Die Spiele sind eröffnet

Am ersten Tag der 83. Olympien kommt es zum Schwur

Der genaue Ablauf der Spiele ist nicht bekannt. Vielleicht haben sich die Athleten am Vorabend, vermutlich jedoch am frühen Morgen des ersten Wettkampf-Tages vor dem Haus des Olympischen Rates, dem Bouleuterion, versammelt. Sie haben eine Pflicht zu erfüllen, die harmlos scheint, deren Folgen es aber in sich haben.

Alle Sportler, ihre Trainer, Väter und Brüder müssen vor den Schiedsrichtern antreten, um den Olympischen Eid zu leisten. Sie müssen schwören, die zehnmonatige Vorbereitungszeit genau eingehalten zu haben und die geltenden Wettkampf-Regeln achten zu wollen. Auch die Schiedsrichter, die Hellanodiken, müssen beeiden, unparteiisch zu sein.

Harte Strafen

Der Eid wird zu Füßen eines besonderen Zeus-Standbildes geleistet. Es stellt Zeus Horkios dar, den Meineid rächenden Zeus, der in jeder Hand einen Blitz hält, bereit, ihn gegen Wortbrüchige einzusetzen. Dennoch lassen sich Betrug, Geheimabsprachen, Bestechung und andere Delikte nicht vermeiden. Wer erwischt wird, muss mit harten Strafen rechnen.



Meist werden die Delinquenten mit saftigen Bußgeldern belegt. Wer nicht zahlen will, wird von den Spielen ausgeschlossen, und mit ihm auch seine Heimatstadt. Dort kann er sich dann nicht mehr blicken lassen, verliert alle seine Rechte und unter Umständen seinen Besitz. Die Betrüger werden also zahlen. Von dem Geld lassen die dafür zuständigen Eleer Zeus-Statuen, die Zanes, mit den Namen der Schuldigen im heiligen Bezirk aufstellen - eine ewige Schande für die Betroffenen.

Großes Spektakel

Während im Stadion die Vorläufe der Sprinter stattfinden, gilt das Hauptinteresse der gut 45.000 Zuschauer dem Ereignis des Tages: Im nahe gelegenen Hippodrom stehen bereits die Viergespanne und ihre Wagenlenker in der genialen Startmaschine bereit. Der komplizierte Mechanismus gewährleistet angeblich gerechte Startbedingungen.


Normalerweise lassen die Eigner der Gespanne Berufslenker oder talentierte Sklaven fahren. Das Unfallrisiko ist extrem hoch. Die Siegerehre erhält bei den Pferde-Wettkämpfen ohnehin der Besitzer, nicht der Lenker. Doch diesmal geht ein machthungriger Emporkömmling, Arkesilaos aus Sparta, selbst an den Start. Er traut niemandem und will durch seinen persönlichen Einsatz Sabotage verhindern und mit einem Sieg groß herauskommen.

Formel-1 der Antike

Viele Einzelheiten der Wettkämpfe kennt man heute nur dank der zahlreichen detailgenauen Vasenmalereien. Die Wagen sind alles andere als stabil. Geschwindigkeit geht vor Sicherheit. Hufeisen gibt es für die gut pony-großen Pferde nicht. Nur die beiden mittleren Tiere sind an den Wagen gespannt. Die beiden äußeren laufen locker angebunden mit. Sie sollen die Zugtiere beim gefährlichen Wendemanöver führen.

Die Pferde-Disziplinen sind lebensgefährlich und nichts für arme Leute. Ein Rennpferd kostet umgerechnet schätzungsweise an die 30.000 Euro. Wer bei den so genannten hippischen Sportarten mitmischen will, muss etwa den gleichen Aufwand treiben wie beim modernen Yachtsport oder bei Autorennen.

Komplizierter Start

Das Hippodrom ist eine stoppelige Piste, 600 bis 1300 Meter lang und an die 300 Meter breit. Die genauen Abmessungen lassen sich nicht mehr rekonstruieren. Ein Hochwasser hat im Mittelalter große Teile der Anlage weggeschwemmt. Auch von der Startmaschine des genialen Tüftlers Kleoitas ist nichts übrig geblieben. Die Teilnehmer gönnen einander nicht den geringsten Vorteil. Geradezu besessen achten sie auf exakt gleiche Bedingungen.



Jedes Gespann steht in einer eigenen Startbox, die durch Losentscheid zugewiesen wurde. Leinen halten die Pferde zurück. Die Boxen sind schiffbugartig, von der Mitte nach den Seiten hin zurückgesetzt angeordnet. Beim Start fallen die Leinen zeitversetzt von außen nach innen. In dem Moment, in dem die letzte Leine die zentrale Box freigibt, befinden sich alle Gespanne auf gleicher Höhe - der eigentliche Rennbeginn.

Scharfes Duell

Für den Spartaner Arkesilaos geht es um alles. Eine Niederlage wäre schlecht für seine politische Karriere, ein Unfall wahrscheinlich das Ende seiner Ambitionen, vielleicht sogar sein Tod. Arkesilaos fährt volles Risiko. Der Athener darf nicht an ihm vorbeiziehen. An den Wendemarken wird es stets brenzlig. Vor allem die Ostkurve hat es in sich. Umfährt er den Pfosten zu eng, kann er aus der Bahn geworfen werden. Nimmt er die Kurve weiträumiger, verliert er Zeit und riskiert den Sieg.


Die wilden Wettkämpfe der Wagenlenker sind wahre Publikumsmagneten. Da geht es zur Sache. Die Ausfallrate ist manchmal enorm. Bei einem vergleichbaren Rennen in Delphi erreicht nur eine von 47 gestarteten Quadrigen das Ziel. Doch der Spartaner macht das Rennen. Er erhält zunächst als bester Wagenlenker das rote Band. Später wird er als Eigner des Gespanns bei der Siegerehrung mit dem Ölbaumkranz zum Olympioniken im Wagenrennen gekürt.

Um unser Web-Angebot optimal zu präsentieren und zu verbessern, verwendet das ZDF Cookies. Durch die weitere Nutzung des Web-Angebots stimmen Sie der Verwendung von Cookies zu. Näheres dazu erfahren Sie in unserer Datenschutzerklärung.

Gemerkt! Merken beendet Bewertet! Bewertung entfernt Abonniert! Abo beendet