Die Suche nach der Viscaina

Ort des Untergangs umstritten

In der Universitätsbibliothek Rostock, Abteilung Sondersammlungen, forscht seit Jahren der Historiker Dr. Heinz-Jürgen Probst. Das Objekt seiner Begierde ist ein altes Buch, das weltweit nur noch zehn Mal existiert.

Heinz Jürgen Probst Quelle: ZDF

Der Herzog von Mecklenburg erstand die Originalausgabe im 16. Jahrhundert. Der kostbare Druck enthält einen ausführlichen Bericht über den Untergang von zwei spanischen Expeditionsschiffen vor der Küste Panamas. Eines davon ist die "Biscaglino", spanisch "Viscaina", zu Deutsch: die aus dem Baskenland stammt. Der stolze Segler gehörte damals zur Flotte von Christoph Kolumbus auf seiner vierten und letzten Reise.

Hommage an den Entedecker

Als Augenzeuge beschreibt Kolumbus' Sohn Fernando die abenteuerliche Fahrt entlang der Küste Mittelamerikas. Der 13-Jährige begleitet den Vater auf dem gefährlichen Törn. Die Jugenderinnerungen sind eine Hommage an den legendären Entdecker.




Die genaue Position des Untergangs der Viscaina ist bis heute umstritten. In einem Brief an den spanischen König verweist der gescheiterte Seemann später auf die Bucht von Puerto Gordo - das heutige Portobelo. Auch Fernando Kolumbus erwähnt Portobelo. Nur nennt er den Ort in seinen Aufzeichnungen einfach "Belporto", also schöner Hafen. Im Jahr 1513 stößt ein spanischer Kapitän mit Namen Diego de Nicuesa in der Lagune auf einen Anker. De Nicuesa behauptet, das Zubehör stamme von einem Schiff des Kolumbus. Soweit die Quellenlage.

Augenzeuge Fernando Kolumbus

Der Augenzeugenbericht des Fernando Kolumbus gilt zwar als eines der zuverlässigsten Dokumente der vierten Reise. Trotzdem gibt es berechtigte Zweifel.




Demnach ist es durchaus vorstellbar, dass mit "schönem Hafen" die Bucht von Playa Damas gemeint ist. Und die Viscaina dort auf den Meeresgrund sank. Für die Theorie sprechen immerhin einige deutliche Befunde. Zum einen die Anzahl der Geschütze, die ordentlich übereinander gestapelt vorgefunden wurden und die auf keinen Fall von einem einzigen Schiff stammen können. In diesem Punkt sind sich die Fachleute einig. Zum anderen erlauben die durchlöcherten Planken und Spanten den Rückschluss: Der Segler hatte am Rumpf keinen Beschlag aus Blei oder Kupfer. Das heißt: Er muss vor 1508 in jene Region vorgedrungen sein. Danach durften keine Schiffe mehr ohne Beschlag in die Neue Welt.

Auch der Anker stützt die Viscaina-These. Ein Stockanker mit großem Ring, der statt an einer Kette an einem starken Seil befestigt war. Im 16. Jahrhundert für spanische Schiffe ein gängiges Modell. Auch Kolumbus' Flotte führte derartige Exemplare an Bord.

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