Die Ursprünge Israels

Legende und Wirklichkeit

3000 v. Chr. entstehen in der fruchtbaren Ebene zwischen den Strömen Euphrat und Tigris im heutigen Irak die ersten Großstädte der Menschheit. Ur und Uruk, Assur, Ninive und Babylon, berühmte Namen, die für den Anfang der Kultur stehen. Aus dieser Welt soll der Stammvater aller Israeliten gekommen sein. Ein Auswanderer mit Namen Abraham.

In dieser Zeit wird Mesopotamien gerühmt wegen seiner gigantischen Bauleistungen, seiner Paläste und Stadtmauern und der Erfindung der Schrift. Die Menschen leben unter einheitlichen Gesetzen, in einer arbeitsteiligen Gesellschaft, mit einer ausgeklügelten Verwaltung, kurz: in einer hoch entwickelten Zivilisation.

Herkunft der Israeliten

Die Bibel berichtet, Abraham sei vom Zweistromland durch den "fruchtbaren Halbmond", den wassereichen Bogen zwischen Euphrat und Mittelmeer, nach Westen gezogen. Sein Ziel ist das Land Kanaan, der biblische Name für das heutige Israel.


Am Jerusalemer Rockefeller-Museum untersucht der Anthropologe Yossi Nagar die Spuren der frühesten Israeliten. Seine Forschungen werfen ein erstaunliches Licht auf die alten Berichte: "Es ist eine bekannte Geschichte aus der Bibel, dass die Väter des jüdischen Volkes aus Mesopotamien kamen. Wenn ich Knochen wissenschaftlich untersuche, erkenne ich eindeutig, dass unsere Vorfahren während der Bronzezeit hier eingewandert sind. Das bedeutet, die wissenschaftlichen Ergebnisse stimmen mit der biblischen Überlieferung überein."

Überwindung der Barbarei

Aber die Bibel will noch etwas anderes sein als historische Überlieferung. Sie schildert vor allem die Beziehung eines Volkes zu seinem Gott. Dieser - so erzählt die Heilige Schrift - fordert Entsetzliches von Abraham. Er soll seinen eigenen Sohn Isaak opfern. Eine Glaubensprobe über alles Menschenmögliche hinaus, und Abraham ist entschlossen, Gott zu gehorchen. Es geht also um Furcht und Gehorsam aber auch um eine Art "Reifung" der Religion. Denn die Geschichte, die so grausam beginnt, handelt in Wirklichkeit von der Überwindung der Barbarei, da Gott in letzter Sekunde auf das Opfer verzichtet.

Es heißt, dass diese Szene sich auf dem Jerusalemer Tempelberg abspielt, dort wo sich heute der islamische Felsendom erhebt. Die Legende wirkt bis heute fort. Durch sie gilt der Tempelberg als Gründungsstätte des Monotheismus und Jerusalem als die Hauptstadt Gottes.

Eroberung des gelobten Landes

Jerusalem bedeutet die "Friedensreiche", Frieden ist aber selten in dieser Stadt und dem Land, das sie umgibt.



Die Bibel erzählt in vielen Kapiteln von Krieg, Mord und Totschlag und auch davon, dass die Eroberung der Stadt Jericho einen entscheidenden Sieg Gottes über die Feinde Israels bedeutet: Mit Gottes Hilfe lassen Posaunen die Stadtmauer einfallen.





Heute weiß man: Am Anfang Israels stehen keine glänzenden Sieger. Ganz im Gegenteil: Menschen in Not, die Ärmsten der Armen des Landes. Da sie anderswo kein Auskommen haben, lassen sie sich in den unwegsamen Bergregionen Kanaans nieder. Der Kern Israels besteht vor 3000 Jahren aus winzigen Siedlungen, Grüppchen, die sich zu Stämmen verbünden und langsam die Oberhand über die ältere städtische Struktur in den Tälern gewinnen. Der unscheinbare Anfang einer großen Geschichte.

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