Die schönste Monarchin der Welt

Exzessiver Sport, Hungerkuren und Reisen steigern Sisis Selbstbewusstsein

Immer häufiger entflieht Sisi der Wiener "Kerkerburg" und beginnt kreuz und quer über das Meer zu reisen. Sie inszeniert sich dabei wie eine Schönheitskönigin und macht ihre Schlankheit zur Mode an den europäischen Fürstenhäusern.

Sisi vergleicht sich voller Melancholie mit einer Möwe, die nach Freiheit sucht. "Durch die ganze Welt will ich ziehen", schreibt sie, "bis ich einmal versunken sein werde." In Wien fühlt sie sich krank, nur unterwegs ist sie in ihrem Element. Aus Sorge um ihre Gesundheit lässt man sie ziehen - von Madeira nach Korfu, vom Mittelmeer an die Nordsee. Das Reich ist ohne Kaiserin, dem Kaiser fehlt die Frau und den Kindern die Mutter. Nur manchmal regt sich leiser Zweifel. Die Vagabundin nutzt ihre Freiheit, um sich so viel Wissen anzueignen, dass sie dem ganzen Wiener Hof bald überlegen ist. Auf ihren Reisen ist immer ihr Griechischlehrer dabei. Damit sie die Sprache lernt, muss Christomanos ihr auf stundenlangen Strandspaziergängen aus der Odyssee vorlesen.

Fremde am Hof

Sisi mit Begleiterin und Griechisch-Lehrer am Strand (Spielszene) Quelle: ZDF

Franz Joseph schreibt ihr jeden Tag, wie das Wetter ist und was er auf der Jagd geschossen hat, sonst nichts. Der Kaiser arbeitet von früh bis spät mit der Beflissenheit eines Beamten. Krisen und Kriege rütteln an seiner Macht. Elisabeths Traum von der romantischen Liebe zerbricht, als ihm sexuelle Affären nachgesagt werden. Das gemeinsame Schlafzimmer bleibt immer häufiger unbenutzt. Sisi verweigert sich, und der Wiener Tratsch erfindet Gerüchte. Elisabeth bleibt eine Fremde am Hof. Sie beginnt zu hungern - bis zur Magersucht. Von einem Moment zum anderen schwankt ihre Stimmung zwischen Depression und Euphorie.

Wie eine Schönheitskönigin

Sisi sammelt Frauenporträts aus aller Welt Quelle: ZDF

Begeistert sammelt Sisi Frauen-Porträts aus aller Welt und legt ein Schönheiten-Album an. Aus Paris treffen Fotos von Akrobatinnen und Tänzerinnen ein - in freizügiger Kleidung und skandalöser Pose. Für diplomatische Irritation sorgt ihr Wunsch, Bilder von orientalischen Haremsdamen zu besitzen. "Sie betet die Schönheit an wie einen Götzen", schreibt eine Nichte, "und sieht ihre Lebensaufgabe darin, jung zu bleiben". Eine Anekdote berichtet von einer "Wadenkonferenz" mit der Kaiserin von Frankreich. Demnach haben die beiden First Ladies mit dem Zentimetermaß ihre Beine vermessen.

Sisi macht die Schlankheit zur neuen Mode in den europäischen Fürstenhäusern - und spottet bissig über die üppigen "Trampeltiere" der Wiener Gesellschaft. Das Archiv der österreichischen Nationalbibliothek in Wien beherbergt eine einzigartige Sammlung von Fotografien, mit denen Elisabeth sich wie eine Schönheitskönigin inszenierte. Die Bilder gingen um die Welt. Und nichts war so interessant wie von einem Augenzeugen zu erfahren, ob die Kaiserin wirklich so schön sei, wie man sagte.

Ihre prächtigen Haarfluten, die so schwer sind, dass sie ihr Kopfschmerzen bereiten, werden zur Obsession. Das Kämmen und Flechten, das täglich Stunden in Anspruch nimmt, zelebriert sie wie ein heiliges Ritual. Elisabeth erkennt, dass ihr Machtinstrument nicht die Krone, sondern ihre Schönheit ist. Und die soll zur unsterblichen Legende werden. Nachts bettet sie sich in nasse Tücher und bedeckt ihr Gesicht mit rohem Kalbfleisch oder Erdbeerpaste. Um ihre Schlankheit weiter zu betonen, lässt sie sich am liebsten in ihre Kleider einnähen, so dass sie sich wie eine zweite Haut an ihren Körper schmiegen.

Sisi bei der Haarpflege (Spielszene) Quelle: ZDF

Kaiserin mit Model-Maßen

Doch das ist nicht genug. Um ihre Figur zu erhalten, trainiert Sisi exzessiv. Am Reck und an Ringen, mit Gewichten, Gymnastik und Hungerkuren. 1,72 groß, 50 Kilogramm - die Kaiserin hat Model-Maße. In allen Palästen muss ein "Fitness-Studio" für Elisabeth her. Dass die Kaiserin leicht bekleidet die Hanteln stemmt, provoziert Gerüchte und übersteigt die Vorstellungskraft ihrer Zeitgenossen.

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