Die Verbindung reißt ab

Nach Ramses III. gelangen kaum noch Ägypter nach Punt

Auch wenn archäologische Beweise noch fehlen, die Indizien sprechen für sich. Da Eritrea all die Luxusgüter bot, die Ägypten zum Ruhm seiner Herrscher dringend benötigte, könnte auch die Delegation der Hatschepsut dorthin gesegelt sein. Und vermutlich war sie weder die Erste noch die Letzte, die ihre Leute ans Horn von Afrika schickte.

An der mangelnden Hochseetauglichkeit der Schiffe scheiterte keine Expedition über das Rote Meer - wo immer das Ziel auch lag. Trotzdem gingen die Ägypter nicht als große Seefahrer in die Geschichte ein. Die zwanzig Meter langen Segler ließen sich bei ungünstigem Wetter nur schwer manövrieren. Havarien waren damals gang und gäbe. Mit der kostbaren Fracht an Bord kehrten die Gesandten der Hatschepsut nach etwa sechs Monaten wohlbehalten zurück. Soviel ist überliefert.

Wie ein siegreicher Feldzug

Die Ankunft in Theben glich einem Triumphzug. "Niemals wurde dergleichen durch irgendeinen Herrscher, der je auf der Erde existiert hat, erbracht", lautet die königliche Inschrift. Damit nicht genug. An die Wände ihres Totentempels ließ Hatschepsut einmeißeln, dass die Fahrt nach Punt so bedeutsam sei wie ein siegreicher Feldzug. Szenen zeigen Einheimische aus dem Traumland, wie sie Hatschepsut demütig Gaben darbrachten. In ihrer Begeisterung ließ Hatschepsut Nehesi, den Schatzmeister und Anführer der Mission, sogar in Stein verewigen. Das war eine Auszeichnung, die Untertanen im Reich der Pharaonen nur selten widerfuhr.

Grafik Weihrauchplantage vor dem Tempel der Hatschepsut Quelle: ZDF

Hatschepsuts Beschaffung der heiligen Waren stärkte ihr Ansehen als Erste Frau im Reich. Den Kultbetrieb in den Tempeln konnte sie weiter unterhalten. Eigens dafür importierte sie Setzlinge der Balsambäume. Eine Plantage sollte ihr Unabhängigkeit von der Rohstoffquelle garantieren. Darüber hinaus handelte die Regentin aus religiösen Motiven. Um ihren göttlichen Vater Amun zu erfreuen, wollte sie die grünen Berge von Punt nachbilden - und das an prominenter Stelle: auf den Terrassen direkt vor ihrem Heiligtum. Doch das Klima im Nilland machte den Plan zunichte, die Pflanzen gingen ein.

Hungersnöte und Unruhen

Um 1180 vor Christus entsendete angeblich Ramses III. eine Expedition nach Punt, wie Inschriften im Tempel von Medinet Habu überliefern. Allerdings musste der Pharao zur selben Zeit Angriffe der Libyer und der Seevölker abwehren. Für kostspielige Fahrten war das nicht gerade eine günstige Voraussetzung. Nach Ramses Tod erschütterten schwere Hungersnöte und innere Unruhen das Land. Ägypten versank allmählich im Chaos.

Wadi Hammamat Quelle: ZDF

Die Route durch das Wadi Hammamat bis zum Hafen Marsa Gawasis wurde zur Falle. Wegen der politischen Wirren konnten die Machthaber die Karawanen nicht gut genug schützen. Das stellte ein leichtes Spiel für Räuber und Schmuggler dar. Immer wieder kam es zu Überfällen durch marodierende Nomaden. Sie rissen die unermesslichen Schätze aus Punt an sich. Quellen berichten, dass nicht selten die Gesetzlosen die Reisenden bis auf den letzten Mann töteten. Fast tausend Jahre wagten sich nur noch wenige Ägypter durch die Todeszone der Ostwüste.

Saftige Zölle

Die Götter aber verlangten nach dem edlen Räucherwerk. Vermutlich kam der Nachschub in jener Epoche vor allem von der Arabischen Halbinsel. Für die Ägypter brachte das erhebliche Nachteile: Denn die Königreiche entlang der Strecke erhoben von den Händlern saftige Zölle und trieben so die Preise in astronomische Höhe. Von den Anbaugebieten im Süden lief die Weihrauchstraße von Qana über Marib und Petra bis Gaza. Der afrikanische Landweg führte von Eritrea durch Nubien entlang des Nil nach Ägypten. Doch wegen ständiger Nachbarschaftskriege war er meist nicht passierbar.

Die Einstellung der Seefahrten nach Punt eröffnete den Kaufleuten aus Arabien die Gelegenheit, großen Reichtum zu erwirtschaften. Jahrhunderte lang hielten sie das Monopol über den Fernhandel mit Weihrauch. Kaum ein Abnehmer wusste, wo die gewinnträchtigen Plantagen lagen. Nicht einmal die Ägypter. Die Priester im Land am Nil verwendeten die Duftharze zwar weiterhin. Aber den Produkten fehlte sozusagen der göttliche Segen. Der Kult veränderte nach und nach sein Gesicht. Die Verbindung nach Punt riss ab.

Um unser Web-Angebot optimal zu präsentieren und zu verbessern, verwendet das ZDF Cookies. Durch die weitere Nutzung des Web-Angebots stimmen Sie der Verwendung von Cookies zu. Näheres dazu erfahren Sie in unserer Datenschutzerklärung.

Gemerkt! Merken beendet Bewertet! Bewertung entfernt Abonniert! Abo beendet