Die Suche beginnt

Terra X - Der Fluch von Oak Island

1795 waren drei junge Männer unterwegs zu einer kleinen Insel vor der kanadischen Atlantikküste. Einer von ihnen hatte am Tag zuvor auf dem Eiland eine aufregende Entdeckung gemacht: Er war in eine künstlich geschaffene Vertiefung im Waldboden gestolpert. So begann die längste und mysteriöseste Schatzsuche der Welt.

Der zwanzigjährige Holzfäller Daniel Mac Ginnis wusste, dass die Insel schon immer unbewohnt war, aber in einem Baum hingen verrottete Seilfetzen und ein Ast zeigte merkwürdige Kerben.

Nichts als Lehm

Mac Ginnis kehrte aufs Festland zurück und holte seine Freunde John Smith und Anthony Vaughan zu Hilfe. Zuerst schaufelten sie eine Lage von Schieferplatten frei. Jemand musste sie dorthin geschafft haben, denn Schiefer gab es zwar auf dem Festland, aber auf den Inseln nirgendwo. In drei Meter Tiefe stießen sie auf eine Schicht aus Holzstämmen, ordentlich verlegt und in den Seitenwänden verankert. Doch unter der Lage aus Baumstämmen war nur Erde. In sechs und neun Meter Tiefe fanden sie einen zweiten und dritten Holzboden. Und auch darunter wieder nichts als Lehm. Enttäuscht kehrten die Drei aufs Festland zu ihren Familien zurück.

Unwiderstehliche Anziehungskraft

Doch auf Mac Ginnis und seine Freunde übte Oak Island eine unwiderstehliche Anziehungskraft aus. John Smith kaufte das Grundstück um die Grube und baute in der Nähe ein Haus. 1804 konnten sie endlich auch einen Geldgeber gewinnen: die "Onslow-Company". Mit ausreichender Finanzierung und professioneller Technik wollten sie das Rätsel nun knacken. In dem alten Schacht gruben sie weiter. Sie sahen deutliche Bearbeitungsspuren von Spitzhacken an den Seitenwänden. Das hieß: Menschen hatten diese Erde in das Loch gefüllt. Die Lagen aus verfaulten Baumstämmen wiederholten sich. Vor Jahren hatten die Jungen das morsche Holz in drei und sechs Meter Tiefe schon beiseite geräumt, jetzt traf man auch bei neun und zwölf Meter auf solche Böden. Sie waren mit einer Art Kitt, vermischt mit Bündeln vermoderter Kokosfasern, abgedichtet. Die Fasern konnten nicht aus Kanada stammen, denn Kokospalmen wachsen erst viel weiter südlich, am Golf von Mexiko. Mit den robusten Fasern polsterte man zerbrechliche Fracht, die auf Schiffen den Atlantik überquerte. Die Schatzsucher dachten sofort an den berühmten Freibeuter des 16.Jahrhunderts, Sir Francis Drake. Bevor der englische Admiral gegen die spanische Armada kämpfte, soll Drake mit einer Ladung Sklaven nach Neuschottland gesegelt sein.

Hinweise auf den Schatz

Allein der Gedanke an den großen Piraten beflügelte die Hoffnung der Männer. Alle drei Meter legten sie weitere Holzböden frei. Jede Lage war fest in den Lehmwänden des Schachtes verankert, so wie die anderen zuvor auch, doch keine Spur von Gold oder Edelsteinen. In 30 Meter Tiefe eine Überraschung: eine große lehmverschmierte Platte. Sie unterschied sich deutlich von anderen, bereits früher entdeckten Steinen: sie war aus einer Art Schiefer - fünf Zentimeter dick - und maß ungefähr 60 mal 30 Zentimeter. John Smith baute sie später in seine Kaminwand ein. Bei einer Renovierung ist sie dann für immer verschwunden. In die Oberfläche, so heißt es, waren seltsame Zeichen geritzt. Vielleicht könnte man heute ihre Botschaft entziffern. Möglicherweise hatten natürliche Kräfte auf den Stein eingewirkt: Die Entdecker jedenfalls hielten die Markierungen für geheime Hinweise auf den verborgenen Schatz.

Bittere Lektion

Mit einem Eisenstab stachen sie weiter in die Tiefe, bis sie nach zweieinhalb Meter auf Widerstand stießen. Es schien Holz zu sein, aber offenbar etwas anderes als wieder nur ein neuer Boden. Darunter vermuteten sie die Schatzkiste. Voller Vorfreude gingen sie nach Hause. Am nächsten Morgen sollte die jahrelange Suche endlich belohnt werden, davon waren alle fest überzeugt. Doch wo am Vortag noch ein tiefes, dunkles Loch gähnte, stand das Wasser bis zur Marke von 18 Meter. Die Männer dachten, sie seien auf eine Quelle gestoßen und brauchten das Wasser nur abzuschöpfen. Aber so oft sie auch die Eimer leerten, es wurde nicht weniger. Selbst eine eigens konstruierte, teure Pumpe half nichts. Bald darauf war die Firma finanziell am Ende und musste die Suche aufgeben. Fast 40 Jahre lang blieb Oak Island vor weiteren ungebetenen Besuchern verschont.

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