Die Ursache der Seevölker-Wanderung

Klimaforschung belegt dramatische Dürreperiode

Lange rätselten Historiker, warum das bunt gemischte Volk nicht sesshaft wurde. Eine Antwort liefern Naturwissenschaftler. Das Tote Meer ist für Geologen ein wertvolles Klimaarchiv, das helfen könnte, das Geheimnis der Seevölker zu lüften.

Sedimentschichten am Toten Meer Quelle: ZDF

Die Sedimente am Toten Meer sind ideal für die historische Klimaforschung. Einerseits, weil es keinen natürlichen Abfluss hat, andererseits weil es über ein großes Einzugsgebiet mit Wasser gespeist wird wie kein anderes Gewässer im Nahen Osten. Wasserstand und chemische Ablagerungen reagieren äußerst sensibel auf Veränderungen im Zuflusssystem oder auf Regen.

Wasserstand Totes Meer von 1913 Quelle: ZDF

Schockierender Beleg

Eine rote Linie im Fels markiert den Wasserstand von 1913. Heute, knapp hundert Jahre später, ist das Tote Meer von dort aus kaum noch zu sehen. Ein schockierender Beleg dafür, wie empfindlich der Salzsee auf Klimaschwankungen reagiert. Aus dem einzigen Zufluss, dem Jordan, entnehmen die Anrainerstaaten vermehrt Wasser für die Landwirtschaft. Dazu kommt die extreme Verdunstung am tiefsten Punkt der Erde, fast 400 Meter unter dem Meeresspiegel. So sinkt der Wasserstand seit den 1980er Jahren um etwa einen Meter pro Jahr - eine ökologische Katastrophe, Geologen sehen dies jedoch als eine Chance. Denn an den Ablagerungen können sie Klimadaten der Vergangenheit ablesen.

Zweihundert Meter von der Uferlinie entfernt wird das Team fündig. Die Auswaschungen des vergangenen Frühjahrs haben eine steile Abbruchkante freigelegt. Dort suchen die Geologen nach Sedimentschichten aus der Seevölkerzeit. In vier Metern Tiefe stoßen die Experten auf die Schichten, die in der späten Bronzezeit um 1200 vor Christus entstanden sind. Sorgfältig stechen die Männer eine sogenannte Sedimentsäule aus. Das Erdreich enthält wertvolle Klimainformationen über einen Zeitraum von etwa einem halben Jahrhundert.

Sediment-Säule Quelle: ZDF

Klimaforschung mit Pollenanalysen

Für die umfassende Analyse reist der Bohrkern in ein Labor nach Deutschland. Dort kommt die Sedimentprobe nach wenigen Tagen im Geologisch-Paläontologischen Institut der Universität Bonn sicher an. Die Klimaforschung auf der Basis von Pollenanalysen ist ein Verfahren, das Aussagen über die Entwicklung und das Aussterben von Tier- und Pflanzenarten zulässt. Die mikroskopisch kleinen Pollen sitzen in den erdigen Schichten des Meeresbodens. In der chemischen Aufbereitung werden die Proben solange gereinigt, bis nur noch die eingeschlossenen Pollen übrig sind. Von den fingerhutgroßen Sedimentstücken bleibt am Ende nur noch die Menge eines Tropfens. Und der kommt unters Mikroskop.

Computeranimation Pollenablagerungen Quelle: ZDF

Ein Spezialist nimmt sich die winzig kleinen Partikel vor. Zuerst identifiziert er den Olivenbaumpollen, er ist ein Indiz für feuchtes Klima. Die "achillea fragrantissima" hingegen, eine Schafgarbenart, bevorzugt eine trockene Umgebung. Die Frühjahrsblüte setzt die Pollen frei, und der Wind trägt sie überall hin, auch über das Meer. Zusammen mit anderen Schwebteilchen sinken sie auf den Grund und setzen sich dort ab. Weißer Verdunstungskalk, der in den heißen Sommermonaten entsteht, schließt die Jahreslage ab. Eine Chronik des Klimas.





Dramatische Trockenphasen

So erhalten die Paläobotaniker Daten über die letzten 10.000 Jahre am Toten Meer. Grünblaue Farbschattierungen bedeuten regenreiche Phasen, Trockenperioden werden in gelbroten Schattierungen wiedergegeben. Je heißer das Klima, desto intensiver der Farbton. Niederschlagsrekonstruktionen über die vergangenen zehntausend Jahre hinweg lassen zwei dramatische Trockenphasen erkennen. Und interessanterweise ist eine dieser Trockenphasen genau mit der Seevölkerbewegung, das heißt 1200 vor Christi Geburt, zu verbinden.

Um unser Web-Angebot optimal zu präsentieren und zu verbessern, verwendet das ZDF Cookies. Durch die weitere Nutzung des Web-Angebots stimmen Sie der Verwendung von Cookies zu. Näheres dazu erfahren Sie in unserer Datenschutzerklärung.

Gemerkt! Merken beendet Bewertet! Bewertung entfernt Abonniert! Abo beendet