Die virtuelle Karasis-Burg

Rekonstruktion mit modernsten Mitteln

Haben die antiken Schriftsteller recht mit Kyinda, dem "Fort Knox" des Altertums? Doch dieser sagenhafte Ort ist nicht identifiziert. Aus den antiken Berichten ergibt sich "Die Bergveste Kyinda liegt drei Tagesreisen von Antiochia entfernt im Taurus Gebirge".

Auf einer Reise von Antiochia Richtung Norden käme man zur Burg auf dem Karasis. Könnte die Karasisfestung nicht doch Kyinda sein?

Virtuelles Kyinda-Modell

Ein virtuelles 3D-Modell soll den Archäologen später helfen, die Gesamtkonstruktion der Anlage besser zu verstehen. Vielleicht lässt sich so das Kyinda-Rätsel lösen. Auf dem Computerbildschirm von Geodät Thorsten Schwing nimmt das einmalige Bollwerk Gestalt an.


Ein Turm der Unterburg ist nahezu perfekt erhalten. Zur Talseite hin hat er eine große Öffnung, wie ein überdimensionales "Fenster". Die Erklärung der Bauforscher: Hier stand ein Katapult, mit dem Angreifer beschossen werden konnten. Doch warum und wer sollte in dem steilen Gelände diese "Hochsicherheits-Bastion" überhaupt angreifen?

Halle in schwindelnder Höhe

Auf der Oberburg ist ein weiteres Team im Einsatz. Seine Aufgabe ist es, das größte Gebäude auf dem Karasis zu entschlüsseln. Der erhaltene Baukörper ist 60 Meter lang, 12 Meter breit und fünf Meter hoch. Wozu diente die mehrstöckige Halle in schwindelnder Höhe? Berechnungen ergeben, dass man hier oben 700 Tonnen Getreide aufbewahren konnte. Doppelte Böden und ein ausgeklügeltes Belüftungssystem boten ideale Lagerbedingungen. Die Burgbesatzung konnte nicht ausgehungert werden. Sie musste etwas sehr Wichtiges schützen.



Von der Untersuchung des Umlands verspricht sich Hoffmann Informationen zu Burg und Burgherrn. Doch bisher stießen die damit beauftragten italienischen Archäologen auf ungewöhnlich wenige Funde. Die Bergfestung beschützte also keine Siedlung.

Rätselhafte Buchstaben

Der Karasis gibt sein Geheimnis nur sehr zögernd preis. Immer noch fehlt eine Inschrift. Deshalb werden selbst unscheinbarste Markierungen auf den Steinquadern systematisch erfasst. Das Elefantenrelief ist noch immer der wichtigste Mosaikstein. Mustafa Sayar untersucht eine zweite Stelle am "Elefantenturm". Mit speziellem Papier macht er einen Abklatsch von der Maueroberfläche. Er findet einen Schriftzug. Vielleicht ist es der Schlüssel zum Verständnis der Festung. Buchstaben sind klar zu erkennen, doch Sayar steht vor einem neuen Rätsel: Sie ergeben keinen Sinn. Ein Geheimcode?

Am Computer werden alle Kombinationsmöglichkeiten durchgespielt. Moderne Archäologie ist vernetztes Wissen, Online-Datenaustausch mit der ganzen Welt - virtuelle Pläne ohne den Spaten anzusetzen. Am Karasis ist dies unerlässlich, da die türkischen Behörden eine Ausgrabung bislang nicht genehmigen. Spezielle Computerprogramme ermöglichen die Rekonstruktion der antiken Super-Festung, ohne einen Stein bewegen zu müssen.

Im virtuellen Hubschrauber

Dank des digitalen Geländemodells des Karasis sitzt Geodät Torsten Schwing wann immer er will im virtuellen Hubschrauber. Damit sein Flug möglichst echt aussieht, legt er die entzerrten Luftaufnahmen wie einen Teppich über das 3D-Relief. Mittels der exakten Vermessungsdaten baut Thorsten Schwing die einzelnen Teile der Burg nach und fügt sie dann zentimetergenau in das Geländemodell. Ein Dach wird aufgesetzt- die wahrscheinlichste Neigung der Giebel ist von den Architekten errechnet worden nur für die Tür zur vermuteten Schatzkammer haben sie noch nicht den richtigen Platz gefunden.

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