Die Unterwelt der Maya

Mit Wasser gefüllte Höhlen als Opferstätte

Chichén Itzá wurde von einem besonders kämpferischen Volk bewohnt. Seine Tempel verherrlichten den Krieg geradezu und die Kriegerkaste war an die Stelle des Königs getreten. Der immer unersättlichere Regengott Chac forderte ständig neue blutige Gaben - und die landeten meist im Heiligen See.

An hohen Festtagen führte man die Unglücklichen hinauf zum Allerheiligsten. Bald schwammen die noch dampfenden Herzen der Geopferten in den Steinschalen. Um den Gott gnädig zu stimmen, wurden Kriegsgefangene mit gefesselten Händen in den Heiligen See gestürzt - so der archäologische Indizienbefund.

Schwamm mit riesigen Blasen



Eine Tauchexpedition mitten im abgelegenen Busch soll Klärung bringen: Waren Menschenopfer bei den Maya wirklich die Regel? Die Aktion des mexikanischen Archäologenteams ist ein risikoreiches Wagnis. Alljährlich sterben hier viele Taucher, weil ihre Geräte versagen oder sie sich in dem Labyrinth verirren. Denn der Boden der Halbinsel Yukatan gleicht einem Schwamm mit riesigen Blasen und weitverzweigten Kanalsystemen. Die Eingänge zu dieser Unterwelt sind die "Cenotes" - mit Wasser gefüllte Höhlen.

Die Taucher dürfen sich nur in Zeitlupe bewegen, um nicht die federleichten Ablagerungen vom Boden aufzuwirbeln - sie könnten den Tauchern vollständig die Sicht nehmen und totale Desorientierung bewirken. Der Felsboden ist bedeckt mit Hunderten von Totenschädeln und Knochen aus der Maya-Zeit. Die wissenschaftliche Ausbeute begeistert die Taucher.




Höhlen als heilige Orte

Höhlen gelten den Maya bis heute als hochheilige Orte. Viele Jahrtausende lang sind sie dorthin hinabgestiegen, um den Göttern Opfer zu bringen. Die frühen Vorfahren der Maya haben die Löcher im vom Wasser unterspülten Urwaldboden als Fallen benutzt, in die sie Säbelzahntiger und Riesengürteltiere trieben.



In der Höhle von Loltun hat es 170.000 Jahre gedauert, um die monumentalen Kalksäulen zu formen. In den tiefen Höhlen liegt für die Maya der Eingang zu "Xibalba", dem Totenreich. Ihrem Glauben nach muss jeder Verstorbene an diesen Ort des Schreckens kommen, um zu büßen. Und um nach langen Kämpfen und Leiden vielleicht aufzuerstehen - wenn die grausamen "Herren der Finsternis" ihn ziehen lassen.

Geheimnisvolle Rituale

Steinzeitmenschen haben ihre Hände an den Fels gehalten und mit Kohlefarbe bestäubt: Jagdzauber oder Ahnenkult. Die verwitterte Maske des Regengottes Chac beweist die religiöse Nutzung auch in späterer Zeit. Die Priesterkönige der Maya zelebrieren in der verborgenen Höhlenwelt geheimnisvolle Rituale: Sie versetzen sich mit Pflanzengiften und einem Krötensekret in Trance. So glauben sie in Kontakt mit den Seelen der Ahnen zu treten. Unter Einfluss der Drogen erscheinen ihnen Vampire und Monsterwesen. Der Höhepunkt der Gewaltorgie ist ein Menschenopfer. Die bizarre Göttergestalt nimmt den Schädel dankbar entgegen.

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