Die Schlacht bei Issos

Erste Niederlage für Darius

Alexander ist zwanzig, als er die Königswürde erbt. Jetzt hält ihn nichts mehr: er fordert das Schicksal heraus. Er ist davon überzeugt, dass die Götter mit ihm sind. Im Jahr 334 vor Christus beginnt Alexander das Ungeheuerliche: Mit 30.000 Mann dringt er auf persisches Gebiet vor: Sein Feldzug beginnt - er will die ganze Welt erobern.

Unter dem Einfluss der Soldaten Alexanders wird sich die Welt verändern, die politische Landkarte wird neu gezeichnet. Bei Troja setzt er über die Meerenge Hellespont nach Asien über. Alexander ist - bei all seiner Jugend - ein genialer Stratege. Zuerst will er die Häfen Kleinasiens besetzen, damit von dort die gewaltige Flotte der Perser nicht sein Heimatland angreifen kann.

Gefürchtete Phalanx

Im Jahre 333 begegnen sich Alexander und Darius bei Issos zum 1. Mal. Am Strand bringt Darius die schwere Kavallerie in Position, um die gegnerischen Reihen über den Haufen zu reiten. Noch trennt der Fluss Pilarus die feindlichen Heere. Alexander reagiert umgehend: Er stellt seine Reiterei am südlichen Flussufer gegen den Feind und blockiert dessen Fußtruppen mit den gefürchteten Phalanx-Einheiten.

Rechts am Gebirgsrand wirft er dann blitzartig die Elitereiter in den Kampf. Völlig überrumpelt weichen die Perser zurück und Alexander kann den Großkönig direkt attackieren. Am Fluss Pilarus bei Issos trifft Darius auf Alexander. Im Frühjahr 333 soll sich das Flusswasser hier blutrot gefärbt haben: Tausende von Toten - so berichten die Chronisten.

Darius verliert die Nerven

Ein über zweitausend Jahre altes Mosaik mit vier Millionen farbigen Steinchen zeigt den "Schnappschuss" eines antiken Kriegsberichterstatters. Es zeigt genau die dramatische Sekunde, in der Darius die Nerven verliert. Ihm Aug in Aug ein junger, entschlossener Alexander, der souverän alles überblickt. Dagegen nackte Panik in dem anderen Gesicht. Darius hat längst aufgegeben. Sein Streitwagen ist zur Flucht gewendet. Warum diese Überlegenheit Alexanders? Ist es sein taktisches Geschick oder die einschüchternde Energie, die von dem 22-jährigen ausgeht?

Im blutigen Gewirr der antiken Feldschlacht, im Kampf Mann gegen Mann, entfaltet sich Alexanders besonderes Talent: Er kämpft gegen einen zahlenmäßig überlegenen Gegner, gegen ein Heer, das als unbesiegbar gilt. Schnelligkeit ist Alexanders Schlüssel zum Erfolg - und Psychologie.

"Das ist das Königtum!"

Die folgenschwere Konsequenz: Darius verlässt die Schlacht. Der Herrscher des Weltreiches auf der Flucht - es wird nicht das letzte Mal sein. Alexander ist der Mann, der alles auf eine Karte setzt. Und jetzt scheint er dem Sieg schon ganz nah. Er genießt die Früchte seines Triumphs: Die herrlichen Schätze, die Darius in seinem Feldlager zurückließ. "Das ist das Königtum!", soll er bei dem Anblick ausgerufen haben. Eine Ahnung vom ganzen Reichtum Persiens: Goldene Schalen, Schmuck im Überfluss, ein schweres Trinkhorn - die Welt der Perserkönige scheint aus Gold gemacht. Man muss nur zugreifen!

Und noch einen "Schatz" erbeutet er: Stateira, die Frau des Darius. Die antiken Historiker erzählen, dass er sie mit Respekt empfangen haben soll und sie ehrenvoll behandelte. Alexander - ein Ehrenmann? Alexander ist der neue Herrschertyp, aber widersprüchlich durch und durch. Auf antiken Fresken wird er als schöner Held verherrlicht. Und auf Münzbildern gar als Gottheit. Alexander, ein makelloser Held? In seinem späteren Leben werden andere Züge hervortreten. Unkontrollierte Wutausbrüche, Alkoholsucht, Hass. Er erschlägt seinen besten Freund.

Feind als Vorbild?

Übernimmt Alexander den Größenwahn der persischen Herrscher? Bei ihm wird jetzt üblich, was am Hof des Großkönigs schon seit Jahrhunderten gängige Praxis ist und was die alten Reliefs zeigen: Das unterwürfige Hofzeremoniell, bis ins kleinste Detail festgeschrieben, ist für freiheitsliebende Griechen eine unerträgliche Zumutung. Wird Darius, der verhasste Feind, jetzt das heimliche Vorbild Alexanders?

Alexander macht sich selbst zum Gott - und vergisst die Lektionen seines Lehrers Aristoteles: Maßhalten und Gerechtigkeit üben. Man berichtet von Exzessen in seinem Lager, von Orgien, von Trunksucht und Gewalt. Dennoch ist Issos ein erster Triumph.

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