Die Stadt der Goldgräber

Heimat des Marburg-Virus

Der Heidelberger Forscher Matthias Borchert bricht auf in Richtung Kongo. Sein Ziel ist das kongolesische Durba. Dort wütete vor kurzem das Marburg-Virus, Ebolas gefürchteter Bruder.

Von Masindi geht die Fahrt entlang des Viktoria-Nils, von dort über die Grenze und weiter zum Ort der Epidemie. Nur wenige Reisende wagen sich zurzeit in den Kongo hinein. Seit Jahren herrscht Bürgerkrieg in dem bitterarmen Land. Das deutsche Auswärtige Amt rät dringend davon ab, dorthin zu reisen. Doch der Wissenschaftler hat eine Mission, die er nur hier erfüllen kann. Am Wegesrand sieht Borchert ein Mädchen das mit seinen Hölzern Termiten fängt. Im Kongo gehören die Insekten bei vielen zum täglichen Speiseplan. Termiten sichern die Eiweißversorgung für Millionen Menschen in einer der ärmsten Gegenden der Welt. Meist werden sie gekocht. Wer kein Brennholz hat, verspeist sie roh.

Der Regenwald wird seinem Namen gerecht. Nirgendwo sonst auf der Erde werden so viele Gewitter gezählt wie im Kongo. Ein Großteil des Regens verdunstet wieder - immer neue Wolken entstehen. Ein Klima, das für ganz spezielle Straßenverhältnisse sorgt. Rund zweihundert Kilometer ist der Zielort von der Grenze entfernt. Borchert braucht zwei Tage dafür. Da es so gut wie keine Autos gibt, kommt niemand auf die Idee, die Verkehrswege auszubessern.

Suche nach dem Wirtstier

Durba, die Stadt der Goldgräber, ist die Heimat eines Killers, dessen Namen man hier nur flüsternd ausspricht: das Marburg-Virus, ebenso gefährlich wie Ebola und noch weniger erforscht. Unter Goldjägern und Glücksrittern suchte es seine Opfer, bis es wieder im Dschungel verschwand. Doch wo verbirgt sich das Virus bis zur nächsten Epidemie? Der einheimische Arzt Dr. Sabue wird Borchert bei seiner Recherche helfen. Beide vermuten, dass die Krankheit von einem Kleintier auf den Menschen übertragen wurde. Doch was für ein Tier könnte das sein? Bis heute ein ungelöstes Rätsel der Virenforschung. Wenn es gelänge, dieses Wirtstier zu finden, ließen sich Infektionen besser vermeiden.

Und wieder taucht die Frage auf: Wer erkrankte zuerst, wo hat er sich angesteckt? An Orten wie Durba ist das Risiko für Epidemien besonders hoch. Den einst dichten Regenwald haben die Bewohner zerstört und wohl dabei das schlafende Virus geweckt. Rächt sich so die Natur am Menschen?

Kein Strom, kein fließendes Wasser


Matthias Borchert ist auf der Spur der Ansteckungskette. In der Krankenstation Watsa wurden während der Epidemie die Marburg-Patienten isoliert. Wie fast überall im Kongo gibt es keinen Strom, kein fließendes Wasser, keine Toiletten. Heute ist hier die Säuglingsstation. Viele der Kinder von Durba werden ohne Vater aufwachsen. Die Seuche, so erfährt Borchert, traf vor allem Männer. Und an eines erinnert sich der Stationsarzt: Fast alle Opfer arbeiteten als Goldgräber in der Gorumba-Mine.

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