Die Rätsel der Seevölker

Wo sie noch siedelten, woher sie kamen

Hinweisen auf weitere Siedlungsgebiete der Seevölker geht Dr. Dirk Lenz von der Antikensammlung München nach. Er ist davon überzeugt, dass die Seevölker nicht nur im Raum des heutigen Israel Fuß gefasst haben.

Streitwagen im Sonnenuntergang Quelle: ZDF
Vogelaskos Quelle: ZDF

In den einschlägigen Instituten folgt der Historiker der Spur bestimmter Vogeldarstellungen. Ein so genannter Vogelaskos aus dem 13. Jahrhundert vor Christus weckt das besondere Interesse des Wissenschaftlers. Die Vogelart ist unbekannt, ebenso ungeklärt ist die Frage, ob das Tier eine Gottheit verkörperte. Fest steht nur: Das Tongefäß spielte im Kult der Mykener eine bedeutsame Rolle.

Markante Vorlage

Schon die Reliefs von Medinet Habu in Ägypten bestätigen die Vorliebe der Männer vom Meer für das auffällige Motiv. Die Bugsteven ihrer Schiffe gestalteten sie als Vogelköpfe - eine markante Vorlage, die später in Süditalien häufig nachgeahmt wurde. Doch der Vogel bleibt nicht das einzige Indiz für eine Ansiedlung der Seevölker im Süden Europas. Auf sie könnten die Namen von Inseln zurück gehen: Sardinien auf die Schardana, auf die Schekelesch die Insel Sizilien.

Bugsteve als Vogelkopf Quelle: ZDF

Das gilt auch für den Küstenstreifen am Ostufer des Mittelmeers, der nach dem Stamm der Peleset benannt wurde: Palästina. Mit fünf großen Städten bildeten die Peleset wahrscheinlich die größte Gruppe der Seevölker. Die Bibel nennt sie Philister. Die archäologischen Funde verraten, woher sie kommen, nämlich aus der Ägäis. Bisher konnten die Fachleute nur vermuten, dass die Wanderung der Seevölker im Ägäischen Raum begann. Erst jüngste Funde erlauben eine genaue Bestimmung ihrer Herkunft.

Statuette als Schlüsselfigur

Sitzstatuette Quelle: ZDF

Als Schlüsselfigur gilt eine weibliche Sitzstatuette, die in der Philister-Hochburg Ashdod ans Licht kam. Die Tonstatuette zeigt einen Thron, aus dessen Lehne ein langgestreckter Kopf herauswächst. Die Reliquie stellt eine Schutzgöttin dar und kam bei religiösen Zeremonien zum Einsatz. Sie ist stets in Verbindung mit Miniaturtempeln zu finden, die bis heute Rätsel aufgeben. Dennoch halten die einzigartigen Gegenstände wertvolle Antworten bereit.

Minitempel aus Ton Quelle: ZDF

An den schmucken Mini-Tempeln hafteten Überreste von Weihrauchharz und Rußpartikeln. Es ist daher naheliegend, dass die Priester sie benutzten, um darin das kostbare Räucherwerk abzubrennen. Auch als Opfergabe kommt das Gehäuse in Frage. Mit dem Geschenk erbat der Spender vermutlich das Wohlwollen und den Segen der Gottheit. Über die Verwendung der Weihestätten im Kleinformat lässt sich allerdings nur spekulieren. Handwerklich stehen sie in der westlichen Tradition. Die Gottheiten aber, die sich daran erfreuen sollten, gehören zum Pantheon des Vorderen Orient. Die Expertin sieht in der Formel "ägäischer Kult für kanaanitische Götter" keinen Widerspruch.

125 Tempelmodelle

Nicht nur ihre Erfindung, auch der Umgang mit den Kultgefäßen stellt eine Besonderheit dar. Denn nach dem zeremoniellen Gebrauch deponierten die Priester sie in einer Grube - nicht weit vom Tempel entfernt. Vor wenigen Jahren bargen Archäologen die Tonarbeiten aus dem zehnten Jahrhundert vor Christus. Unter den Tausenden von Objekten waren allein 125 Tempelmodelle. In der israelischen Antikenverwaltung in Jerusalem lagern die kostbaren Stücke von Yavneh in endlos vielen Kisten. Der Fund ist für die Archäologen ein Durchbruch. Denn er untermauert die These vom Ursprungsland der Seevölker.

Viele Miniaturtempel aus Ton Quelle: ZDF

Ähnliche Gruben mit heiligen Gefäßen fanden Ausgräber auf der Insel Zypern, die in jener Epoche zum mykenischen Kulturraum gehörte. Zigtausende Objekte - gefertigt, geweiht, benutzt und beerdigt. Eine Massenproduktion lief an. Für jede Zeremonie stellten die Philister ein neues Modell her. Sie brauchten so viele Töpferwaren, dass sie auch kanaanitischen Handwerkern Aufträge erteilten. Nach Ansicht von Experten war dies der Beginn eines Wissenstransfers. Ihr Know-how machte die Ex-Nomaden zu Vorreitern des Fortschritts - auch in den Bereichen Architektur und Verwaltung.

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