Die singenden Riesen von Samaná

Buckelwale kehren an ihren Geburtsort zurück

Jedes Jahr zwischen Januar und März erhält die Bucht vor der dominikanischen Halbinsel Samaná schwergewichtigen Besuch: Etwa 1000 Buckelwale kehren in ihre Wiege zurück, um wiederum neue Nachkommen zu zeugen oder zur Welt zu bringen. Ein grandioses Schauspiel - dargeboten von den Meeressäugern vor einem zahlenmäßig stetig wachsendem Publikum von "Whale-Watchern".

Springender Buckelwal
Springender Buckelwal Quelle: dpa

Buckelwale zählen nicht zu den größten ihrer Gruppe. Erreichen Blauwale eine Länge von etwa 30 Metern und ein Gewicht von 160 Tonnen, bringen es die Buckelwale "nur" auf maximal 16 Meter und 40 Tonnen. Ihren Namen verdanken sie dem charakteristischen Buckel, den sie kurz vor dem Abtauchen bilden. Ein weiteres Unterscheidungskriterium gegenüber anderen Walen sind ihre bis zu fünf Meter langen Brustflossen, Flipper genannt, die zur Stabilisierung des Körpers unter Wasser dienen. Kennzeichnend für Buckelwale sind ihre Gesänge. Sie erklingen in der Paarungszeit und werden von den Männchen vorgetragen. Wahrscheinlich dienen sie der Partnersuche, andere Theorien sehen in ihnen eher die Abwehr von Konkurrenten oder eine ausgeprägte Kommunikation zwischen Walfamilien.

Ausgeklügelte Fangmethode

Wie andere Meeressäuger auch, wurde auf die Buckelwale mehr als 200 Jahre lang eine gnadenlose Jagd veranstaltet, bis die Art kurz vor dem Aussterben stand. Erst Mitte der 1980er Jahre wurde ein weltweites Fangverbot für Wale erlassen, wodurch der Bestand sich langsam erholt. Trotzdem sind die riesigen Tiere weiterhin in ihrer Existenz bedroht: Umweltverschmutzung, Gewässerverseuchung und die Einschränkung des Lebensraums gefährden das Leben der Wale - ebenso aber auch die immer wieder auftauchenden Begehrlichkeiten einiger Länder, das Fangverbot aufzuheben. Erst kürzlich hat Japan angekündigt, den Walfang aus wissenschaftlichen Gründen wieder aufzunehmen, womit die japanische Regierung eine Lücke in der Walschutzverordnung ausnutzen wollte. Massive internationale Proteste konnten in letzter Sekunde diesen Plan vereiteln - vorerst.

Die aus der Dominikanischen Republik stammenden Meeressäuger verbringen den Sommer in den zwar kalten aber äußerst nahrungsreichen Regionen des Nordatlantiks. Hier nehmen sie ein bis zwei Tonnen Krill und kleinere Fische zu sich - jeden Tag! Nachdem sie einen Schwarm mit Hilfe eines Vorhangs aus Luftbläschen, den kleine Fische nicht durchdringen können, "umzingelt" haben, schwimmen sie mit weit geöffneten Maul in diese Herde von Opfern und schlucken sie einfach hinunter. Das mit aufgenommene Wasser pressen sie wieder hinaus - ein Weg, der den Fischen durch einen vom Gaumen herunterhängenden Barten-Zaun verwehrt ist. Diese Sperrvorrichtung aus Horn ersetzt bei den Buckelwalen die Zähne, sie schlucken ihre Beute am Stück.

Turteln in der Badewanne

Versehen mit einer dicken Fettschicht, begeben sich die Wale zu Beginn des Winters auf ihre lange jährliche Wanderung von bis zu 6000 Kilometern. Ausgerüstet mit einem phänomenalen Orientierungssinn erreichen sie nach Wochen punktgenau die Stelle ihrer Geburt in der Bucht von Samaná. Offenbar eignet sich das hiesige niedrige und warme Wasser ideal zur Geburt der "kleinen" Wale, die im Schnitt als drei bis vier Meter große und etwa eine Tonne schwere Babys zur Welt kommen. In diesem Stadium ist warmes Wasser wichtig fürs Überleben, verfügt der Nachwuchs doch noch nicht über eine schützende Fettschicht. Diese frisst er sich allerdings in kürzester Zeit an: Jeden Tag nehmen die Walbabys bis zu 50 Kilogramm der äußerst nährstoffreichen und fetten Muttermilch zu sich und verdoppeln so innerhalb eines halben Jahres ihre Größe - während sich im gleichen Zeitraum ihr Gewicht verfünffacht.

Traumstrand in der Dominikanischen Republik


Die traumhafte Bucht in der Dominikanischen Republik beeinflusst offenbar auch das Paarungsverhalten. Biologen vertreten die Ansicht, dass das niedrige und warme Wasser sowohl die Damen als auch die Herren der Walschöpfung so richtig in Stimmung bringt. Außerdem ermöglicht es die relativ enge Bucht, dass das männliche Imponiergehabe überhaupt zur Kenntnis genommen wird. Es wäre auch zu schade, blieben die kunstvollen Sprünge und Pirouetten unbemerkt.

Schutz vor Störungen

Turnerische Höchstleistungen, die auch andere Säugetiere in ihren Bann ziehen: Seit sich der Tourismus auch in diesem etwas abgelegeneren Teil der Dominikanischen Republik etabliert hat, gehört Whale-Watching zu den attraktivsten Ausflugsmöglichkeiten auf der Halbinsel Samaná. Wegen der großen Anzahl von Walen, dicht gedrängt auf relativ engem Raum, ist die Wahrscheinlichkeit, einen der Meeresriesen vor das Objektiv zu bekommen, so hoch wie kaum sonst irgendwo auf der Welt.

Innerhalb nur weniger Jahre ist bei Samaná ein regelrechter Walbeobachtungs-Boom entstanden. Waren es anfänglich gerade mal ein paar Tausend Neugierige pro Jahr, sind es mittlerweile viele Zehntausend, die auf kleinen Booten Foto-Jagd auf die Riesen machen. Schnell ist es dabei auch zu Auswüchsen gekommen und unerfahrene Kapitäne und rücksichtlose Bootsbesitzer haben massiv die sensiblen turtelnden und gebärenden Wale vor der Halbinsel gestört. Regelungen zum Schutz der Tiere sind heute allgemein akzeptiert. Nur wer diese Vereinbarungen akzeptiert und auch einhält, darf in Samaná Whale-Watching-Törns verkaufen. Die Kapitäne verpflichten sich, mit maximal zwei Booten höchstens 30 Minuten eine Gruppe zu beobachten und dabei einen Mindestabstand zu den Tieren einzuhalten - es sei denn einer der Wale kommt von selbst, was einerseits zu den Glücksfällen für die Touristen zählt, andererseits Raum für Interpretationen schafft: Wer hat sich denn nun bewegt, das Tier oder das Boot?

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