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Die Tricks der Rivalen

Beide Forscher erzielen Erfolge mit unlauteren Mitteln

Für Edward Thompson war Chichen Itza eine wahre Fundgrube. In regelmäßigen Abständen hatte er über Jahrzehnte kistenweise Funde nach Nordamerika verschickt. Nun wollte er sich aus Mexiko zurückziehen, er bereitete die letzte Lieferung mit seinen wertvollsten Stücken vor. Es gab jedoch jemanden, der das mit aller Macht verhindern wollte.

Thompson beim Verpacken seiner Fundstücke
Thompson beim Verpacken seiner Fundstücke Quelle: ZDF

Teobert Maler reiste in Begleitung eines mexikanischen Inspektors nach Chichen Itza, um dafür zu sorgen, dass Thompson des Landes verwiesen wird. Der Inspektor war allerdings nicht ganz so entschlossen - schließlich war Senor Thompson Konsul der amerikanischen Regierung. Auf Thompsons Hacienda glaubte Maler seinen Rivalen inflagranti zu erwischen. Er hatte einen Tipp bekommen, dass der US-Amerikaner die letzten Funde, sehr bald außer Landes schaffen wollte.

Rechtmäßiger Eigentümer

Maler hatte im Verlauf seiner Expeditionen einige Mayastätten vor und nach dem Besuch Thompsons fotografiert. Er stellte fest, dass einige Ornamente fehlten. Darunter auch ein steinerner Drachenkopf aus Chichen Itza, den er auf der Hacienda in Thompsons Koffer wiederentdeckte. Doch Thompson hielt dem verdutzten Maler einfach ein Dokument vor die Nase. Tatsächlich wies ein beurkundeter Vertrag Konsul Thompson als den rechtmäßigen Eigentümer des Anwesens aus - und damit der gesamten Mayastätte Chichen Itza. Dies überzeugte auch den Inspektor.

Steinerner Drachenkopf
Steinerner Drachenkopf Quelle: ZDF

Edward Thompson hatte glänzende Verbindungen zu den mexikanischen Machthabern. Erst Jahre später wurde der Konsul von der mexikanischen Regierung auf fünf Millionen Dollar Schadensersatz verklagt. Da hatte Thompson das Land jedoch bereits verlassen. Heute ist aus der Hacienda ein elegantes Hotel geworden. Wieder hat eine Privatperson das Anwesen gekauft. Und damit sind auch die Ruinen von Chichen Itza wieder in Privatbesitz. Nun gehören sie allerdings einem Mexikaner.

Späte Gerechtigkeit

Büste von Maler
Büste von Maler Quelle: ZDF

Von der späten Gerechtigkeit einer Klage gegen seinen Widersacher Edward Thompson erfuhr Teobert Maler nichts mehr. Er starb 1917 unbemerkt und unversöhnt mit der Welt in Mérida, im Alter von 75 Jahren. Maler wurde vergessen. Seine Fotographien aber wandern heute in Ausstellungen um die ganze Welt und zählen noch immer zu den wichtigsten Quellen für Archäologen in Mittelamerika. An den eigenbrötlerischen Maya-Forscher aus Deutschland erinnert im mexikanischen Mérida das anthropologische Museum. Dort ist seine Büste aus den schmucken Ausstellungsräumen im Obergeschoss allerdings inzwischen in den Keller gewandert.

Es blieb Teobert Maler erspart mitzuerleben, wie findige Forscher 100 Jahre später seinen letzten Winkelzug durchschauten. Obwohl Maler der wissenschaftlich weitaus bedeutendere Forscher war und die Archäologie in Zentralamerika mitbegründete, hatte er nie verwunden, dass Edward Thompson immer einen Schritt schneller war. Und so fälschte er das Entstehungsdatum seiner Zeichnung der Ruinen von Xkichmook. Nun sah es so aus, als ob er vor Thompson die Mayastadt entdeckt hätte.

Gefälschtes Datum auf Fotografie
Gefälschtes Datum auf Fotografie Quelle: ZDF

Jeder Archäologe möchte der Erste sein - das unterscheidet die Abenteurer von damals kaum von den Wissenschaftlern Heute. Was alle Generationen von Gelehrten eint, ist ihre Faszination für ein großes Volk, dessen Tempel und Paläste teilweise noch immer auf ihre ersten Entdecker warten.

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