Die Suche nach dem Heiligen Gral

Ein Filmteam auf den Spuren der heiligsten Reliquie der Christenheit

Seit Jahrhunderten fahnden Schatzsucher, Abenteurer und Wissenschaftler nach einem geheimnisumwitterten Gefäß - dem Heiligen Gral. Sind sie fantasievollen Legenden aus dem Mittelalter aufgesessen? Oder steckt in den Sagen von König Artus, seinem Schloss Camelot und dem Schwert Excalibur ein wahrer Kern?

Die heutige Ausgangslage ist verzwickt und unübersichtlich. Der moderne Forscher steht vor einem kaum zu durchdringenden Dickicht aus Dichtungen und Wahrheit. Die Wurzeln der Grals-Legenden reichen einerseits bis tief in die keltische Mythologie, verzweigen sich aber andererseits auch in diversen Kreuzfahrer-Berichten.

Bestseller des Mittelalters

Die Suche nach dem Heiligen Gral ist ein Stoff, wie ihn Autoren von Abenteuerromanen und ihre Leser lieben. Robert de Boron war der erste, der die vielen im mittelalterlichen Europa kursierenden Gerüchte und Erzählungen zu einem Roman verwob. Ende des 12. Jahrhunderts schrieb er das mehrteilige Prosawerk "Roman von der Geschichte des Grals". Im ersten Part "Joseph d'Arimathie" schildert er die christliche Geschichte des Grals. Im zweiten Part "Merlin" verknüpft er die Gralslegende mit der Artussage - ein Kunstgriff mit Langzeitwirkung.

Anfang des 13. Jahrhunderts entstanden zahlreiche Versionen und Bearbeitungen des Stoffes auf der Basis von Borons Roman. In ganz Europa wurden die Geschichten von König Artus, seinen Rittern und der Suche nach dem Heiligen Gral erzählt, gelesen oder vorgelesen. Doch es gab neben den belletristischen Autoren auch ernsthaftere Schriftsteller, die sich um mehr Faktentreue bemühten. Chrétien de Troyes nennt in seiner "Geschichte des Grals" wichtige Details, ebenso Wolfram von Eschenbach in seinem "Parzival".

Der dritte Mann

Ein genauer Vergleich der Texte legt die Vermutung nahe, dass die beiden Autoren eine gemeinsame Vorlage benutzt haben. Wolfram nennt einen gewissen Kyot, den er mit den jüdisch-christlichen Übersetzerschulen in Toledo in Verbindung bringt. Toledo war damals ein Zentrum der Wissenschaften und der Literatur. Reichten Wolfram von Eschenbachs Verbindungen von seiner Heimat Franken bis ins ferne Spanien?

Kyot, der Provencal, hieß mit richtigem Namen Guillén de Narbona. Er war Schreiber von Königin Urraca, der Gemahlin von König Alfons I. Alfons herrscht Mitte des 12. Jahrhunderts über Aragon und Navarra. Zu jener Zeit erreicht die Gralsverehrung ihren Höhepunkt. Im Kirchenarchiv der Kathedrale von Toledo findet sich tatsächlich eine Urkunde mit der Unterschrift narbonensis guillelm, der lateinischen Form von Guillem de Narbona.

König Artus

Im Jahr 1134 wurde Alfons I. schwer verletzt in die Klosterburg San Juan de la Peña eingeliefert. Nach einiger Zeit ist er dort gestorben. König Artus soll ein ähnliches Schicksal ereilt haben. Er erwartete den Tod schwer verwundet auf der sagenhaften Insel Avalon. Sind gar König Alfons I. und König Artus die selbe Person? Alfonso heißt lateinisch Anfortius. Anfortas wiederum ist der Name des Fischerkönigs in Eschenbachs Gralsdichtung "Parzival".

War der König von Aragon und Navarra das historische Vorbild für den Hüter des Grals? Der Sage nach konnte nur der künftige Gralshüter den König von seinen Todesqualen erlösen: Parzival. Auch dieser Gestalt könnte eine reale Person entsprechen. Ein gräflicher Vetter des Königs trug den Beinamen Perch-de-val, den der fränkische Autor in Parzival abgewandelt haben könnte. Vieles spricht dafür, dass das Filmteam in Spanien auf der richtigen Fährte ist.

Um unser Web-Angebot optimal zu präsentieren und zu verbessern, verwendet das ZDF Cookies. Durch die weitere Nutzung des Web-Angebots stimmen Sie der Verwendung von Cookies zu. Näheres dazu erfahren Sie in unserer Datenschutzerklärung.

Gemerkt! Merken beendet Bewertet! Bewertung entfernt Abonniert! Abo beendet