Die Shakespeare-Theorie

Terra X - Der Fluch von Oak Island

In der zweiten Hälfte des 19. Jahrhunderts versuchten sich drei weitere Expeditionen - umsonst. 20 Schächte und noch mehr Tunnel umgaben die nun inzwischen "Geldloch" genannte Grube.

Zwei Männer hatten bereits ihr Leben gelassen. Der eine kam um, als ein Dampfkessel in die Luft flog, der andere stürzte in den Schacht. Von da an sprach man vom Fluch von Oak Island. Insgesamt sieben Menschen müssen sterben, ehe die Insel den Schatz preis gibt, behaupten abergläubische Einwohner.

Nicht zu stoppen

Fast einhundert Jahre nach Daniel Mac Ginnis betrat ein neuer Schatzsucher das geschundene Eiland und blieb 60 Jahre. Frederic Blair hoffte, dass neue Bergbautechniken endlich den Weg zu dem sagenhaften Versteck freimachten. Dynamit sollte den Meerwasserstrom umlenken. Zahlreiche Explosionen wühlten jetzt die Insel auf und ließen das Wasser in der Grube aufschäumen und sprudeln. Aber der Zufluss war nicht zu stoppen. Immerhin hatte sich der Wasserdruck soweit verringert, dass man den Schacht bis zu 30 Meter leer pumpen konnte. Dort errichteten die Männer eine Plattform, von der aus sie weiterbohrten. Bei 36 Meter stießen sie auf Holz, dann auf Eisen. Die Truhen waren viel weiter abgesackt als befürchtet. Aus 47 Meter Tiefe förderte der Bohrer Spuren einer zementartigen Substanz zutage. Chemiker haben die Proben untersucht. Ihr Befund: Der Zement wurde von Menschen hergestellt. Bei 52 Meter traf das Gerät dann wieder auf Eisen und kam nicht mehr weiter.

Eigenwillige Theorie

Der aufregendste Fund war ein winziges Kügelchen aus Pergament, das an dem Bohrer klebte. Behutsam wurde es geglättet. Erst unter der Lupe ließen sich die Buchstaben "V" oder "V-I" erkennen, geschrieben mit chinesischer Tusche und einem Federkiel. Das bestätigten später Experten in Boston. Das Fragment ist längst verschollen. Es führte aber zu einer eigenwilligen Theorie über den Schatz von Oak Island: Kostbare historische Dokumente könnten in der Grube liegen. Vielleicht sogar die Originalfassung der Werke von William Shakespeare. In der Pfarrkirche seiner Heimatstadt Stratford-on-Avon in England wurde der Dichter 1616 beigesetzt. Nur zwei Worte blieben handschriftlich von ihm erhalten. Wenn die verschollenen Manuskripte gefunden würden, könnte ein Schriftvergleich Klarheit schaffen. Denn es gibt Zweifel, ob er wirklich der Autor der berühmten Theaterstücke ist. Soweit bekannt ist, besuchte er nie eine Universität, hielt sich nie am Königshof auf und hat England zu keinem Zeitpunkt verlassen. Wie konnte er dann solche Stücke schreiben? Sie zeugen von enormem Wissen, reicher Lebenserfahrung und einer genauen Kenntnis fremder Länder.

Ort der "Schurken und Vagabunden"


Das neu aufgebaute "Globe-Theatre" von Stratford sonnt sich in Shakespeares Glanz. Zu seinen Lebzeiten stand die Bühne in Verruf: als Ort der "Schurken und Vagabunden". Schrieb ein anderer die berühmten Werke? Einer, der anonym hinter den Kulissen bleiben und öffentlich nichts mit Schauspielern zu tun haben wollte? Vieles spricht für den Lordkanzler von England, Sir Francis Bacon, Gelehrter und Advokat, ein weit gereister Mann und Verfasser meisterhafter Prosa. Das "V" auf dem Pergamentfetzen könnte für "Verulanium" stehen. So heißt St. Albans bei London auf lateinisch. Und König James I. verlieh Sir Francis den Titel eines "Barons von Verulam". Hat Shakespeare dessen Werken nur den Namen geliehen? Gibt Bacon verschlüsselte Hinweise auf das Versteck der Manuskripte im Schauspiel "Der Sturm"?

Spuren von Quecksilber

"Der Sturm" spielt auf einer Insel. Außerdem hat Bacon über die Konservierung von Manuskripten mit Quecksilber geschrieben. Ließ er seine Texte heimlich über den Atlantik schaffen, um sie so für die Nachwelt zu bewahren? Im Schacht von Oak Island fand man Spuren des flüssigen Metalls. Aber es war kein natürliches Vorkommen. Wenn nicht zur Konservierung, wie sonst kam das Quecksilber in die Grube? Fachleute haben dafür eine Erklärung: Als man anfing, auf Oak Island zu graben, wurde in Neuschottland noch nach Gold geschürft. In den Bergwerken brauchte man Quecksilber zur Trennung des Goldes vom Erzgestein. Es könnte also sein, dass auf der Insel Werkzeug verwendet wurde, das man zuvor in den Goldminen benutzt hatte und das daher mit Quecksilber in Berührung gekommen war.

Durchlöchertes Eiland

Bevor auch Frederic Blair das Geld ausging, kämpfte er tapfer gegen die ständige Überflutung des Schachtes. Er glaubte an eine weitere Wasserquelle. Um diese Theorie zu überprüfen, gossen seine Helfer rote Farbe in die Grube und warteten, dass sie mit den Gezeiten ins Meer gespült würde. Wieder einmal hielt Oak Island eine Überraschung bereit. Der Farbstoff trat zwar an die Oberfläche, allerdings nicht dort, wo Blair es vermutete. Statt dessen tauchte er auf der anderen Seite der Insel wieder auf. Das heißt, es musste unterhalb des ersten noch ein weiterer Flutkanal in den Schacht führen. Mittlerweile war das ganze Erdreich von zahlreichen Schächten und Tunneln durchlöchert. Die ganze Insel sah aus wie ein Schweizer Käse. Und doch trotzte das kunstvolle System schon mehr als ein Jahrhundert den ständigen Angriffen der Schatzsucher.

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