Die Technologie

Wundermittel aus dem Dschungel

Ein Tiefseekabel muss extrem stabil sein, denn es ist enormen Zug ausgesetzt, wenn es Tausende von Metern in die Tiefe sinkt. Es braucht perfektes Isolationsmaterial, das selbst in eiskaltem Wasser nicht spröde wird.

Lange suchte man zu Beginn der Telegrafie nach einem geeigneten Stoff zur Isolation.

Exakte Temperatur, ideale Konsistenz

Erst Guttapercha brachte die Lösung. Ein milchiger klebriger Pflanzensaft aus Südostasien. Die Malayen kennen das Guttapercha seit Urzeiten, verwenden es zu Heften und Griffen für Messer und Waffen. Ein Engländer brachte aus dem Dschungel Malaysias das Wundermittel nach London. Und ein gewisser Faraday erkannte seine besondere Eignung als Isolationsstoff. Bei 60 Grad wird Guttapercha weich und geschmeidig, lässt sich leicht in Form gießen. Bei null bis 25 Grad ist es lederartig, zäh und biegsam. Vor Licht geschützt, behält es seine Elastizität lange Jahre, besonders wenn es in Salzwasser eingesetzt wird.

Guttapercha ist ähnlich dem Kautschuk, doch diese besonderen Eigenschaften machen es zum idealen Stoff, um Kabel zu isolieren. In Deutschland entwickelte der junge Werner Siemens den Prototyp eines Geräts, um Kupferkabel nahtlos mit Guttapercha zu isolieren. Seine Presse sollte einer der Grundsteine für das erfolgreiche Familienunternehmen werden. Nach endlosen Versuchen fand Siemens die exakte Temperatur, bei der das Material die ideale Konsistenz erreicht. Ein Durchbruch, der Guttapercha zum bevorzugten Isolationsmaterial von Telegrafenkabeln werden ließ. Vor allem für den Einsatz unter Wasser.

Fehlerhafte Konstruktion

Tom Bancrofts Leidenschaft gilt historischen Telegrafenkabeln. In der Karibik, vor der Küste Floridas, sucht er nach einem Kabel, dass 1866 zwischen Miami und Kuba verlegt wurde. Über die Jahre ist Bancroft zum Experten geworden, hat den Aufbau alter Telegrafenkabel studiert und Experimente durchgeführt. Die ersten Kabel hatten einen Kern aus Kupfer. Heute weiß man: Das erste Transatlantikkabel war von Grund auf fehlerhaft konstruiert. Es hatte einen viel zu geringen Querschnitt für die große Länge, die Isolierung war nicht gleichmäßig genug.

Zwei Firmen waren mit der Herstellung befasst, sie arbeiteten zu schnell, nicht sorgfältig genug. Und die Armierung wurde von der einen links, von der anderen Firma rechts herum gewickelt, ein Nachteil für die Stabilität. Doch Tom Bancroft hat noch eine weitere Theorie für das Versagen des Kabels: Würmer, Teredon-Würmer. Sie können sich bei fehlerhafter Armierung, auf der Suche nach Nahrung, in das Guttapercha bohren und so die Isolation zerstören.

Glasfaser statt Kupfer

Kupfer hat als Leitermaterial ausgedient. Glasfaser aus Quarzglas ist an seine Stelle getreten. Die Lichtdurchlässigkeit übertrifft die von Fensterglas um das 15.000-fache. Ein Kolben wird in einem Fallturm auf 2000 Grad Celsius erhitzt. Das Glas wird flüssig und gibt einen Tropfen frei. Dieser dehnt sich während des Falls und bildet die hauchdünne Glasfaser. Die enorme Kapazität wird durch das Trägermedium Licht erreicht. Denn Licht kann in ein sehr breites Farbspektrum aufgebrochen werden. Die Farben bilden getrennte Informationskanäle, die alle gleichzeitig zur Verfügung stehen und mit hoher Geschwindigkeit die Lichtimpulse übertragen.

Dünn wie ein Menschenhaar kann eine einzige dieser Fasern theoretisch 100.000 Millionen Telefongespräche gleichzeitig übertragen. Gebündelt zu 12, 24, oder 48 Fasern, je nach gewünschter Kapazität, werden sie in ein dünnes Kupferrohr gebettet und mit mehreren Lagen Stahldraht armiert. Von außen sieht es nicht viel anders aus als das erste Transatlantikkabel.

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