Die Zeit nach Caesar

Kaisertum und Untergang des Reiches

Fast immer, wenn absolute Herrscher von der politischen Bühne abtreten, beginnen heftige Kämpfe um die Nachfolge. Das trifft auch für die Zeit nach dem Tod Caesars zu: Hunderttausende von Menschen kamen um, ganze Landstriche wurden schwer verwüstet, es schien fast so, als würde das Reich der Römer auseinanderbrechen.

Kaiser Augustus mit Truppen (Spielszene)
Kaiser Augustus mit Truppen (Spielszene) Quelle: ZDF

Doch am Ende ging Oktavian (63 vor Christus bis 14 vor Christus), der junge Adoptivsohn und Großneffe Caesars, als Sieger aus den Bürgerkriegen hervor. Der Senat verlieh ihm 27 vor Christus den Ehrentitel Augustus. Es gelang dem "Erhabenen", so die Übersetzung, die Kämpfe zu einem Ende zu führen, die Grenzen zu sichern, ein transparentes Rechtssystem zu etablieren sowie Verfassung und Verwaltung des Imperiums umzugestalten. In den Provinzen, wo die Armee stand, und in Ägypten, woher das Getreide für die Hauptstadt kam, regierte er direkt durch eigene Beamte. Im Innern beseitigte er die Spuren des Bürgerkriegs und kümmerte sich um den Wiederaufbau. Das Volk gewann er durch prächtige Neubauten, durch Wagenrennen, Gladiatorenkämpfe und Schauspiele.

Erster römischer Kaiser

Anders als bei seinem Adoptivvater, der exaltierte Auftritte liebte, lagen Augustus' außergewöhnliche Fähigkeiten im ruhigen Taktieren: Durch eine Versöhnung mit der Aristokratie konnte er seine Machtstellung kaschieren und den Schein der Republik aufrechterhalten. Er betrieb aber in Wirklichkeit deren dauerhafte Umwandlung in eine Monarchie in Form des Prinzipats, regierte faktisch als Alleinherrscher und leitete als erster römischer Kaiser eine über 250 Jahre andauernde Friedenszeit ein, die die Römer als Pax Augusta bezeichneten.

Mit den Kaisern begann das goldene Zeitalter Roms: Namen wie Tiberius, Vespasian, Trajan, Hadrian, Marc Aurel und Diokletian sind mit dieser Epoche verbunden. Zugleich zeichnete sich aber auch der Anfang vom Ende der römischen Vorherrschaft in Europa ab.

Christentum statt Götterglauben

Kaum ein Problem der Spätantike wurde und wird so kontrovers diskutiert wie die Frage nach den Gründen für die Auflösung des Imperium Romanum. Im 18. und 19. Jahrhundert wurden vor allem Ausbreitung und Aufstieg des Christentums für den Niedergang verantwortlich gemacht. Demnach ging das Römische Reich an der Aushöhlung seiner Identität von innen her zugrunde. An die Stelle des alten Götterglaubens, der längst zu einem puren Ritual verkommen war und von den Überzeugungen und Lebenseinstellungen der Bürger nicht mehr getragen wurde, trat als junge Kraft das Christentum.

Nach fast 300-jährigem Schattendasein erschien es als geschichtsmächtige Bewegung in der Politik und wurde unter Theodosius I. (379 bis 395) im Jahr 380 zur Staatsreligion erhoben: Die alten Tempel wurden geschlossen oder zerstört, der Götterkult verboten. Abweichler wurden benachteiligt, bekämpft und verfolgt. Das Christentum sollte das Reich einen und die kaiserliche Herrschaft stützen.

Anzeichen des Niedergangs

Zu den Anzeichen des Niedergangs gehörte - so insbesondere ältere Theorien - auch und vor allem die luxuriöse Sittenlosigkeit der Kaiserzeit. Wie der Dichter Juvenal berichtet, war das Idealbild der das eheliche Heim verwaltenden matrona offiziell das einzige Frauenbild des antiken Rom. Wohl nicht mehr attraktiv genug, erfuhr sie lustvolle Konkurrenz durch die meretrix, die schrill geschminkte Hure, die in den lasziven Orgien der römischen Oberschicht eine makabre Rolle spielte. Sie bestimmte mit raffinierter Kosmetik, exzentrischen Haarfarben, aufdringlichen Parfums und teurem Schmuck das Bild der Frau im alten Rom - ein Bild, das sich bis in die modernen Historienfilme gehalten hat. Neben dieser Luxus-Prostitution blieb der "normale" Straßenstrich unbehelligt, er gehörte immer stärker zum Alltagsbild der Stadt.

Neuere Forschungen konzentrieren sich auf den Übergangscharakter der ersten Jahrhunderte nach Christi Geburt: Die große Migration von Nomadenstämmen und vielfältige Integrationsprozesse machten eine Neuordnung notwendig. Kosten und Organisation des Imperiums ließen sich kaum noch bewältigen und kontrollieren. Kaiser Diokletian (284 bis 305) gelang es noch einmal, das Reich nach einer heftigen Handels- und Finanzkrise und einer langen Phase der rasch wechselnden "Soldatenkaiser" durch eine Verteilung der Kaiserwürde auf drei weitere Mitregenten zu stabilisieren. Während seiner Regierungszeit sollte es aber auch zu den letzten (und schwersten) Christenverfolgungen kommen.

Konstantnische Wende

Die wurden erst durch seinen Nachfolger - Konstantin der Große, der von 306 bis 337 regierte - beendet. Dessen Herrschaft ist vor allem aus zwei Gründen bemerkenswert: Erstens bedeutet sein Bekenntnis zum Christentum eine entscheidende Wende ("Konstantinische Wende") in der abendländischen Geschichte. Vor der Schlacht an der Milvischen Brücke am Nordrand von Rom soll dem Kaiser eine kreuzförmige Lichterscheinung, die er als Botschaft von Jesus Christus verstand, ein Siegeszeichen gesandt haben.

Konstantin habe es auf die Schilde seiner Soldaten malen lassen - so eine Lesart der frommen Legende - und seinen Rivalen Maxentius vernichtend geschlagen. Religion und Staat waren bei den Römern stets eng verknüpft, und deshalb dauerte es auch nicht mehr lange, bis das Christentum neben dem Judentum zur einzigen religio licita - zur "erlaubten" und staatlich anerkannten Religion - im Imperium wurde und seinen Siegeszug in Westeuropa antreten konnte.

Nova Roma

Zweitens veranlasste der Kaiser den großzügigen Ausbau der Stadt Konstantinopel - heute Istanbul -, die er am 11. Mai 330 zu seiner wichtigsten Residenz gemacht und offiziell in Nova Roma, neues Rom, umbenannt hatte. Nach dem Tod von Kaiser Konstantin erhielt sie den Namen Constantinopolis. Das ehemals griechische Byzantion entwickelte sich bis zum Mittelalter zur einzigen Weltstadt Europas und zur mit Abstand größten und wichtigsten christlichen Metropole.

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