Die Vororte von Tikal

Mit Infrarot auf der Suche nach neuen Maya-Siedlungen

Heutzutage versuchen Forscher mit Hilfe modernster Satellitentechnik, die letzten unentdeckten Maya Ruinen zu finden. Bei der Analyse von Infrarotbildern sind ihnen eigentümliche Verfärbungen aufgefallen. Sie treten erstaunlicherweise oft dort auf, wo sich die antiken Mayastädte befinden.

Maya-Pyramiden durch "remote sensing"-Ansicht Quelle: ZDF

Wie zum Beispiel in Tikal im heutigen Guatemala, einst eines der mächtigsten Maya-Zentren. Bis zu 100.000 Menschen lebten hier während Tikals Blütezeit zwischen 300 und 800 nach Christus, als die Maya ihren erstaunlich genauen Kalender entwickelten und das mathematische Konzept der Null erfanden.

Tempel aus Kalkstein

In Tikal entdeckten die Archäologen die Erklärung für die ungewöhnlichen Farben der Infrarotbilder: Die Maya bauten ihre Tempel aus Kalkstein. Die Pflanzen haben den Kalk der Gebäude Jahrhunderte lang über ihre Wurzeln aufgenommen. Die Calciumverbindung entzieht den Blättern Feuchtigkeit, deshalb speichern die Pflanzen in der Nähe der Mayagebäude mehr Wärme als der restliche Dschungel. Ein minimaler Temperaturunterschied, jedoch genug, um ihn mit einer Infrarotkamera zu erkennen.

Tikal Quelle: ZDF

Müsste es mit dieser Methode nicht auch möglich sein, die vermuteten, aber bisher vergeblich gesuchten Vororte Tikals zu finden? Der US-Amerikaner Tim Murtha von der Penn State University versucht mit Hilfe des "remote sensing", den Vorstädten Tikals auf die Spur zu kommen. Das Infrarotverfahren ist dabei der wichtigste Bestandteil. Hinzu kommen weitere Daten über die Bodenbeschaffenheit und besondere Merkmale der Vegetation, die Murtha auf einer hochauflösenden Landkarte zusammenträgt.

Vereinzelte Kalksteinflächen

Murtha hat zehn Kilometer nordöstlich von Tikal eine mögliche Mayasiedlung auf dem Infrarotbild ausgemacht. Anders als beim mächtigen Zentrum zeigt das Satellitenbild an der Stelle jedoch nur vereinzelte Kalksteinflächen, wenige Quadratmeter groß. Ob es sich dabei tatsächlich um Bauwerke der Maya handelt, ist auf dem Monitor nicht erkennbar. Murtha will dem vagen Hinweis dennoch nachgehen.

Die Satelliten geben die Koordinaten vor - doch damit endet auch schon die technologische Überlegenheit des 21. Jahrhunderts. Verglichen mit ihren Vorfahren sehen sich die modernen Forscher noch einer weiteren Gefahr gegenüber. Hochaufgerüstete Grabräuberbanden durchstreifen die Gegend um Tikal. Deshalb begleitet ein Soldat Murtha und seinen Assistenten. Im Zielgebiet bleiben dem Team um Tim Murtha nur wenig Zeit, um die Stätte im Dschungel zu untersuchen und festzustellen, ob er die Satellitenbilder richtig interpretiert hat.

Wissenschaftler bei Erkundung einer Maya-Pyramide Quelle: ZDF

Plünderer vor Ort

Tatsächlich liegt unter dem unscheinbaren Hügel eine Mayastruktur. Doch noch etwas wird sofort klar: Tim Murtha ist zwar der erste Wissenschaftler, der diesen Ort zu Gesicht bekommt, doch vor ihm waren schon Grabräuber da. Ganz ohne Satellitenhilfe haben Plünderer das überwucherte Gebäude gefunden und es auch gleich leer geräumt. Murtha ist dennoch zufrieden. Denn sogar diesen kleinen, versunkenen Bau hat der Satellit erkannt. Und der Hügel ist ganz offensichtlich ein Teil der gesuchten Vororte Tikals.

Die Bewohner der Vororte versorgten Tikal sehr wahrscheinlich mit Wasser. Denn die Satellitenstädte lagen viel näher an den Seen und Sümpfen, die sie als Wasserspeicher nutzten, Grundlage für das Aufblühen der Stadt zu einem mächtigen Maya-Zentrum.

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