Die Schlacht von Noreia

Erstes Aufeinandertreffen von Kimbern und Römer

Die römischen Legionen unterschätzten ihre Gegner und lockten sie in einen Hinterhalt. Doch der Blitzkrieg wurde zum römischen Alptraum.

Von der Donau zogen die Kimbern weiter. Aber wohin? Wie den richtigen Weg finden? Es gab keine Landkarten, keinen "Kompass", und die Orientierung nach den Sternen war den Germanen unbekannt. Die Kimbern mussten sich bei Kundschaftern und Händlern durchfragen: Wo gab es was zu holen, wo hatte man leichtes Spiel? Wo war mit Gegnern zu rechnen? Gar mit römischen Legionen!

Wusste man nicht weiter, war man sich uneins über Weg und Ziel, entschied - nach Germanenart - das Orakel. Ein Stein und das frische Blut von Gefangenen dienten als Wegweiser. So ist es überliefert. Aus Rumänien und Ungarn zogen die Kimbern und Teutonen westwärts, in Richtung des gelobten Landes, nach Italien. Sieben lange Jahre waren sie nun schon auf Wanderschaft, mehr als 3000 Kilometer hatten sie zurückgelegt.

"Wie ein Feuersturm"

Im Jahre 113 vor Christus tauchen sie in den Voralpen auf, in Kärnten, bei Noreia, in gefährlicher Nähe zum Römischen Reich. Das Land ist fruchtbar, reich an Eisen und sogar Gold. Aber die Römer fühlen sich bedroht. Konsul Carbo lässt die Alpenpässe besetzen, um die Germanen am Durchmarsch nach Italien zu hindern. Dem Konsul versprechen sie, friedlich weiter zuziehen.

Scheinheilig bietet Konsul Carbo ihnen Führer an. Sie locken die Kimbern in einen Hinterhalt. Carbos Legionen glauben leichtes Spiel mit den naiven Barbaren zu haben. Aber es kam ganz anders. Der erste Zusammenstoß mit Germanen in der Schlacht von Noreia war für die Römer ein Schock. Sie fürchteten die Wilden aus dem Norden. Sie seien "an Stärke unübertrefflich und an Aussehen den Giganten gleich."

Kleinwüchsige Römer, robuste Germanen

Die Wiener Anthropologin Teschler-Nicola vergleicht das Skelett eines Germanen mit dem eines Römers. War der Bericht Diodors über die "germanischen Recken" groteske Ausgeburt römischer Phantasien und Ängste?

Um die Größe eines Menschen festzustellen, reicht den Anthropologen schon ein Knochen vom Oberschenkel oder Oberarm. Aus statistischen Vergleichstabellen können sie dann, nach Völkern unterschieden, die Körpergröße ermitteln. Bis auf zwei, drei Zentimeter genau. Das Ergebnis hunderter Skelettuntersuchungen: Viele Germanen hatten einen robusten Körperbau und waren großgewachsen. Die Kimbern maßen im Durchschnitt 1,74 Meter, etliche waren entschieden größer. Damit überragten sie die eher kleinwüchsigen Römer nicht selten um Haupteslänge.

Furor Teutonicus

Die erste Schlacht mit den Kimbern und Teutonen im Jahre 113 vor Christus würden die Römer nie vergessen: Noch lange fürchteten sie den Furor Teutonicus, das Wüten der Germanen. Dann aber büßte der Konsul Carbo seine Hinterlist mit schweren Verlusten. Ruhmlos wurden seine Legionen aufgerieben. Zersprengt flüchteten die Römer in die Wälder. Aber ausgerechnet ein Gott der Barbaren kam den Römern zu Hilfe. "Furchtlos seien die Germanen". Nur Blitz und Donner fürchteten sie panisch, sie hatten Angst, ihr Gott Donar ließe den Himmel einstürzen. Wegen der göttlichen Zeichen ließen sie von den geschlagenen Legionen ab. Rom entging nur knapp einer militärischen Katastrophe. Vorerst.

"Dem göttlichen Gast des Heeres"

Den Schauplatz des Blitzkrieges haben Archäologen in der Nähe des Magdalensberg in Kärnten lokalisiert. 18 Bronzehelme wurden in einem Versteck auf ihrer Marschroute in den Alpen gefunden. Jeder schon in der Antike ein Vermögen wert. Waren sie Beutegut der Kimbern?

Der so genannte Helm B aus dem Depot des Kunsthistorischen Museum in Wien ist weltberühmt wegen einer rätselhaften Inschrift. Ein spannender Fall für den Germanisten Hermann Reichert. Von rechts nach links entziffert er: HA-RI, GAS - TI, TEIVA . Die Sprache ist eindeutig germanisch. HARI ist germanisch das Heer, GASTI ist der Gast. Mit TEIVA könnte "dem Göttlichen" gemeint sein, ein germanischer Kriegsgott. Es ist das älteste germanische Schriftdokument, die einzige Spur der Völkerwanderung der Kimbern außerhalb von Dänemark. Bis heute.

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