Die Rolle der Maria Magdalena

Provokante These widerspricht der christlichen Überlieferung

Das Neue Testament liefert über das Verhältnis von Maria Magdalena zu Jesus nur spärliche Informationen. Der Wanderprediger habe der einstigen Prostituierten sieben Dämonen ausgetrieben. Später schließt sie sich dem Kreis seiner Jünger an und folgt der Lehre des Galiläers.

Zweifelsfrei war die schöne Jüdin Jesus treu ergeben. Viele Publikationen der Neuzeit behaupten sogar, dass er sie zur Frau nahm und sie ihm einen Sohn gebar.

Sonderstellung im Evangelium

Forscher, die darin einen historischen Kern sehen, berufen sich auf die Sonderstellung, die Maria Magdalena im Johannes-Evangelium einnimmt. Denn sie entdeckt als Erste die leere Gruft. Und sie ist die Erste, der sich der vom Tod Auferstandene zu erkennen gibt.

Anhänger der These glauben, dass Saunière im streng katholischen Rennes-le-Château der außerbiblischen Liebesgeschichte zwischen Jesus und Maria Magdalena ein Denkmal setzte. Mit dem Bekenntnis zu der populären Heiligen steht er durchaus in der Tradition seines Landes. Viele Einheimische sind sogar davon überzeugt, sie sei irgendwo in Frankreich begraben. In Saintes-Maries-de-la Mer in der Camargue verehren die Menschen noch heute die außergewöhnliche Figur. Berühmt die alljährliche Wallfahrt der Sinti und Roma.

Fromme mittelalterliche Erzählung


Das religiöse Fest geht auf eine Legende zurück: Etwa zehn Jahre nach der Kreuzigung Jesu sollen zwei Schwestern der Gottesmutter Maria gemeinsam mit Maria Magdalena an der südfranzösischen Küste gelandet sein. Der Vorstellung nach lebten die Frauen dort bis zu ihrem Tod. Eine fromme mittelalterliche Erzählung, die in Umlauf kam, um Pilger anzulocken. Ein Stoff, der Spielraum für zahlreiche Deutungen bietet, einer historischen Überprüfung aber nicht stand hält.

Dass die vermeintliche Gespielin Jesu im Leben des Pfarrers eine wichtige Rolle spielte, davon zeugt seine Vorliebe für Kunstwerke, die Magdalena darstellen. Seine Zuneigung für die Marienfigur sollte ihn in Verruf bringen. Jahrzehnte nach dem Tod des Abbé behaupten selbsternannte Experten plötzlich, er habe die von Jesus schwangere Magdalena in Stein meißeln lassen. Ein Fehlurteil. Denn Krone und gewölbter Leib sind die markanten Kennzeichen von Maria, der Mutter von Jesus. Aus dem brisanten Thema spinnen die Verfasser des so genannten Sachbuchs vom heiligen Gral um Magdalena eine Sensationsstory, die heftige Kontroversen auslöste.

Umdeutung historischer Vorgänge

Eine provokante These, doch sie widerspricht der christlichen Überlieferung. Damit nicht genug, Henry Lincoln deutet sogar historische Vorgänge um. Von der Welt unbemerkt, durchziehe ein erbitterter Kampf die abendländische Geschichte. Und zwar zwischen der Kirche und den Nachkommen Jesu.

Mit dem Selbstverständnis, Stellvertreter Christi auf Erden zu sein, erhoben die Päpste den Anspruch, Europas Könige ins Amt einzusetzen. Lincoln zufolge hätten aber nicht weltliche Herrscher den Thron besteigen dürfen, sondern ausschließlich Nachkommen von Jesus. Sie allein seien berufen, als gekrönte Oberhäupter die Christen zu regieren. Das ominöse Pergament dient den Bestseller-Autoren als Bestätigung. Ihrer Meinung nach ist der Schatz, der Dagobert und Jerusalem gehört, kein Gold, sondern das Blut Jesu - das heißt seine Kinder. Und Dagobert II. ist ein Nachfahre des Gekreuzigten.

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