Die Schlacht von Tobol

Kosaken siegen über Tataren

Auf ihrem Weg nach Osten blickten die Kosaken von markanten Punkten in der Landschaft des westlichen Sibirien auf die zahlreichen Flussläufe, die ihnen den Weg wiesen. Bereits zwei Jahre waren seit ihrem Aufbruch vergangen. Am Flüsschen Tobol sollte es eine entscheidende Auseinandersetzung mit den Tataren geben.

Schlachtbild von Tobol Quelle: ZDF

Fast waren die Stroganows vergessen, angesichts dieses weiten Landes mit seiner scheinbar grenzenlosen Freiheit. Und von den Reichtümern des Landes hatten sie wenigstens einen Vorgeschmack bekommen.

Geschwächte Streitmacht

In letzter Zeit war es zwischen den Kosaken und den einheimischen Tataren immer wieder zu kleineren Gefechten gekommen. Natürlich waren die Tartaren längst über die Fremden informiert, viele hatten ihr Vordringen beobachtet und versuchten, sie von ihrem Vorhaben abzubringen. Jermak aber wusste genau, dass er vor Wintereinbruch unbedingt die Hauptstadt des Khanats Sibir einnehmen musste, wenn er nicht in den ihm unbekannten Weiten zum Opfer von Wind und Wetter werden wollte. Durch Krankheiten, Unfälle und tartarische Angriffe war seine Streitmacht bereits auf die Hälfte geschrumpft.

Jermak und seine Männer setzten den Vormarsch fort. Doch jetzt stand am Flüsschen Tobol eine Schlacht bevor. Es war am 23. Oktober 1583 als Jermaks Kosaken und die Tataren des Khan Kutschum aufeinander trafen. Die Kosaken waren mit Feuerwaffen ausgerüstet. Die Tataren kämpften mit einfacheren Mitteln. Jermak Timofejew blieb Sieger. Als Jermak am 26. Oktober 1583 in Isker einzog, war die Siedlung verlassen. Von den Schätzen, die Kutschum über Jahre hinweg gehortet hatte, fanden sie nur wenig, doch ein gut gefülltes Vorratslager sollte ihnen helfe, über den bevorstehenden Winter zu kommen. Der erste große Schritt zur Eroberung Sibiriens war getan. Das Khanat Sibir war für Russland erobert.

Vorposten auf dem "achten Kontinent"

In der Nähe des Schlachtortes entstand die Stadt Tobolsk. Auf den Trümmern der alten Tatarenhaupstadt erbauten Kosaken eine Holzfestung. Schon bald sollte es in Sibirien viele davon geben - russische Vorposten auf dem "achten Kontinent".



Aus der alten Festung erwuchs eine Stadt, die erste Hauptstadt Sibiriens. Ihre ländliche Seite mit den alten Holzhäusern kann sie auch heute nicht verleugnen. Dicke Mauern umgeben den Kreml von Tobolsk, der hoch über der Stadt liegt. Zar Peter der Große hatte den Befehl zu seinem Bau gegeben. Einst flossen hier die Pelzströme aus Asien zusammen, die von der einheimischen Bevölkerung Sibiriens als Steuern erpresst wurden und zur raschen Dezimierung des Pelzreichtums führten. Um den Besitz des Tobolsker Kreml, der auch ein wichtiges geistliches Zentrum des "achten Kontinents" wurde, streiten sich heute Kirche und Staat.

Neue Gedenkstätte

Die Glocken von Tobolsk erinnern an ein anderes, trauriges Kapitel aus der jüngeren Geschichte Sibiriens. Hier erlebten der letzte russische Zar, Nikolai II. und seine Familie die Oktoberrevolution 1917, bis sie im Mai 1918 nach Jekaterinburg am Ural gebracht wurden. Dort wurden sie erschossen. Die Gedenkstätte für die letzten Romanows ist neu. In Sibirien ist man seit je eher bereit, sich den veränderten politischen Situationen anzupassen und einst Verfehmte zu ehren.

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