Die tibetische Variante

Heilpflanzen am Himalaya

Dharamsala liegt an den Hängen des Himalaya. Dort hat der Dalai Lama, das Oberhaupt der tibetischen Buddhisten, Exil gefunden. Über die höchsten Pässe flüchteten viele Tibeter vor den chinesischen Aggressoren nach Indien. Neben ihrem wenigen Gepäck brachten sie ihren Glauben und das Wissen um die Heilkräuter über die heiligen Berge.

Dass am Dach der Welt ganz besondere Pflanzen wachsen, wussten schon die Alten. Eine buddhistische Legende erzählt vom Affen Hanuman, der einen ganzen Berg aus dem Himalaya nach Indien trägt, um Heilkräuter für einen verletzten Freund zu haben.

Einfachste Methoden

Der Leibarzt des Dalai Lama, Dr. Tsewang Tamdin, betreibt zusammen mit einigen Kollegen eine tibetische Klinik in Dharamsala. Auch er verlässt sich auf einfachste Diagnosemethoden: Puls, Augen, Haut, ein kurzes Gespräch. Nicht viel anders, als es auch die ayurvedischen Kollegen praktizieren.


Dr. Tamdin ist auch der Apotheker des Klosters. Die Rezepturen seiner Medizin sind geheim. Nicht aber die verwendeten Heilkräuter. Die werden von den Mönchen immer wieder detailgenau abgemalt, damit sie nie in Vergessenheit geraten. Konserviertes Wissen für eine Zukunft in der Heimat Tibet: der allegorische Baum der tibetischen Gesundheitslehre. Vier Äste stehen für das Zusammenspiel von richtiger Ernährung, richtigem Verhalten, Medizin und Methoden der Therapie. Acht Jahre studieren die Schüler die Bedeutung des Bildes. Erst dann dürfen sie sich Arzt nennen. Die Kenntniss aller Heilpflanzen ist dazu Voraussetzung.

Tibetische Pillen für Hollywood

Die buddhistische "Wundermedizin" steht im Westen derzeit hoch im Kurs. Hollywoodstars schwören auf Pillen aus Dharamsala. In der Klosterapotheke sind Dr. Tamdins Präparate für Centbeträge zu haben. Arme bezahlen gar nichts. Wahre Volksmedizin. Erobert sich das alte Medizinwissen seinen Platz im Bewusstsein der Menschen zurück?

Ayurvedische Gerichte

Im Palast des Maharadschas zumindest ist der Traum des Vaidyas in Erfüllung gegangen: Sein ayurvedischer Kräutergarten hat Gestalt angenommen. Über 200 Heilpflanzen künden von einer Renaissence im Bann der grünen Götter Indiens. Besonders stolz ist der Vaidya auf die Lieblingspflanze des Hindugotts Vishnu, Tulsi, das heilige Basilienkraut. Es gedeiht ihm besonders gut und wird gegen Malaria verwendet.


Mit den Kräutern ist auch in der Küche des Maharadscha ein frischer Wind eingezogen. Ayurvedische Gerichte stehen erstmals auf der Speisekarte. "Iss dich gesund" würde das Konzept bei uns heißen. Der Vaidya aber versteht richtiges Essen als Vorbeugemaßnahme. Ein guter Arzt kümmert sich darum, dass sein Patient gar nicht erst krank wird". "Allein durch gute Nahrung gedeiht der Mensch, schlechte hingegen ruft Krankheit hervor", steht in einem alten Sanskrittext.


Die grünen Schätze des Orients, Hoffnung für Hunderttausende chronisch Kranker? Ein Fundus für neue Medikamente ohne Nebenwirkungen? Ein faszinierender Gedanke. Die Enträtselung der alten Schriften, modernste Naturwissenschaft und eine Rückbesinnung auf die Kraft der Pflanzen helfen bei der Bergung des verschollenen Heilwissens. Wenn wir sie endlich besser erkennen, verstehen und schützen, werden sie uns weiterhelfen: die grünen Wundergaben der göttlichen Natur.

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