Die Superarena

Kampfbühne der Antike

Das Kolosseum von Rom wurde erst 150 Jahre nach Spartacus errichtet. Ein steingewordener Beweis dafür, dass sein Freiheitstraum auf ganzer Linie scheiterte.

Heute interessiert sich die Wissenschaft dafür, wie diese faszinierende Showbühne des Römischen Reiches einst funktionierte. Das Kolosseum war die größte Unterhaltungsfabrik seiner Zeit. Im Bauch unter der Arena schufteten Hunderte von Menschen.

Brot und Spiele

Das Kolosseum, heute eine Touristenattraktion, war damals ein Unterhaltungspalast, errichtet für den Spaß an Mord und Totschlag. Fast 400 Jahre lang ist in diesem Rondell getötet worden. Mit diesem Geschenk an das Volk versuchte Kaiser Vespasian, die Bürger für sich einzunehmen. Das Kolosseum war ein politisches Bestechungspräsent, das auf den Geschmack der Masse zielte.


Kaiser Vespasian gab seinerzeit Befehl, diesen Bau an genau jener Stelle anzulegen, wo der verhasste Nero einst ein 40 Meter hohes Standbild von sich selbst hatte errichten lassen; einen "Koloss" - so kam das "Kolosseum" zu seinem Namen. Im Jahre 80 wurde es eröffnet. 100 Tage lang berauschte sich das Volk in unablässigen Feiern an diesem neuen Symbol römischer Macht und Stärke. Nachts erleuchteten Hunderte von Fackeln den Palast des Vergnügens.

Technische Genialität

Die Wissenschaftler staunen heute über die technische Genialität der Anlage. Alles funktionierte mit Muskelkraft. Auch das "ausfahrbare Sonnendach". Am Modell können die Wissenschaftler genau berechnen, wie groß der Sonnenschutz einst gewesen sein muss, um alle Sitzplätze bei jeder Tageszeit gleichmäßig zu beschatten. Solche Modellversuche ermöglichen die Rekonstruktion von Bauteilen, von denen längst keine Spur mehr erhalten ist - wie die Segel aus Leinenmaterial, oder die Holzsessel für die feine römische Gesellschaft.

Ein Bauwerk als Spiegelbild politischer Verhältnisse. Der siegreiche Kampf war ein Ausdruck römischer Sehnsüchte. Sehnsüchte, die nie ganz zu befriedigen waren. Jeder "Kick" war gefragt. Kriegsschiffe auf Rollen zum Beispiel: Gleich nach der Fundamentierung kam man auf diese Idee. Knietiefes Wasser wurde in die Arena geleitet. Bei den "Kampfspielen an Bord" massakrierten sich Hunderte vor den begeisterten Zuschauern. Später waren es exotische Landschaftsbauten, mit denen das Publikum überrascht wurde.

Fremde Welten mit geheimnisvollen Kulissen. Niemals war es die aktuelle römische Wirklichkeit, die abgebildet wurde. Immer waren es weit zurückliegende, historische Szenen, die in dieser blutigen Traumfabrik produziert wurden: Der Kampf der Spartaner gegen Athen oder die Alexanderschlacht. Kampfphantasien, die im Nebel der Historie verschwimmen und die fernste Vergangenheit mythisch beschwören. Die Geschichte war das Gewand, mit dem die Grausamkeit verkleidet wurde. Die Reliefs zeigen, wie sie wirklich einzogen. Den Helm noch im Arm, denn die Zuschauer sollten wissen, wer wen tötet.

Bedrückend und grausam

Ein paar Jahre später wurde im Keller des Kolosseums schließlich die Technik eingezogen, die einen minutenschnellen Umbau der Kulissen ermöglichte. Die ausgeklügelte Mechanik haben die Wissenschaftler im Modell rekonstruiert. Über Seilwinden konnten durch 60 Bodenklappen sekundenschnell ganze Parklandschaften auf die Bühne gezaubert werden. An jedem Drehkreuz schufteten vier Mann. Allein für die Aufzüge wurden 250 Menschen benötigt.
Von der großartigen Mechanik des Kolosseums ist nichts zurückgeblieben. Die Holzbalken sind längst verfault, die Seilwinden zu Staub zerfallen. Nur die Enge der Laufgänge verschafft noch eine Ahnung von der grausamen Bedrückung, die von diesem Arbeitsplatz ausging. Bestialischer Gestank, ächzende Seilwinden, das Stöhnen der Sterbenden - und der ohrenbetäubende Lärm, der durch den Arenaboden drang - all das mussten die Sklaven im Keller ertragen. Das Publikum saß weit entfernt von dieser Wirklichkeit.

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