Die Schönfelder Kultur

Isoliert in Mitteleuropa

Die nach dem im altmärkischen Landkreis Stendal gelegenen Fundort Schönfeld benannte Kultur war eine vorwiegend auf den mitteldeutschen Raum beschränkte Erscheinung. Ihre Kerngebiete lagen zwischen nordöstlichem Harz, mittlerer Elbe und unterer Havel.

Schönfelder Brandgrab aus Möhringen
Schönfelder Brandgrab aus Möhringen Quelle: LDA Sachsen-Anhalt/Karol Schauer

In diesen Landschaften löste sie um 2800 v.Chr. plötzlich die örtlichen Zivilisationen der vorangegangenen mittleren Jungsteinzeit ab, offenbar jedoch ohne sich aus jenen entwickelt zu haben. Andererseits gibt es auch keine Hinweise auf eine Einwanderung. Ihr Ursprung bleibt bislang unbekannt. Dies gilt auch für ihr Ende, denn um 2200 v.Chr. verliert sich die Spur; ein Verschmelzen mit anderen Kulturgruppen ist nicht zu erkennen.

Fremden Einflüssen abgeneigt

Vereinzelte kleine Verbreitungsinseln streuten weit außerhalb des Hauptsiedelgebietes. Dort waren allerdings die kulturellen Eigenarten oftmals weniger ausgeprägt. Doch immerhin zeugen solche Schönfelder Kulturelemente in auswärtigen Gegenden - vor allem im Gebiet der Schnurkeramiker - von einer gewissen Behauptungskraft oder Attraktivität. Ihrerseits zeigte sich diese Kultur fremden Einflüssen kaum aufgeschlossen. Allenfalls mit der nördlich benachbarten Einzelgrabkultur stand man in einer noch nicht zu bewertenden Beziehung, wie Überschneidungen der Siedlungsgebiete andeuten.

Die Schönfelder Kultur gliederte sich in zwei größere Regionalgruppen - einen älteren, ostelbischen Verband und den jüngeren, westelbischen Bevölkerungsteil. Die Genese dieser unvermittelt auftauchenden Zivilisation beruhte offenbar auf weltanschaulichen Konzepten, die mit allgemein üblichen Traditionen brachen. Ausdruck dessen ist vor allem die abrupte Abkehr vom Körpergrab zugunsten der kompromisslosen Hinwendung zur Brandbestattung. Damit stand diese Kultur isoliert in ganz Mitteleuropa, in dem alle anderen Völker die Körper ihrer Toten unversehrt beerdigten. Aber auch im Brandgrabphänomen unterscheiden sich die Schönfelder Gruppen von anderen urgeschichtlichen Zivilisationen mit ähnlichem Bestattungsbrauchtum. Sie waren die Einzigen, die flache Schalen als Urnen für den Leichenbrand benutzten.

Bräuche der Bestattung

Spielte die Brandbestattung für alle anderen jungsteinzeitlichen Zivilisationen nur eine untergeordnete Rolle, so war sie erstmalig bei der Schönfelder Kultur die alleinige Art der Beisetzung. Hierin dokumentiert sich eine bewusste Abgrenzung gegenüber den benachbarten Bevölkerungen. Die Toten wurden mitsamt Geräte-, Schmuck- und Nahrungsbeigaben auf einem Scheiterhaufen eingeäschert. Flache Keramikschalen und nur gelegentlich andere Tongefäße dienten als Behälter und Abdeckung für den Leichenbrand. Auffällig ist die charakteristische Strahlenornamentik auf der Außenseite etlicher dieser Leichenbrandschalen. Der Verzierung liegt vermutlich eine Sonnensymbolik zugrunde.

Die Grabplätze lagen höchstens wenige Hundert Meter von den Siedlungen entfernt. Zwischen den Gräbern ließ man einige Meter Abstand. Die Grabgruben wurden nur flach eingetieft und eingeebnet. Vereinzelt wählte man die oberirdisch sichtbaren Großsteingräber älterer Kulturen als Bestattungsplatz aus.

Wohnen und Wirtschaften

Feuersteinbeil der Schönfelder Kultur
Feuersteinbeil der Schönfelder Kultur Quelle: LDA Sachsen-Anhalt/Juraj Liptak

Bei der Wahl des Wohnplatzes war die Bodenqualität offenbar nur bedingt ausschlaggebend. Allerdings lagen die Siedlungen - wenige Häuser umfassende Weiler oder bis zu ein Hektar große Dörfer - stets in Gewässernähe, aber hochwassergeschützt. Je nach Zweck errichtete man Holzgebäude kleiner und mittlerer Größe in Pfostenbauweise, ohne regelhafte Ausrichtung. In den Wohnhäusern, die bis zu 20 Meter lang und mehr als 5 Meter breit sein konnten, befanden sich nachweislich Feuerstellen in abgetrennten Räumen. Die Innenraumgliederung solcher vermutlich Firstdächer tragenden Langhäuser ist auch durch Pfostenspuren belegt. Zum Beispiel gibt es eine nahezu quadratische Kammer und einen zweischiffigen Saal. Überdies gibt es spärliche Hinweise auf eine Befestigungsanlage im Raum Magdeburg, die ein Licht auf das zumindest zeitweilige Sicherheitsbedürfnis der Bevölkerung wirft, wie auch auf die Fähigkeit, Großbauprojekte zu realisieren.

Die Beobachtung, dass die frühesten Siedlungsareale der Schönfelder Kultur eine aus ackerbaulicher Sicht eher durchwachsene Bodengüte aufweisen, gab Anlass zur Überlegung, ob der wirtschaftliche Schwerpunkt auf der Viehzucht lag. Im Laufe der Zeit dehnten diese Leute ihre Gebiete allerdings auch auf Ländereien mit hervorragenden Böden aus. Der Anbau der damals üblichen Getreidearten und Hülsenfrüchte wird in jedem Fall ein fester Bestandteil der Nahrungsproduktion gewesen sein. Bemerkenswert ist die hohe Qualität der Keramik, worin sich Tendenzen zur spezialisierten Töpferei abzeichnen.

Charakteristische Funde

Knochenanhänger der Schönfelder Kultur
Knochenanhänger der Schönfelder Kultur Quelle: LDA Sachsen-Anhalt/Juraj Liptak

Flache weitmündige Schalen mit Henkelösen sind geradezu das materielle Markenzeichen der Schönfelder Kultur. Sie begegneten uns bereits im Bestattungsbrauchtum als Behältnisse für den Leichenbrand. Zahlreiche Exemplare sind auf der Außenwand mit eingeritzten Mustern dekoriert, zumeist mit einem Strahlenornament. Der enge Abstand des Ösenpaares wie auch die außenseitige Verzierung sind wohl Hinweise darauf, dass die Schalen mit sichtbarer Schauseite an der Decke oder der Wand aufgehängt wurden. Auf diese Weise kommt jedenfalls das sonnenartige Strahlenmuster am besten zur Geltung.

Bemerkenswert wegen der teilweise eigentümlichen Formgebung ist der Knochen- und Bernsteinschmuck, vor allem die ringartigen Anhänger mit zungen- oder ankerförmigem Stiel. Diese gestielten Anhänger waren vielleicht Imitationen formähnlicher Goldringe zeitgleicher Kulturen aus dem ungarischen Raum. Markant sind auch die Ausformungen der steinernen Beilklingen und Pfeilspitzen. Vor allem die schmalen, langrechteckigen, fast parallelseitig bis schwach trapezförmigen Projektile unterscheiden sich in ihrer klingenartig geraden Endkante von den sonst üblichen dreieckigen Pfeilspitzen. Auch die Beile der Schönfelder Kultur unterscheiden sich von den schnurkeramischen Stücken: Schneide und Nacken sind breiter.

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