Die Verbannungsinsel Solowetski

Das Schicksal des Hetmans Kalnischewski

Ein Teil von Katharinas skrupelloser Vernichtungsstrategie war die Verbannung des letzten frei gewählten Hetmans der Ukraine. Sie ließ Hetman Peter Kalnischewski 1775 im Alter von 85 Jahren auf die Gefängnis-Insel Solowetski im Weißen Meer deportieren. Weit entfernt von der Hauptstadt und nur mit dem Schiff zu erreichen.

Ein Kloster ist das Wahrzeichen der Solowetski-Insel. Lange Jahre war es für Besucher tabu, besonders für neugierige Blicke aus dem Westen. Das Eiland war Teil des berüchtigten Archipel Gulag, des stalinistischen Justiz- und Lagerwesens.

Todesurteil auf Raten

Im Sommer sollen hier sogar die Melonen blühen, hatte Expeditionsleiter Maxim Ostapenko erzählt. Doch die wenigen milden Sonnentage können nicht darüber hinwegtäuschen, dass Solowetski eine Hölle war. Die Gefangenen wurden hier her gebracht und vergessen.
Wie mag es dem greisen Kosakenhetman ergangen sein? Aus der Zeit seines erzwungenen Exils gibt es nur ein einziges Bild. Katharina die Große muss den alten Mann sehr gefürchtet haben. Bereits 85-jährig zu 25 Jahren Verbannung verurteilt, ein Todesurteil auf Raten.

Das Schicksal des Hetmans Kalnischewski kann erst heute nach zwei Jahrhunderten des Schweigens objektiv untersucht werden. Schichtenweise legen Archäologen der Universität Moskau die Geschichte des Klosters frei. Kosakenforscher Harald Stadler fasziniert eine Münze aus dem Jahr 1758. Mit solchem Geld könnte sich Kalnischewski Zusatzrationen von seinen Bewachern erkauft haben.

Unbändiger Überlebenswille

In den Kasematten, dunklen Kammern an der Klostermauer, soll sich Kalnischewskis Zelle befunden haben. Die Zeit scheint stehengeblieben zu sein, seit die eisernen Gefängnistüren hinter dem Kosakenführer vor 230 Jahren zugeschlagen sind. Die feuchten Verliese sind gewiss kein idealer Aufenthaltsort. Der Mann, der hier trotz seinen hohen Alters 25 Jahre durchhielt, muss einen unbändigen Überlebens- und Freiheitswillen gehabt haben. Die Zarin hatte ihn unterschätzt.

Harald Stadler hat den einzigen Raum mit einem Fenster entdeckt. Der Legende nach die Zelle des einstigen Staatsfeindes Nr.1. Erhobenen Hauptes verließ er sie am Ende seiner Strafe im biblischen Alter von 110 Jahren. Der Kosak Kalnischewski hatte sich nie gebeugt.

Zahlreiche Leidensgenossen

Er blieb auf der Insel, wurde Mönch und lebte noch zweieinhalb Jahre in Freiheit. Heute ist das Kloster einzig für die Gläubigen da. Ältere Brüder erinnern sich aber noch gut an die Zeiten, als die Kommunisten die Religion bekämpften, Mönche einsperrten und ihre Kirchen als Schweineställe oder Gefängnisse benutzten. Zahlreiche Leidensgenossen damals waren Kosaken.

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