Die Überquerung des Indischen Ozeans

Pioniere im "islamischen Binnenmeer"

Die Strömungen vor Afrikas Ostküste sind unberechenbar. An manchen Tagen, so berichtet der Chronist, legten sie trotz starken Windes nur wenige Meilen zurück. Ganz langsam näherten sie sich wieder dem Äquator.

Vor der Küste Mosambiks begegneten die Portugiesen zum ersten Mal fremden Schiffen, arabischen Dhaus, in einer für sie noch fremderen Welt. In den Häfen der ostafrikanischen Küste hoffte Vasco da Gama, Informationen über den Seeweg nach Indien zu finden. Hier lagen die Schiffe, die regelmäßig nach Indien fuhren. Die Dhau war jahrhundertelang der Schiffstyp der arabischen Seefahrer. Mit ihr soll schon der sagenhafte Sindbad bis an die Küsten Chinas gesegelt sein.

Für die Portugiesen war das Seltsamste an ihrer Konstruktion, dass man die Planken nur mit Kokosfaser zusammennähte. Wie konnten die Araber mit diesen fragilen Booten bis an die fernen Küsten Ostasiens gelangen? Ihre Schiffsführer waren erfahrene Navigatoren. Sie besaßen Karten, Kompasse und Quadranten, die präziser als die der Portugiesen waren.

Überlegene Osmanen

Bereits aus der Mitte des 12. Jahrhunderts stammt die Karte von Muhammed Al-Idrisi. Auf den Kopf gestellt und nach Norden ausgerichtet, zeigt sie zunächst die arabische Halbinsel, und dann im Detail die Häfen und Flüsse entlang der Küsten des Indischen Ozeans bis hin zu den indonesischen Inseln. Von hier holten die Araber schon damals die begehrten Gewürze. Die Portugiesen wussten über die arabische Seefahrt relativ wenig, sie war im 15. Jahrhundert sehr ausgeprägt und technisch hervorragend. Der Westteil des Indischen Ozeans war ein "islamisches Binnenmeer", denn die Schiffe waren nicht bewaffnet. Daran konnte man schon sehen, wie wie weit die Osmanen in dieser Region überlegen waren. Es herrschte reger Schiffsverkehr zwischen der ostafrikanischen und der indischen Küste.

Spion an Bord

Vasco da Gama setzte alles daran, Informationen über diese Indienroute zu bekommen. Er nutzte das Wissen der Araber, dem Lotsen des Sultans von Mombassa aber misstraute er. Er witterte Verrat und ließ ihn in Gewahrsam nehmen. Vascos Misstrauen war begründet. Der Sultan von Mombassa fürchtete um sein Handelsmonopol. Er wollte die Flotte der Portugiesen vernichten. Doch sieben Monate Seefahrt hatten die Disziplin der Mannschaft zermürbt. Schon in der ersten Nacht konnte der Spion fliehen. Nun hieß es, so schnell wie möglich aufbrechen.

Es war ihr letzter Tag an der ostafrikanischen Küste vor der Überquerung des Indischen Ozeans. Der Sultan von Malindi, der sich im Krieg mit Mombassa befand, unterstützte die Portugiesen. Der Chronist berichtet: "An einem Dienstag, es war der 24. April, lichteten wir die Anker und nahmen mit dem Lotsen an Bord, den uns der König von Malindi mitgegeben hatte, Kurs auf eine Stadt, die Calicut heißt. Von dieser Stadt hatte unser König Kenntnis und wir fuhren nach Osten, um sie zu erreichen."

Scheinbar problemlose Überfahrt

Sie nutzten den Südwestmonsun, der um diese Jahreszeit die Schiffe mit stetiger Brise Richtung Indien vor sich hertreibt. "Die Fahrt von hier aus nach Indien, das man schon am Horizont hier sehen kann, ist relativ unproblematisch, denn hier herrschen permanente Strömungen, die auf Indien zuführen, vom Südostpassat. Der bringt jeden Seefahrer sehr leicht nach Indien hin." Der arabische Lotse kannte diese alte Handelsroute. Von der Überfahrt hat der Chronist nichts zu berichten. Sie scheint problemlos verlaufen zu sein.

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