Die Suche nach dem "Macht-Gen"

Welche Eigenschaften verhalfen Katharina zum Thron?

Für die deutsche Prinzessin Sophie Friederike Auguste von Anhalt-Zerbst beginnt im Jahr 1744 eine unaufhaltsame Karriere. Sie ist gerade Mal 14 Jahre alt, doch sie weiß, was sie will: Zarin von Russland werden.

In fünf Wochen auf den frostklirrenden Straßen Europas festigt sich der Wille in Sophies Kopf: In ihre Heimat wird sie nie mehr zurückkehren. Als Heiratskandidatin für den zukünftigen Zaren reist sie in eine fremde Welt. Noch weiß sie nichts über das despotische Reich, in dem die meisten Menschen ein Leben als Leibeigene fristen.

Beunruhigende Gerüchte

Auf der Fahrt durch Riga hört Sophie beunruhigende Gerüchte - ein Vorgeschmack auf die Gefahren, die sie in Russland erwarten: In der Festung Riga lebt ein rechtmäßiger Erbe des russischen Throns: der "Kinderzar" Iwan VI., der von der regierenden Kaiserin entmachtet und eingekerkert wurde. Seit seinem ersten Lebensjahr lebt der Junge in Gefangenschaft. Sophie schüttelt den Gedanken an Iwan ab. Noch ist sie zu unerfahren, um sich vorstellen zu können, dass der "Gefangene Nummer 1" zwanzig Jahre später ihren Anspruch auf den Thron bedrohen könnte.

Der preußische König hat die Prinzessin als Braut für den russischen Thronfolger vorgeschlagen. Sie fühlt instinktiv, dass dies die Chance ihres Lebens ist. Das Aschenputtel aus bescheidenem Adel tritt in die Märchenwelt der Paläste ein und strebt einer großen Zukunft entgegen. Als Katharina die Große erobert sie die Zarenkrone und steigt zur mächtigsten Frau ganz Europas auf. Welches "Macht-Gen" trieb sie an, das Zepter fast 25 Jahre eisern in der Hand zu behalten?

Korrigierte Memoiren

Im Moskauer Staatsarchiv werden Tausende von Dokumenten aus dem Leben von Katharina II. aufbewahrt. Professor Detlef Jena sucht nach Handschriften, die Einblick in die Psyche und den Charakter der Zarin geben. Fast alles, was sie dachte und fühlte, hat sie zu Papier gebracht. Doch ihre Memoiren hat sie immer wieder korrigiert und den politischen Veränderungen angepasst.

Die Kriminalpsychologin Gaby Dubbert hat ein Persönlichkeitsprofil der Zarin erstellt. Zog Katharina die Fäden bei der Tötung des eigenen Ehemanns? Im Team mit dem Historiker analysiert die Profilerin die Indizien der Mordfälle im Leben der Zarin. Wie reagierte Katharina, wenn ihre Macht in Gefahr war? In Memoiren und Briefen spürt Dubbert den Gefühlen und Denkmustern der Zarin nach.




Unattraktiver Bräutigam

In ihren Memoiren schildert Katharina die Ehe mit Peter von Holstein, der wie sie als Kind an den Zarenhof kam, als endloses Beziehungstrauma. Der trunksüchtige Thronerbe verehrt Preußenkönig Friedrich, hat eine Schwäche für das Militär und kommandiert Puppensoldaten. Er interessiert sich nicht für die Herrschaft, nicht für Russland und nicht für Katharina. Anfangs geht sie auf seine Verrücktheiten ein. Sie will sich den für sie unattraktiven Bräutigam an einem intriganten Hof zum Verbündeten machen. Stundenlang steht sie wie ein Wachsoldat vor seiner Tür - bis das Spiel zum Martyrium wird. "Ich habe ein Leben geführt, bei dem zehn andere gestorben und zwanzig irrsinnig geworden wären", so Katharina. Sie aber hält durch.

Mit eiserner Disziplin bereitet sich Katharina schon früh auf die Alleinherrschaft vor. Sie lernt wie besessen - in eigener Regie. Sie will russisch sprechen, um ihr Land zu verstehen und sich beliebt zu machen. Sie will russischer sein, als die Russen selbst. Katharina ist voller Ungeduld: sie will herrschen. Doch Politik und Diplomatie erfordern Geduld, und die Ungestüme muss warten. In Petersburg lebt sie, getrennt von ihrem Gemahl, in einem bescheidenen Holzpalast. Beharrlich spinnt Katharina hier die Fäden der Macht. Der Übertritt zum orthodoxen Glauben ist ein unvermeidliches Ritual und bereitet der protestantischen Prinzessin keine Gewissenskonflikte. Aus Sophie wird Katharina.

Wie ein Alptraum

Marlene Dietrich spielte in dem Film "Die große Zarin" (USA 1934) eine Zarin, die ganz dem von Katharina in ihren Memoiren gezeichneten Bild entsprach. Die Hochzeit mit dem ungeliebten Thronfolger gleicht einem Alptraum. Doch der Historiker und die Psychologin hegen Zweifel. Ist die Welt tatsächlich auf die biographischen Manipulationen der Zarin in ihren Memoiren hereingefallen?




Katharina wartet geduldig auf ihre Stunde - 20 endlose Jahre lang.

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