Die zerfallene Hafenstadt

Ausgrabungen in Al Baleed

Im Süden von Oman, in der Nähe von Salalah arbeitet Michael Jansen an der Ausgrabung der Hafenstadt Al Baleed.

Jansens Forschungen mit GPS und Theodolit enthüllen, dass die Siedlungen sehr viel größer und mächtiger waren als bisher angenommen. Durch Einmessen mit der GPS-Totalstation können am Computer 3-D-Modelle entwickelt werden. Die Forscher von der Technischen Hochschule Aachen sind führend in der Rationalisierung von Archäologie. Mit Hilfe des Deutschen Auswärtigen Amtes und der Omanischen Regierung entsteht der erste archäologische Park der Arabischen Halbinsel. Mit dieser Grabung hat Jansen ein neues wissenschaftliches Kapitel eröffnet, denn das islamische Mittelalter nach 800 ist bisher kaum erforscht.

Mächtige Stadtanlagen

An den ausgegrabenen Strukturen kann man sehen, dass es sich um mächtige Stadtanlagen gehandelt hat, die nicht wie irgendwelche Dörfer aus Lehmarchitektur oder vergänglichem Material gebaut waren, sondern aus festen Steinstrukturen, die Häuser, Moscheen und auch Paläste bildeten. Blühende Hochkulturen vor über 1000 Jahren. Wie Gaube ist Jansen dem Geheimnis auf der Spur wie sie entstanden und woran sie untergingen. Historische Quellen erzählen von blutigen Eroberungen durch die Portugiesen. Anhand der Ausgrabungen konnte Jansen die Quellen bestätigen. 1506 überfiel Vasco da Gama die Oasen am Meer und machte die islamische Kultur dem Erboden gleich. An der Zitadelle werden die letzten Kämpfe getobt haben.

Jansen findet auf einer Mauer ein Stück vom Stamm einer Palme, welches ein Teil einer Balkenkonstruktion für die Decke sein könnte. Bautechnologie ist für Jansen neben den Keramik- und Knochenfunden extrem wichtig. Architektonische Details sind der Schlüssel für die Rekonstruktion der zerfallenen Hafenstadt.

Wie im Tagebuch

Immer wieder wurden die Dörfer in der Region durch fremde Herrscher zerstört. Was bis ins 19. Jahrhundert durch Kriege ausgelöst wurde, passierte um 1970 mit dem Einzug der Moderne: Die Menschen wandern in luxuriöse Neubauten ab. Unter Jansens Leitung werden alle 70 Ruinenstädte dokumentiert. Der Städtebauforscher kann in den Ruinen wie in einem Tagebuch lesen. In einer Ruine ist eine Mauer mit Holzeinlagen zu sehen, die Mauern von Al Baleed hingegen liegen schon seit hunderten von Jahren in Trümmern. Mit den Mauern verschwindet das Wissen um die alte Bautechnologie.

Jansens Vision wird durch Hightech sichtbar: Durch Auswertung der Vermessungsdaten und mithilfe des Vergleichs der Bautechniken, steht Al Baleed zumindest teilweise im Computer wieder auf. Die Stadtmauer war bis zu drei Meter dick und ihr Umfang betrug vier Kilometer. Die Größe des Terrains, Zitadelle und Moscheen zeugen von einer überaus reichen Hafenstadt. Das Herzstück ist die große Moschee. Bisher die größte Hochmoschee Omans aus dem 11. Jahrhundert. Die geometrische Anordnung der Säulengänge und der offene Innenhof sind typisch für diese Zeit. Das Bauwerk selbst wird zum Gebet durch die strenge Rhythmik der eigenen Geometrie.

"Dort wo der Weihrauch wächst"

Schon seit dem fünften Jahrtausend vor Christus wurde die Gegend hier im Süden von Oman "Sakalan" genannt - "dort wo der Weihrauch wächst." Hier wächst er nur in Dhofar, landeinwärts von Al Baleed. Dhofar wird bereits in der Genesis erwähnt. Vielleicht kamen auch die Weisen von hier, die einst Weihrauch und Myrrhe nach Bethlehem brachten. Aus Oman stammt von je her der edelste Weihrauch. Die Plätze, wo er gedeiht, waren früher streng geheim. Bei der Ernte wird die Rinde geritzt, und das kostbare Harz, die Tränen der Götter, mühsam eingesammelt. So wie heute Erdöl, war das bernsteinfarbene Duftharz von Salalah einst kostbarstes Exportgut in die westliche Welt und brachte Wohlstand in die Oasen des Oman.

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