Die Ursache der Katastrophe

Brett Phaneufs Analyse stellt historische Berichte in Frage

In historischen Berichten wird als Grund für den Untergang der "Sherman Tanks" angeführt, die Spezialpanzer seien bei starkem Wellengang nicht seetüchtig gewesen.

Vor allem von den genauen Positionsdaten der Wracks erhofft sich der Wissenschaftler wertvolle Hinweise auf die Ursache des rätselhaften Scheiterns der Schwimmpanzer.

Die Analyse von Brett Phaneufs

Seine Daten dokumentieren: Die meisten der Wracks liegen relativ nah vor der Küste. Weder eine Unterspülung noch die Kraft der Strömung hat sie dorthin verfrachtet. Das heißt: Die Tanks müssen damals eine gute Wegstrecke gefahren sein.


Der letzte Check unter Wasser liefert dem Wissenschaftler die entscheidenden Fakten. In der Ausrichtung der Panzer zum Strand liegt der Schlüssel zum Geheimnis ihres Untergangs. Von seinem Teamkollegen Phil Richards will der Archäologe eine präzise Beschreibung. Die Spezialpanzer stehen aufrecht auf dem Grund. Jeder einzelne Korpus ist in Fahrtrichtung zur Küste hin orientiert.

Landmarken als Fixpunkte

Ein Ergebnis, das den Experten aus Amerika nicht sonderlich überrascht. Die Daten bestätigen, was meteorologische und ozeanographische Abhandlungen schon vermuten ließen. Für ihn erklärt sich nun, warum alle 19 untersuchten Fahrzeuge nur einen einzigen Fixpunkt an Land anvisieren hatten.


Brett Phaneuf: "Der Kirchturm von Coleville sur Mer ist eine weithin sichtbare Landmarke. Alles deutet darauf hin, dass sie versuchten, gegen die starke Strömung anzukämpfen, um nicht abzudriften. Der Kirchturm war der Fixpunkt. Wir wissen, dass die Panzer am Utah Beach und im Gold Sektor Landmarken benutzt haben, das 741. Panzerbataillon höchstwahrscheinlich auch. Als sie sich dem Strand näherten, wurden sie in diese Richtung gedrängt. Dabei erfassten die knapp zwei Meter hohen Wellen ihre empfindlichen Längsseiten. Sie drückten in die Schwimmschürzen und die Panzer sanken auf den Meeresgrund."

Der geheime Einsatzbericht

Hätten sie den Kurs geändert und nicht versucht, weiterhin den Kirchturm anzupeilen, hätten sie die Wellen hinter sich gebracht und den Strand erreicht. Doch nur zwei der insgesamt 29 Schwimmpanzer kamen ans Ziel. Die anderen blieben den Elementen hilflos ausgesetzt.


Trotzdem bleibt bis heute rätselhaft, warum die "Sherman Tanks" so weit vor der Küste von "Omaha Beach" ausgesetzt wurden. Die Kommandeure von benachbarten Invasionsstränden wichen von den ursprünglichen Einsatzplänen ab. Sie ließen die Amphibienfahrzeuge in direkte Strandnähe bringen - aufgrund einer Order, die kurz zuvor einging. Doch in den Wirren der ersten Stunden muss die Befehlskette irgendwo abgerissen sein.

So ist in einem geheimen Einsatzbericht die Aufforderung vermerkt, aufgrund des Seegangs die Schwimmpanzer keinesfalls 6000 Yards - also etwa fünfeinhalb Kilometer vor der Küste ins Wasser zu lassen. Das 741. Panzerbataillon jedenfalls kannte die Anordnung nicht. Daran besteht kein Zweifel. Die Gründe dafür lassen sich nicht mehr rekonstruieren.

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