"Die Waffen nieder!"

Pazifistische Bewegung bringt Nobel ins Grübeln

Nach der Abreise der Gräfin bleibt Alfred Nobel allein in Paris zurück - einsamer als je zuvor. Verbittert zieht er sich zurück, meidet die Öffentlichkeit. Doch dann gerät seine Erfindung, das Dynamit, auch in andere Hände. Der Sprengstoff wird zur Waffe.

Der berühmte schwedische Schriftsteller August Strindberg schreibt ein Gedicht, in dem er Dynamit als Waffe des kleinen Mannes bezeichnete, als Revolver der Unterschicht. Mit wenig Geld und ohne Gewehr, nur mit dem Kauf einer Stange Dynamit ist es möglich den König zu töten.

"Dynamitarden"



Eine Welle von Anschlägen erschüttert Europa. 1881 fällt auch der russische Zar Alexander II. einer Bombe zum Opfer. Ende des 19. Jahrhunderts gibt es täglich im Schnitt drei Attentate mit Dynamit. Die Öffentlichkeit brandmarkt die Attentäter als "Dynamitarden" und zeigt damit auf Alfred Nobel als den Erfinder. Trotz massiver Anfeindungen fühlt sich Nobel nicht verantwortlich, wenn andere seinen Sprengstoff missbrauchen. Gerade hat er sein Dynamit so modifiziert, dass es rauchfrei für Gewehre und Kanonen benutzt werden kann.

In Schweden kauft Nobel die Waffenschmiede Bofors und baut sie zu einem gewaltigen Rüstungskonzern auf. Wie schon sein Vater wird auch er zum Industriellen, der an Kriegsparteien auf der ganzen Welt immer wirksamere Waffen verkauft - und damit noch reicher wird. Da erscheint 1889 der Roman "Die Waffen nieder!": das Manifest einer neuen Bewegung, die sich dem Pazifismus verschrieben hat - gegen das stetige Aufrüsten der Weltmächte. Die Autorin des Romans und zugleich Leitfigur der Bewegung ist ausgerechnet Bertha von Suttner, Nobels große Liebe.

Besondere Einladung

Nobel kommt ins Grübeln: trägt er als Erfinder des Dynamits doch Mitschuld an den unzähligen Toten? 1892 reist er nach Bern - auf eine ganz besondere Einladung hin. Dort findet ein wichtiger Friedenskongress statt. Bertha von Suttner referiert über die Gefahren von modernen Kriegswaffen und immer größer werdenden Waffenarsenale für den Fortbestand der Menschheit.



Zwischen den Zuhörern sitzt inkognito Alfred Nobel. Er ist ihrer persönlichen Einladung gefolgt, hat Bertha von Suttner nie vergessen. Aufmerksam hört er zu: er, der in den Augen der Pazifisten mit seinen Erfindungen als größter Feind des Weltfriedens gilt. Das Wiedersehen der beiden ist herzlich. Nobel produziert zwar Sprengstoffe und Waffen, sehnt sich jedoch im Grunde auch nach einer friedlichen Welt, nur spricht er von einem anderen Weg dorthin.

Innerer Widerspruch

Erst am Ende seines Lebens, mit seinem Testament sollte Alfred Nobel versuchen, den inneren Widerspruch des Frieden liebenden Waffenfabrikanten zu lösen. In seinen letzten Lebensjahren zieht er sich nach Schweden zurück. Björkborn Manor wird zu seinem Refugium. Die einzige Zerstreuung sind die täglichen Stunden in seinem privaten Labor und der Briefwechsel mit Bertha von Suttner.

Je älter Alfred wird, desto eigenartiger wird sein Verhalten. Unter seinem Kopfkissen liegt immer ein Revolver. Nicht weil er sich bedroht fühlt, sondern weil er eine panische Angst vor Schmerzanfällen hat. Falls er einen Anfall gehabt hätte, wären ihm zwei Möglichkeiten geblieben: in die Luft schießen, um Hilfe zu alarmieren oder ein schnelles Ende herbeiführen. Viele seiner verrückten Ideen kreisen um den Tod.

Das Ende naht



Immer häufiger klagt Nobel über Herzprobleme. Seine Ärzte verschreiben ausgerechnet Nitroglyzerin, das in geringer Dosis die Durchblutung verbessert. Die Wintermonate verbringt Nobel lieber im milden San Remo. Kategorisch lehnt er die Einnahme des Mittels ab, das als Sprengstoff anderen so oft den Tod gebracht hat. Fast täglich schreibt er jetzt Bertha von Suttner. Er scheint zu spüren, dass sein Ende naht.

Am 10. Dezember 1896 stirbt Alfred Nobel. In seinem Testament vermacht er sein riesiges Vermögen einer Stiftung. Alljährlich soll sie hochdotierte Preise vergeben: für besondere Leistungen zum Wohl der Menschheit. An seinem 5. Todestag werden die Nobelpreise zum ersten Mal verliehen. Als bedeutendste Auszeichnung gilt der Friedensnobelpreis. 1905 wird er einer ganz besonderen Frau zuteil: Bertha von Suttner.



Viele glauben, mit seiner Stiftung wollte Nobel etwas von dem Unheil gut machen, das sein Sprengstoff und seine Waffen über die Welt gebracht haben. Aber er hat auch ein Mittel geschaffen, das friedlich genutzt, aus unserer Welt nicht mehr wegzudenken ist.

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