Die Supermächte von morgen

Energierquellen als entscheidender Machtfaktor

Die USA sind heute die einzige Supermacht der Welt. Ein Großteil des Rüstungsetats wird verwendet, um sich den Status auch langfristig zu sichern. Kein Wunder, dass amerikanische Militärstützpunkte auffallend häufig in der Nähe von Ölquellen liegen.

Spielszene 2057: USA, China und die EU als Großmächte der Zukunft

Aus Ländern ohne Öl ziehen sich die USA zurück, zum Beispiel aus Island, das früher als Brückenkopf nach Europa wichtig war. Dagegen baut das US-Militär seine Stützpunkte in Westafrika aus. Lange Zeit haben sich die Amerikaner überhaupt nicht für Westafrika interessiert, doch schon heute importieren sie 15 Prozent ihres Ölbedarfs von dort, in den nächsten Jahrzehnten wird es wohl ein Viertel werden. Dieses Beispiel zeigt: Energie ist weltweit der Machtfaktor Nummer eins.

Russland nutzt seine Potenziale nicht

Demnach müsste die Russische Föderation eine Supermacht der Zukunft werden. Gegen diese Annahme spricht jedoch einiges: Die Russische Föderation verfügt zwar über riesige Ölreserven, davon abgesehen ist das wirtschaftliche Potential aber eher schwach und sinkt sogar. Ganze 1,2 Prozent betrug der russische Anteil am weltweiten Bruttoinlandsprodukt. Die EU trug 25 Prozent bei, die USA 18 Prozent, das kleine Japan satte 14 Prozent.

In der EU dominieren Einzelinteressen

Auch in anderen Bereichen schwächelt Russland: Das Wirtschaftswachstum ist unbedeutend, die militärische Macht schwindet angesichts eines maroden Waffenarsenals und einer schlecht ausgebildeten Armee, und die Teilrepubliken mit sprudelnden Ölquellen würden sich am liebsten gleich vom großen Bruder abspalten. Solange nicht das ganze Land umfassend reformiert und modernisiert wird, hat es keine Chance, sich jemals wieder den Status einer Supermacht zurückzuerobern.
Die Europäische Union wird zunehmend als ein großer Staat wahrgenommen. Könnte sie also eine Supermacht werden? Wahrscheinlich nicht. Die EU zählt zwar zu den bedeutendsten Wirtschaftsmächten, besitzt auf internationaler Ebene großen politischen Einfluss und militärische Stärke. Ihre Bevölkerung gilt noch als die am besten ausgebildete der Welt. Unter der Nordsee liegen beträchtliche Erdölvorkommen.

Doch um eine Supermacht zu werden, müssten die noch immer dominierenden Einzelinteressen der EU-Mitglieder aufgegeben werden. Außerdem hapert es beim Wirtschaftswachstum, was viele Fachleuten auf viel zu hohe Steuern und zu zahlreiche, übertrieben komplizierte Gesetze zurückführen. Die Chancen, dass die EU in die Supermachtsliga der USA aufsteigen könnte, sind also gering.

Indien wird drittstärkste Wirtschaftsmacht

Bis 2050, so schätzen Experten, wird Indien die drittstärkste Wirtschaftsmacht der Welt werden, vor der EU, hinter China und den USA. Damit hat das Land durchaus Chancen, Supermacht zu werden. Es gibt wohl kaum ein Land, das derart von Gegensätzen geprägt ist: Die Wirtschaft ist die Nummer elf der Welt, aber ein Viertel der Ärmsten dieser Welt lebt in Indien. Beim Kohlendioxidausstoß steht Indien auf Platz sechs, trotzdem haben einige hundert Millionen Menschen keinen zuverlässigen Stromanschluss.

Große Abhängigkeit von Erdölimporten

Die indische Wirtschaft boomt seit Jahren, zurzeit mit einem Wachstum von acht Prozent. Dazu trägt immer stärker die Informationstechnologie bei. Eine riesige Gruppe hochqualifizierter, aber vergleichsweise preiswerter Hard- und Software-Experten arbeitet in Indien. Schon macht der Begriff der Technology Superpower die Runde.
Peinlich berührt dürften sich deutsche Politiker noch an den Versuch erinnern, indische Computerspezialisten mit Greencards nach Deutschland zu locken. Der Plan scheiterte kläglich, denn die Inder waren schlicht nicht interessiert - zu begehrt sind sie zu Hause, und im Vergleich zum alten Europa finden sie ihr Heimatland cool. Über zwei Millionen Soldaten dienen beim indischen Militär, das Land verfügt über die drittstärkste Armee der Welt, besitzt Atomwaffen, entwickelt Mittelstreckenraketen, baut eigene Kampflugzeuge und ist der drittgrößte Waffenimporteur.

Auf dem Weg zur Supermacht muss das Land allerdings noch viele Probleme beseitigen. Die Armut muss bekämpft, die Infrastruktur tiefgreifend verbessert, der Inflation entgegengewirkt werden. Aber selbst wenn das alles gelänge, hat Indien einen riesigen Standortnachteil: Es ist extrem abhängig von Erdöleinfuhren. Erst wenn in der Nutzung von Sonnenenergie der große Durchbruch gelingt, wird sich das Blatt wenden.

Volkskongress in China Quelle: dpa




Auf dem besten Weg, zur Supermacht zu werden, befindet sich jedoch China. Seit Jahren boomt dort die Wirtschaft, das Wachstum beträgt schon lange neun Prozent jährlich. Wie rasant die Wirtschaft wächst, beweisen Chinas Reiche: Das Vermögen der hundert reichsten Chinesen betrug 2004 zusammengerechnet 29 Milliarden Dollar. Ein Jahr später waren es 41 Milliarden. Im selben Zeitraum verfünffachte sich die Zahl der chinesischen Dollar-Milliardäre.

Der Einfluss Chinas wächst

Der chinesische Einfluss auf die internationale Politik wächst stetig. Auch dabei geht es oft genug um Öl. So hat die Staatengemeinschaft bislang recht wenig gegen die grauenerregenden Massaker in der sudanesischen Provinz Darfur unternommen, weil China per Veto Eingreifpläne der UN vereitelte. Der Grund: China will an jüngst entdeckte Ölquellen herankommen und unterstützt daher die sudanesische Regierung.

Jangtse-Staudamm Quelle: ,dpa




Auf dem Weg zur Supermacht muss China allerdings ähnliche Probleme wie Indien lösen: Große Teile des Landes wirken noch immer wie ein Bauernstaat aus einem vergangenen Jahrhundert, viele Millionen Menschen sind bettelarm und ungebildet. Die Kaufkraft im Land ist so gering, dass die Wirtschaft auf Gedeih und Verderb vom Export abhängt. Außerdem steht China als sozialistisches Land und wegen gravierender Menschenrechtsverletzungen politisch ziemlich isoliert da. Zu einem wahren Desaster wächst sich die Kehrseite des Wirtschaftsbooms aus: Die Schäden durch die grassierende Umweltverschmutzung fressen mittlerweile einen großen Teil der Gewinne wieder auf. "China hat fast alles, was es seit den späten siebziger Jahren gewonnen hat, durch Umweltverschmutzung wieder verloren. " Der das sagt, muss es wissen. Das Zitat stammt vom Leiter der chinesischen Umweltbehörde.

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