Die Schatztheorie

Reichtum durch Verkauf von Kostbarkeiten?

In Südengland lebt ein Mann, der den Fall in Rennes-le-Château mit anderen Augen sieht. In den 1980-er Jahren schrieb der Journalist Henry Lincoln mit zwei Co-Autoren den Bestseller "Der Heilige Gral und seine Erben".

Für den Briten zählt ausschließlich der Inhalt der Botschaft und nicht das Alter des Papiers.

Verborgene Botschaften

Henry Lincolns so genannte Beweise sind in der Kirche von Rennes-le-Château für jedermann zugänglich. Der Bau geht zurück auf das 6. Jahrhundert, die Epoche der Merowinger. Der britische Autor ist überzeugt, dass Saunière bei der Umgestaltung des Innenraums an Skulpturen und Reliefs verborgene Botschaften angebracht hat.

Neben dem Eingang hockt Asmodeus, ein grimmiger Dämon - nach jüdischer Überlieferung der Hüter verborgener Schätze. Für eine katholische Kirche tatsächlich ein ungewöhnliches Motiv. Über der Skulptur steht: "In diesem Zeichen wirst Du ihn besiegen." Das Wort "le" - zu deutsch "ihn" hat der Priester dem Zitat hinzugefügt. Lincoln hält den Vers für einen Code. Für ihn gehört das "le" zwischen die Initialen in der Kartusche von Bérenger Saunière und bedeutet "bles" - französisch für "Zaster". Der Begriff "bles" kommt auch in dem Papier aus Rennes vor. Kannte es der Pastor und hinterließ in der Kirche den Hinweis, dass er Gold gefunden hatte?

Legendäre Schätze

Zwei legendäre Schätze aus der Vergangenheit sollen in der Region um Rennes-le-Château vergraben liegen. Ein Hort gehörte den Katharern. Die Sekte, die sich gegen bestimmte Lehren der Kirche auflehnte, hatte eine Festung auf dem Montségur - nur wenige Kilometer von Rennes-le-Château entfernt.

Im 13. Jahrhundert führten die französischen Könige gegen die Abtrünnigen einen blutigen Feldzug. Kurz vor Erstürmung ihrer letzten Bastion sollen die streng gläubigen Männer ihren kostbaren Besitz an einen sicheren Ort irgendwo in der Umgebung geschafft haben. Oder führen die Zeilen mit dem Hinweis auf Zion auf eine andere Spur? Und zwar auf ein weltberühmtes Ereignis.

Jüdischer Tempelschatz

Der Triumphbogen von Kaiser Titus am Forum Romanum gibt darüber Aufschluss. Das Relief an der Innenwand dokumentiert den frevelhaften Raub des jüdischen Tempelschatzes durch die Römer. 410 fiel das heilige Gut den Westgoten in die Hände, als sie Rom eroberten. Mit ihrer Beute zogen die Sieger schließlich nach Südfrankreich, in die Gegend von Rennes-le-Château. Dort verliert sich die Spur.

Als der arme Priester plötzlich zu Wohlstand gelangte, glaubten viele, er sei auf einen der beiden Schätze gestoßen. Doch bis heute ist keiner der Gegenstände aufgetaucht. Da der Abbé aber nachweislich über Unsummen an Bargeld verfügte, müsste er die Pretiosen an kundige Interessenten verkauft haben. Eine These, die bislang zu keinem Resultat führte.

Geheimnisvolle Aura

Rennes-le-Château ist ein kleines Dorf, in dem sich niemand verlaufen kann. Und doch ein Labyrinth. Ein Gewirr aus rätselhaften Begebenheiten, Theorien, Schlussfolgerungen, Andeutungen und Spekulationen. Sie alle drehen sich um den unerklärlichen Geldsegen des Abbé Saunière. Alles, was er jemals unternahm, umgibt später eine geheimnisvolle Aura. Nicht nur Gerüchte über die dunkle Quelle seines Vermögens, sondern auch über ketzerische Handlungen innerhalb der Gemeinde rücken den Gottesmann ins Zwielicht.


Vor allem der Umbau der Dorfkirche gibt bis heute Anlass zu phantastischen Interpretationen. So auch der Satz, den Saunière über dem Portal einmeißeln ließ: "Terribilis est locus iste" - "Dies ist ein schrecklicher Ort". Aber das lateinische "terribilis" bedeutet auch "Ehrfurcht gebietend". Und die Fortsetzung des Bibelzitats lautet: "Hier ist das Haus Gottes und das Tor zum Himmel." Also durchaus kein Verstoß gegen die katholische Tradition.

Missachtete Regeln

Doch immer wieder wird dem Seelenhirten die Missachtung von Regeln vorgeworfen. Ein Vorwurf, zu dem noch eine andere Darstellung im Innenraum beiträgt. Sie steht an einem prominenten Ort. Die Skulpturen im Altarraum zeigen Jesus in doppelter Ausführung. Maria hält ein Kind auf dem Arm - ebenso wie sein irdischer Vater Joseph.

In dem ungewöhnlichen Ensemble wollen bestimmte Autoren die Andeutung erkennen, dass eine andere Geschichte Jesu neben der biblischen Überlieferung existiert. Darin spielt Maria Magdalena eine Schlüsselrolle. In Frankreich nimmt die biblische Sünderin den Rang einer Nationalheiligen ein. Kein Wunder, dass die Kirche von Rennes-le-Château schon vor Saunières Amtsantritt der Gefährtin Jesu geweiht war.

Um unser Web-Angebot optimal zu präsentieren und zu verbessern, verwendet das ZDF Cookies. Durch die weitere Nutzung des Web-Angebots stimmen Sie der Verwendung von Cookies zu. Näheres dazu erfahren Sie in unserer Datenschutzerklärung.

Gemerkt! Merken beendet Bewertet! Bewertung entfernt Abonniert! Abo beendet