tage vor ihrer Hinrichtung.


Für das Fallbeil der Guillotine schneidet man allen Verurteilten die Haare aus dem Nacken. "Seien wir schrecklich, damit das Volk es nicht zu sein braucht", proklamierte Danton. Niemand mehr kann vor einem Todesurteil sicher sein. Es folgen Schauprozesse. Die Erfindung der Guillotine macht die Massenhinrichtungen der Revolution erst möglich.

"Die Bastille ist genommen"

Viele der Guillotinierten liegen in den Katakomben von Paris. Von September 1793 bis August 1794 werden mehr als 16.000 Menschen hingerichtet. Terreur - Schreckensherrschaft nennt man diese Zeit: "Die Revolution frisst ihre Kinder". Diskreditierte die Gewalt die Revolution? War die Gewalt den Umständen geschuldet? Heute sehen Historiker es so: Der Terror ist nicht zu rechtfertigen, aber ohne Gewalt war das Ancien Régime nicht zu überwinden, die erkämpften Freiheiten nicht durchzusetzen.



Charpentier-Bericht (18.30 Uhr): "La Bastille est prise - et les portes sont ouvertes. Die Bastille ist genommen, die Tore sind geöffnet!" Ein Freudentaumel erfasste die Menschen. In nur 24 Stunden hatte das Volk von Paris seine Freiheit mit der Waffe in der Hand selbst erobert. Nicht aus Edelmut, sondern aus Angst."



Noch am selben Abend trommelt ein geschäftstüchtiger Bauunternehmer seine Arbeiter zusammen und beginnt mit dem Abbruch der Bastille: "Das erste Opfer, das der Patriotismus der Freiheit darbrachte, musste die Schleifung der Bastille sein."

Kollektives Ereignis

Beim Sturm auf die Bastille war kein Danton, Robespierre oder Mirabeau dabei. Es war ein kollektives Ereignis, das Volk selbst, die Nation brachte sie zu Fall. Die Eroberung der Bastille geht in die Geschichte ein als Bruch zwischen alter Herrschaft, dem Ancien Régime, und dem neuen Zeitalter der Freiheit.

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