Die Schwarzmeer-Sintflut-Theorie

Amerikanische Wissenschaftler mit provokanter These

Immer noch stellt sich die Frage, ob die Sintflutgeschichte ein Mythos oder ein Tatsachenbericht ist. Möglicherweise hat der Meeresgeologe Professor William Ryan vom Lamont-Doherty-Institute (LDEO) in New York den Schlüssel zu diesem Rätsel. Seit vielen Jahrzehnten forscht er auf allen Meeren, doch das Schwarze Meer ist ihm ein besonderes Anliegen.

Einst wurde das Schwarze Meer das Todbringende genannt. Seit 1961 forscht William Ryan in dieser Region, in den 90er Jahren gelang ihm ein Fund, der die Fachwelt erschütterte.

Nicht genug Beweise

Ryan und sein Kollege Professor Walter Pitman arbeiteten an einer neuen These, die die beiden über Nacht berühmt machen sollte: Das plötzliche Eindringen von Mittelmeerwasser in die heutige Schwarzmeer-Region nach der Eisschmelze. Doch zunächst hatten sie nicht genug Beweise, bis sie eines Tages neue Daten aus Bulgarien erhielten. Ein entscheidender Hinweis stützt die These der Amerikaner. Prof. Petko Dimitrov erkennt als Erster den Zusammenhang ihrer Forschungsergebnisse mit dem Gilgamesch-Epos.

"Ich kann Ihnen versichern, dass wir überzeugende Beweise dafür haben, dass der Pegel des Schwarzen Meeres vor 10.000 Jahren etwa 100 Meter tiefer lag als heute." Diese Sätze hatte Dimitrov im März 1993 an seine amerikanischen Kollegen geschrieben. Sein Wissen bezog sich auf Bohrkerne, die er dem Boden des Schwarzen Meeres entnommen hatte.
Dimitrov will nun an anderer Stelle prüfen, ob sich der Befund aus dem Jahr 1993 auf die gesamte Ausdehnung des Meeres übertragen lässt. Eine Unterwasserexpedition befördert neue Bohrkerne aus dem Meeresgrund ans Tageslicht. Die Ergebnisse sollen einen Einblick in die Entstehungsgeschichte des Schwarzen Meeres geben, vielleicht können sie gar dazu beitragen, das Sintflut-Rätsel zu lösen.

Ähnlich den Jahresringen eines Baumes erzählen die Bohrkerne aus der Erdgeschichte. Die letzte Eiszeit und das Aussterben bestimmter Pflanzen lassen sich exakt ablesen - ebenso die Veränderungen des Meeresspiegels. So lässt sich der alte Küstenverlauf des Schwarzen Meeres eindeutig rekonstruieren. Denkbar, dass dies der Ort der ersten Menschheitskatastrophe, am Ende der letzten Eiszeit ist. Was ist damals wirklich geschehen?

Computeranimation alter Küstenverlauf des Schwarzen Meeres

Grund für diese Schwankung ist die letzte Eiszeit, die vor rund 120.000 Jahren begann. Weite Teile des Festlandes waren von einer dicken Eisschicht bedeckt. In Arktis und Antarktis bildeten sich mächtige, bis zu 3.500 Meter starke Gletscher, in denen unvorstellbar große Mengen von Wasser gebunden waren. Riesige Eismassive, die sich in den Himmel türmten. Doch vor 20.000 Jahren endet die Eiszeit.

Um unser Web-Angebot optimal zu präsentieren und zu verbessern, verwendet das ZDF Cookies. Durch die weitere Nutzung des Web-Angebots stimmen Sie der Verwendung von Cookies zu. Näheres dazu erfahren Sie in unserer Datenschutzerklärung.

Gemerkt! Merken beendet Bewertet! Bewertung entfernt Abonniert! Abo beendet