Die Ritterin - ein moderner Mythos?

In der historischen Forschung findet sich nur wenig über Frauen mit Schwertern

Schaut man sich moderne Verfilmungen mittelalterlicher Stoffe an, so findet man die Filmwelten bevölkert von wilden Ritterinnen in Kettenhemd oder sogar in Vollpanzerung. In Ridley Scotts Ver­sion von "Robin Hood" kämpft Cate Blanchett in der Rolle der Maid Marian Seite an Seite mit ihrem Helden. King Arthur staunt nicht schlecht, als seine Zukünftige, die schöne Guinevere Keira Knightley zu Pfeil und Bogen, Schwert und Dolch greift. Und so­gar die zarte Kristen Stewart streitet in "Snow White and The Huntsman" im schweren Eisen-Outfit. So manch einem Zuschauer mag da der Verdacht kommen, dass die Fantasie der Autoren mit ihnen durchgegangen ist. Wer hat schon je von Ritterinnen ge­hört? Im Duden ist der Begriff überhaupt erst seit Kurzem vermerkt.

Jeanne d'Arc Miniaturmalerei
Objekt der wissenschaftlichen Begierde: Jeanne d'Arc

Tatsächlich findet sich in der historischen Forschung wenig über schwerterschwingende Frauen. Einzig die "Jungfrau von Orleans" ist immer wieder einmal Objekt wissenschaftlicher Betrachtung. Diese Quellenlage überrascht, wenn man bedenkt, dass es in der mittelalterlichen Literatur eine ganze Reihe von Ritterinnen oder zumindest ritterlich agierenden Frauen gibt. Die bekannteste un­ter diesen Frauengestalten ist sicherlich die nahezu unbezwing­bare Brünhild aus dem Nibelungenlied, die die Herren Ritter im Zweikampf das Fürchten lehrte. Aber es gab noch andere. Der Dichter Wolfram von Eschenbach beispielsweise schuf in seinem Roman "Willehalm" die Figur der Gyburg, die mit Armbrust und Schwert die heimische Burg verteidigt. Eine regelrechte mittelal­terliche Amazone ist Bradamante, die gleich in mehreren Dich­tungen im Dienste Karls des Großen gegen die Heiden kämpft. Hatten etwa auch die mittelalterlichen Autoren schon eine zu aus­schweifende Fantasie?

Welchen Grund allerdings sollten die mittelalterlichen Dichter ge­habt haben, solche Figuren zu erfinden, wenn das Ideal der Frau ganz anderes aussah. Sollte es doch reale Vorbilder gegeben haben? Im Verlauf der Recherche zu "Die Welt der Ritter" stießen wir auf einige überraschende Fakten. So stiftete beispielsweise Graf Raimund von Barcelona um 1150 den Ritterinnenorden "Die Damen von der Axt". Diesen martialischen Namen trugen die Rit­terinnen nicht ohne guten Grund, hatten sie doch die Stadt Tortosa während einer Belagerung erfolgreich und mit allen zur Verfügung stehenden Mitteln gegen die Mauren verteidigt. Andere Ritterorden nahmen sowohl Männer als auch Frauen auf. Der be­rühmte englische „Hosenbandorden“ hatte in seinen Anfangsjah­ren auch weibliche Mitglieder. Aus dem Jahr 1488 ist ein Nachweis über 64 Ritterinnen erhalten, die dem „Hosenband­orden“ angehörten.

"Königin der Troubadoure" und "Margarete Maultasch"

Eleonore von Aquitanien nahm 1146 das Kreuz und begleitete ihren Ehemann, den französischen König, Ludwig VII, bei einem Kreuzzug. Ob sie dabei auch Rüstung trug, ist nicht überliefert. Zumindest führte sie die Edelleute aus ihrer Territorialherrschaft an, die Ludwig selbst nicht zum Vasallendienst verpflichtet waren. Bekannt wurde sie allerdings eher als "Königin der Troubadoure". Eine andere Adlige, Gräfin Margarete von Tirol, soll sogar mit ih­ren Truppen eine Burg belagert haben. Die Bewohner der Burg Hochosterwitz sollen nur durch eine List dem überlegenen Heer der Gräfin entkommen sein. Heute halten einige Forscher die Belagerung für eine reine Sage. Allerdings gingen Historiker zu allen Zeiten nicht gerade freundlich mit Margarete von Tirol um. Schon wenige Jahre nach ihrem Tod nannte man sie "Margarete Maultasch" und dichtete ihr eine Menge schlechter Eigenschaften an. Mittelalterliche Quellen sind bei der Frage nach den Ritterin­nen also nicht unbedingt als neutral zu bezeichnen.

Kämpferin aus dem Fechtbuch
Anleitung für den Zweikampf vor Gericht

Ein ganz außergewöhnliches Zeugnis stellt in diesem Zusammen­hang das Fechtbuch des Hans Talhoffer aus dem Jahr 1467 dar. Der Autor, ein Söldner und Fechtmeister, hat eindeutig keine ide­ologischen Motive für sein Werk. Er schreibt keine Geschichte, sondern möchte schlicht Anleitungen für den Zweikampf vor Ge­richt geben. Umso wichtiger erscheint daher die Tatsache, dass er ein ganzes Kapitel dem Zweikampf Frau gegen Mann widmet. Ganz präzise und detailliert erklärt er hier der Kämpferin, wie sie sich vor Angriffen schützen und ihren männlichen Gegner schließlich besiegen kann.

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