Die Stimmung kippt

Bestrafungen und rüder Umgangston säen Zwietracht

Nach gut drei Monaten auf See nähert sich die Bounty der Küste Brasiliens. 100 Tage Schrubben, Tanzen, Sauerkraut - die fortschrittlichen Ideen des Commanders gehen einigen bereits ebenso auf die Nerven wie die Enge an Bord. Blighs gute Vorsätze scheitern schon bald.

Aufsässiger Matrose wird ausgepeitscht Quelle: ZDF

John Fryer, Steuermann und ranghöchster Offizier der "Bounty" schlägt Bligh vor, bei Vergehen oder mangelnder Disziplin ein Exempel zu statuieren und einen Mann vor versammelter Mannschaft auspeitschen zu lassen. Dies widerstrebt jedoch Bligh, der lieber auf die Macht seiner Worte setzt.

Besondere Strafe

Flechter Christian Quelle: ZDF

Die Überprüfung der Hygiene an Bord ist auf der Bounty ein Sonntagsritual. Doch am am 2. März 1788 lässt sich Bligh zum ersten Mal zu einer besonderen Bestrafung verleiten. Zunächst befördert er Fletcher Christian zum ersten Offizier und Stellvertreter, dann ordnet er an, dass der Matrose Matthew Quintal wegen anhaltender Aufsässigkeit zwei Dutzend Peitschenhiebe erhalten soll.

Maat James Morrison muss den Matrosen auspeitschen. Bligh vermerkt das in seinem Logbuch als Niederlage. Peitschenhiebe und Skorbut haben für ihn auf einem gut geführten Schiff nichts verloren. Historiker haben Blighs Strafmaßnahmen untersucht: Er lag mit durchschnittlich 1,5 Peitschenhieben pro Mann weit unter anderen Kapitänen, die 20 bis 50 Hiebe verhängten.

Karte Kurswechsel Richtung Afrika Quelle: ZDF

Begeisterte Briefe

Ende März 1788 gerät die Bounty vor Kap Hoorn in schwere See. Drei Wochen schwappt das Wasser in die Unterdecks. Im Bounty-Logbuch findet sich der Eintrag: "Ich habe allen Grund zur Feststellung, dass Mannschaft und Schiff leiden, und es wird sehr rasch die Entscheidung fallen müssen." Nach 30 Tagen Sturm gibt Bligh den direkten Weg nach Tahiti auf und lässt abdrehen, Kurs Afrika. Aus Kapstadt schreiben zwei Kadetten begeisterte Briefe über ihren "Captain" in die Heimat. Doch die Stimmung kippt, als die Bounty - auf den Spuren Captain Cooks - die Adventure Bay in Tasmanien anläuft.

Im Vergleich zu den Forschungsreisen seines großen Vorbilds wirkt Blighs Brotfruchtmission beinahe lächerlich, Bligh ist frustriert. Seit Cooks Tod hat er es trotz seines Talents nicht mal zum Kapitän gebracht. Ihm fehlt die adelige Herkunft eines Fletcher Christian. Vielleicht ein Grund dafür, warum der sonst auf Versöhnung bedachte Bligh mit seinen Matrosen manchmal in einen rüden Diskussionsstil verfällt. Auf Tasmanien gibt es einen Konflikt mit dem Zimmermann William Purcell, weil dieser das Holz nicht so schlägt, wie es Bligh gerne hätte. Purcell tritt schließlich in den Streik und Bligh schickt ihn wegen Verweigerung des Gehorsams auf das Schiff.

Zimmermann der Bounty verweigert den Dienst Quelle: ZDF

Dilemma um Purcell

Zurück an Bord muss Bligh sich eingestehen, dass ihm kaum Möglichkeiten der Bestrafung bleiben. Als Offizier ist Purcell vor körperlicher Züchtigung durch das See-Recht geschützt. Bligh müsste ihn in Ketten legen und vors Kriegsgericht bringen. Doch er kann auf keinen Mann verzichten, erst recht nicht auf den Zimmermann. Ein Dilemma, das allen an Bord deutlich wird, während sie die "Verwarnung" für Purcell unterschreiben.

James Morrison notiert an diesem Abend in sein Tagebuch: "In der Adventure-Bucht, wurde die Saat ewiger Zwietracht gesät, und es ist nichts anderes als die Wahrheit, wenn ich sage, zwischen Leutnant Bligh und allen Offizieren überhaupt."

Um unser Web-Angebot optimal zu präsentieren und zu verbessern, verwendet das ZDF Cookies. Durch die weitere Nutzung des Web-Angebots stimmen Sie der Verwendung von Cookies zu. Näheres dazu erfahren Sie in unserer Datenschutzerklärung.

Gemerkt! Merken beendet Bewertet! Bewertung entfernt Abonniert! Abo beendet