Die Zeit der Päpste im "französischen Exil"

Unter Clemens VI. wird Avignon zur Wirtschaftsmacht

Der König von Frankreich bestimmt von nun an, wer Papst wird. Die Folge: Vom Jahr 1316 an, wenn auch mit Unterbrechungen, residieren die Päpste ständig in Avignon. Der Auftakt der neuen Epoche: unter Clemens V., dem ersten Papst von Avignon, findet eine Verfolgung statt, wie sie Europa noch nicht erlebt hat.

Papstpalast in Avignon (außen) Quelle: ZDF

Dabei geht es um viel Geld, um die Reichtümer der Ritterorden, auf die es der König abgesehen hat, und der Papst hilft bei dem bestens kalkulierten Raub. In der zweihundertjährigen Geschichte der Kreuzzüge ins Heilige Land waren Ritterorden erstarkt und zu Geld gekommen - allen voran die Ritter des mächtigen Templerordens. Am Ende waren sie im Orient gescheitert. Islamische Kämpfer besiegten sie und vertrieben sie aus dem Land.

Geschlagen und gedemütigt

Die Heiligen Stätten der Christenheit, das Grab Jesu in Jerusalem und die Stadt Akko, mussten den Feinden überlassen werden. Geschlagen und gedemütigt, in ihrem Glauben an die Herrschaft des Christentums erschüttert, zogen die Überlebenden der Kämpfe nach Westen. Was an Reichtümern zu retten war, nahmen sie mit. Zurück ließen sie die gewaltigen Burgen, die noch heute als eindrucksvolle Monumente ihrer Stärke und ihres Wohlstands weit ins Land sichtbar sind.

Burg Krak de Chevalier in Syrien Quelle: ZDF

Ritter des Templerordens wurden vom Papst vor ein Tribunal gestellt und enteignet. Man hatte es auf ihre Reichtümer abgesehen. Viele endeten auf dem Scheiterhaufen, ein Justizskandal, an dem Papst Clemens V., auf Geheiß des Königs von Frankreich mitwirkte. Er war der erste der Päpste in Avignon, die für fast sieben Jahrzehnte die Geschicke der Christenheit von hier lenkten. Trotz ihrer Abhängigkeit von der französischen Krone, sollten sie dem Papsttum einen ganz neuen Glanz verleihen.

Papstpalast von Avignon innen Quelle: ZDF

Zeit der Superlative

Der Papstpalast von Avignon ist mit seinen Mauern, Wehrtürmen, Schießscharten und Verteidigungsanlagen Ausdruck einer gewaltigen Macht, deren Verführung groß ist. Einen Höhepunkt demonstrativer Machtentfaltung erreicht der päpstliche Hof in der Mitte des 14. Jahrhunderts unter dem Pontifikat von Clemens VI. In dieser Zeit wird Avignon zu einem der führenden Wirtschaftsplätze.

Der ehemalige Benedektinermönch und Berater des französischen Königs, beschert seiner Kurie eine Zeit der Superlative. Allein fünf bis zehn Prozent des Jahresetats soll er für Luxusimporte ausgegeben haben. Die Ausgaben für Essen und Wein übertreffen alles bislang dagewesene. Noch erhalten ist die Einkaufsliste für das Bankett von Papst Clemens VI. anlässlich seiner Wahl: 118 Rinder, 60 Schweine. 6.000 Eier, über 3.000 Stück Geflügel, und 5.000 Torten. Die Bescheidenheit der ersten Christen verdreht sich am Papsthof zu Avignon in rauschende Sinnesfreude.

Gemälde Päpste mit Tiara auf dem Kopf Quelle: ZDF

Weltherrschaft in weiter Ferne

Der Gipfel des Machtanspruchs symbolisiert die Papstkrone, der so genannten Tiara. Diese Kopfbedeckung besteht gleich aus drei Kronen. Die erste steht für die Macht über den Himmel, die zweite für die Macht über die Erde, die dritte steht für die Herrschaft über die Stadt Rom. Die Tiara ist ein beeindruckendes Beispiel für die Wunschträume der Päpste im Mittelalter, denn die Weltherrschaft ist in diesem 14. Jahrhundert in weiter Ferne. Und nicht einmal die Herrschaft über Rom ist dem Papst jetzt geblieben. Im Exil, in Avignon, herrschen ganz andere Verhältnisse.

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