Die taurische Reise

Mit Potemkins Flotte auf Provokationskurs gegen die Türken

Für Katharina setzt Potemkin auf der Krim zu einem unglaublichen Kraftakt an. Er lässt eine gewaltige Flotte bauen, mit der er die Hoheit über das Schwarze Meer erringen will. Ein Mammutprojekt und unglaubliches Schauspiel - doch am Ende steht Potemkin als Lügenbaron da.

Im Januar des Jahres 1787 bricht die Zarin zu einer Inspektionsreise in die südlichen Provinzen auf, die als die "taurische Reise" in die Geschichte eingehen wird. Sie will sich selbst überzeugen, ob Potemkins Heldentaten der Realität entsprechen.

Potemkins Wunderland

Die Orientpolitik der Zarin ruft in ganz Europa Gegner auf den Plan. Umso effektvoller will sie ihre Machtinteressen zur Schau stellen - und den Sultan provozieren. Von Kiew aus soll es mit dem Schiff über den Dnjepr in Potemkins Wunderland gehen.

Einzigartiges Schauspiel



Die Legende behauptet, dass Pappbauten und Gipspaläste wie Hollywood-Kulissen ihre Route säumten. Noch heute steht der Ausdruck "Potemkinsche Dörfer" für die Vorspiegelung falscher Tatsachen. Gab es die Attrappen wirklich? Hätte Potemkin es riskiert, seine Zarin der Lächerlichkeit preiszugeben?



Von Sewastopol aus wollen Katharina und Potemkin zum Sprung über das Schwarze Meer ansetzen. Konstantinopel soll die Hauptstadt ihres byzantinischen Kaiserreichs werden. In Sewastopol lässt der geniale Potemkin ein einzigartiges Schauspiel für Katharina aufführen. Die Schwarzmeerflotte ist Realität. Für die Zarin und ihren Eroberer ist es die Ouvertüre zum entscheidenden Schlag gegen die Türken. Katharinas Muskelspiel provoziert die Türken zum Angriff. Doch Potemkins Admiräle fügen der feindlichen Flotte empfindliche Niederlagen zu. Bald zittert der Sultan vor Russlands Soldaten. Potemkins Seeschlachten rücken den Sieg über die Türken in greifbare Nähe.

Die Position des Eroberers im Bett der Zarin aber nehmen neue Liebhaber ein. Die stürmischen Jahre mit Potemkin sind für Katharina vorbei. Doch er behält die Kontrolle über ihr Liebesleben: 15 junge Männer sucht er aus, die nacheinander den Weg in ihr Schlafzimmer finden. Was für Europas Fürsten mit ihren Mätressen ein Ritual der Macht ist, sorgt bei dem "Mordsweib auf dem Zarenthron" für Furore in aller Welt. Bis heute kursieren die verwegensten Phantasien über die erotischen Abenteuer der freizügigen Monarchin. War die Zarin so frivol wie die Legende hartnäckig behauptet?

Politische Hintergründe



Das Klischee der liebestollen Zarin hat auch politische Hintergründe. In ganz Europa werden Karikaturen über Katharina verbreitet, die ihre Expansionspläne aufs Korn nehmen. Barbusig springt sie über das Schwarze Meer - und die Häupter Europas schauen ihr lüstern unter den Rock. Doch was ist dran an den Gerüchten über das ausschweifende Liebesleben der Zarin?




Die Zarin bleibt Potemkin verbunden und motiviert ihn zu seinen Kriegstaten. Ihr Prestige hängt von einem Sieg über die Türken ab, und er dient ihren Reichsinteressen. Doch der Feldherr sieht seine militärische Karriere am Ende. Der Krieg fordert immer mehr Opfer und nagt an seiner Kraft. Die Verwundeten kommen in Lazarette, in denen es an allem fehlt. Erstmals beginnt der Gigant an seiner Mission zu zweifeln.

Potemkin schwächelt

Der Mensch, der sein Leben lang keine Grenzen kannte, will aufgeben. Seine Kaiserin aber verweigert jeden Gedanken an eine Niederlage - und Potemkin kämpft weiter auf Katharinas Befehl. Er gibt das Kommando zum Sturm auf eine von Türken besetzte Festung. Konstantinopel kann Potemkin seiner Herrin nicht zu Füßen legen. Doch mit seinen territorialen Eroberungen führt er sie auf den Zenit ihrer Macht.




Im Jahr 1791 treffen sich die beiden Zwillingsseelen zum letzten Mal. Potemkin stirbt kurze Zeit später. Katharina überlebt den Mann, dem sie den Ruhm ihrer Herrschaft verdankt, um fünf Jahre. Ihr Abgang von der Weltbühne ist deprimierend, ihr Todeskampf einsam. Sie stirbt nach einem zweiten Schlaganfall am 6. November 1796. Die Thronfolge kann sie nicht mehr selbst regeln. So wird ihr ungeliebter Sohn, der sie Zeit ihres Lebens für die Mörderin seines Vaters hält, mit 42 Jahren als Paul I. den Thron besteigen.

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