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Die Zuflucht der Sirenen

Wo Europas letzte Mönchsrobben leben

Ihre besondere Geologie bescherte der Türkei viele Gesichter. Gebirge machen sie zum Paradies für Greifvögel. Wölfe und Bären finden hier Wälder, in denen sie ungestört sind. Und an den Mittelmeerküsten lebt ein Tier, das in Europa schon als ausgerottet galt: die Mönchsrobbe.

Felsige Küste in der Türkei
Felsige Küste in der Türkei Quelle: ZDF

Mehr als 90 Prozent des Landes bestehen aus Gebirge. Kollidierende Erdplatten warfen lange Gebirgszüge auf, getrennt durch tiefe Täler und Hochebenen. Auf engem Raum entstanden so isolierte Standorte mit verschiedensten Lebensbedingungen.

Gebirgiges Paradies

Diese landschaftliche Vielfalt an Lebensräumen war der Motor für einen außergewöhnlichen Artenreichtum. 9000 Pflanzenarten zählt man in der Türkei, 1800 davon sind endemisch, das heißt, sie kommen nur hier vor. Mit ihren in weiten Teilen unberührten Gebirgszügen ist die Türkei ein Paradies für Greifvögel wie Adler, Geier, Sperber und Falken. Sogar Raubtiere, die in weiten Teilen Europas längst ausgerottet sind, leben hier. Rund 7000 Wölfe verschiedener Unterarten gibt es in der Türkei. Auch Bären und Geparden finden hier eine Heimat. Besonders der Osten des Landes bieten den Tieren vielfältige, nahezu unberührte Lebensräume: Wälder, Steppen und Gebirge.

Mönchsrobbe schwimmt unter Wasser (Nahaufnahme)
Mönchsrobbe nah Quelle: NDR

Die Gebirgsbildung prägte auch die Küsten der Türkei auf einzigartige Weise. Denn die stark verkarsteten und zerklüfteten Küstenabschnitte wurden zum Refugium für Europas seltenstes Säugetier: die Mittelmeer-Mönchsrobbe. In der frühen Antike war die Robbe noch im gesamten Mittelmeerraum und auch im Schwarzen Meer weit verbreitet. Homer erwähnt in der Odyssee große Robbenherden. Vielleicht inspirierten sie sogar eine bekannte Episode aus seiner Sage: Die Sirenen leiten die Seefahrer mit ihrem Gesang in die Irre. Tatsächlich müssen die seltsamen Gesänge der Robben damals weit übers Meer gehallt haben.

Ein sicherer Ort

Für Seefahrer galt es als gutes Omen, Robben zu begegnen. Die Tiere standen unter Poseidons Schutz. Doch dieser besondere Status endete im Alten Rom. Für die Römer waren die leicht zu jagenden Robben nur ein willkommenes Futter für ihre Armeen. Sie rotteten die Tiere nahezu aus. Heute überleben die Robben im Mittelmeer nur noch an den Küsten Griechenlands und der Türkei. Lange Zeit war gar nicht sicher, dass sie überhaupt noch existieren. Erst in den siebziger Jahren tauchten überraschende Filmaufnahmen der Tiere auf. Mittlerweile sind Mittelmeer-Mönchsrobben sind die seltensten Säugetiere in ganz Europa. Dass es sie noch gibt, verdanken die Robben einer schlauen Überlebensstrategie.

Zwei Robben in einer Felshöhle
Zwei Robben Höhle Quelle: NDR

Zur Zeit der alten Griechen zogen sie ihren Nachwuchs noch am Strand auf. Inzwischen haben sich die Mönchsrobben in Höhlen zurückgezogen, in denen sie vor Entdeckung sicher sind. Hier bringen sie ihre Jungen zur Welt und bleiben mit ihnen rund ein Jahr zusammen. Die Eingänge der Höhlen liegen oft unter der Wasseroberfläche, aber ihre Innenräume dürfen nicht überflutet werden, denn die Tiere können nur an Land atmen. 8500 Kilometer zerklüftete Küsten bieten in der Türkei den perfekten Ort für das Versteckspiel der Robben. Die Höhlen und auch wichtige Teile der Küstengewässer stehen inzwischen unter Schutz, um die rund 500 bis 600 letzten Tiere ihrer Art zu bewahren.

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