Die Rückkehr nach Rom

Gegenpäpste in Avignon und Bologna spalten die Christenheit

Die Tradition des Christentums hat zwei bedeutende Namen. Jerusalem und Rom. Im Mittelalter war Jerusalem nach der Niederlage der Kreuzritter verloren. Blieb noch Rom. Das Leben in Rom ging trotz Avignon ungebrochen weiter.

Gemälde Rückkehr von Papst Gregor XI. nach Rom Quelle: ZDF

Die Mystik, deren Anhänger göttliche Botschaften empfangen und Prophezeiungen verkünden, erfasst die Stadt. Den Päpsten drohe der frühe Tod, wenn sie nicht nach Rom zurückkehren, heißt es. Eine prominente Mystikerin ist die Dominikanernonne Katharina von Siena. Sie bewegt den Papst zur Rückkehr. Den ersten Versuch, ernsthaft wieder nach Rom zurückzukehren, macht Urban V. Er zieht 1365 in Rom ein, restauriert die großen Kirchen und versucht in Italien Politik zu machen. Drei Jahre hält er durch, dann kapituliert er und kehrt erleichtert nach Avignon zurück.

Königssaal im Apostolischen Palast Quelle: ZDF

Rückkehr aus dem Exil

Der im 16. Jahrhundert entstandene Königssaal im apostolischen Palast vom Vatikan ist einer der prunkvollsten Räume. Hier findet sich ein Echo auf das vorläufige Ende der Papstherrschaft von Avignon: Ein Gemälde, das - in mythischer und allegorischer Ausschmückung - die Rückkehr von Papst Gregor XI. aus dem französischen Exil nach Rom festhält - ein Triumph, der viel zu früh gefeiert wurde.

Eine Katastrophe bahnt sich an: Der im Triumph nach Rom zurückgekehrte Papst stirbt am 7. April 1378, kurz nach seiner Ankunft. Eine Wahlversammlung der völlig zerstrittenen Kardinäle wird einberufen. Zum ersten Mal seit 75 Jahren findet wieder eine Papstwahl in Rom statt. 16 Kardinäle, ein Spanier, vier Italiener und elf Franzosen - die Franzosen sind also in der Überzahl - kommen zur Wahlversammlung zusammen, um einen aus ihren Reihen zum Papst zu wählen.

Zur Wahl gezwungen

Nach turbulenten Machtkämpfen und dem Geschacher um Ämter und Pfründen werden die Kardinäle unter Bewachung eingeschlossen und zur Wahl gezwungen. Sie einigen sich mit Papst Urban VI. auf einen schwächlichen Kompromisskandidaten italienischer Herkunft. Er gilt als demütig und fromm. Die französischen Kardinäle hoffen, dass er bald nach Avignon zurückkehrt.

Karte dreigeteilte Kirche Quelle: ZDF

Doch kaum gewählt, entpuppt sich der schwächliche Kandidat als machtbesessener Choleriker. Mit harter Hand will er die Kirche reformieren. Die Feinde seiner Politik steckt er ins Gefängnis oder lässt sie hinrichten. Er ist verhasst wie ein Tyrann. Doch die Römer unterstützen Urban VI., denn sie wissen, dass dieser Papst nicht nach Avignon gehen will. Die mehrheitlich französischen Kardinäle dagegen erklären die Wahl für ungültig und wählen in der Nähe von Rom mit Clemens VII. einen neuen Papst.: nun gibt es zwei Päpste. Das Chaos ist perfekt. Die gesamte christliche Staatenwelt zerfällt über Jahre hinweg in zwei feindliche Lager, die "Urbanisten" und die "Clementisten". Jetzt wollen alle nur noch das Konzil. 1409 wird in Pisa mit Alexander V. ein neuer Papst gewählt.

"Verfluchte Dreiheit"

Unglücklicherweise findet Alexander V. bei den wichtigsten europäischen Fürsten keine Anerkennung. Nun gibt es drei Päpste in den drei Städten Rom, Avignon und Bologna. Das Konzil von Pisa, als Rettung aus der Krise gedacht, ist gescheitert. Jetzt stehen drei Päpste zur Auswahl, und jeder entscheidet sich für den, der seinen Interessen am besten dient. Die "verruchte Zweiheit" ist der "verfluchten Dreiheit gewichen".

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