Dirk Steffens: Aufstieg zur Unterwelt

Dreharbeiten auf dem Stromboli-Vulkan

Dass der Ätna immer wieder Feuer spuckt, der Vesuv ein Pulverfass ist und die Erde rund um das Mittelmeer häufig bebt, zeigt, wie unruhig die gesamte Region ist. Wer einen Film darüber machen will, was die Geologie damit zu tun hat, dass ausgerechnet hier die Wiege so vieler Hochkulturen steht, muss einen – zumindest vorsichtigen – Blick in die Hölle wagen. Schnell ist der Entschluss gefasst, mit Dirk Steffens vor einem ausbrechenden Vulkan zu drehen.

Der Ätna wäre ein lohnendes Ziel. Anfang dieses Jahres war er sehr aktiv, aber im Juli, als die Drehreise naht, sind seine Lavaströme versiegt. Ein anderer Kandidat, der Stromboli, bricht dagegen recht verlässlich mehrmals täglich aus. Also packen wir unsere 19 Gepäckstücke im Hafen von Neapel auf die Fähre zu der Vulkaninsel, die nördlich von Sizilien liegt.

Aufbruch in tiefster Dunkelheit

Nachts wollen wir zum Stromboli aufsteigen. Der Wecker klingelt – es ist gerade Mitternacht. Anziehen, die Bergstiefel schnüren und los. 900 Höhenmeter liegen vor uns. Nur der Lichtkegel meiner Stirnlampe erhellt den Weg übers schwarze Lavageröll vor mir. Schon bald kann ich ihn kaum noch durch den Staub hindurch erkennen. Feine Vulkanasche wird aufgewirbelt von Dirk Steffens, Kameramann Oliver Roetz und Kameraassistent Thorsten Czart, die vor mir den steilen Hang hinaufstapfen. Die Gespräche verstummen. Jeder trägt so viel Ausrüstung, wie er kann – eine schweißtreibende Angelegenheit. Alle 20 Minuten machen wir halt, um zu verschnaufen. Noch vor der Morgendämmerung müssen wir drehfertig sein.

Der schwarze Vulkankegel ragt in die sternenklare, mondlose Nacht, hinter uns funkeln die Lichter von der sizilianischen Küste herüber. Wir haben die Hälfte geschafft. Eineinhalb Stunden sind wir bereits aufgestiegen, ohne jegliches Zeichen von vulkanischer Aktivität. Doch dann: Plötzlich wird der schwarze Gipfel von einem rötlichen Schein umhüllt. Eine Eruption. Unser Puls beschleunigt sich, wir legen noch einen Gang zu. 20 Minuten später hören wir zum ersten Mal ein tiefes Grollen, der Gipfel scheint für kurze Zeit zu glimmen. Genau das wollen wir filmisch einfangen.

Glühende Lavabrocken

Team beim Abstieg vom Stromboli
Der Abstieg vom Stromboli durch Lavageröll und -staub Quelle: ZDF/Oliver Roetz

Jetzt wird der Aufstieg zäh. Durch loses Lavageröll geht es steil bergauf: zwei Schritte vor, einen zurück. Oben angekommen, machen wir uns daran, das Equipment auszupacken. Vor allem die Kamera hat Oliver Roetz dick eingepackt, um sie vor der feinen Vulkanasche zu schützen, die in jede Ritze dringt. Da, wieder ein Grollen, ein Knall. Wir schauen staunend in den Krater hinab auf eine Fontäne aus glühenden Lavabrocken. Gut zu wissen, dass die Brocken meist nicht bis auf den oberen Kraterrand geschleudert werden, auf dem wir stehen. Es ist windstill, und so bleiben wir auch vor dem Ascheregen verschont. Beim Blick in den glühenden Schlund wird uns klar, weshalb die Menschen der Antike in Vulkanen einst das Tor zur Unterwelt sahen.

Es beginnt zu dämmern, nun muss es schnell gehen. Der Stromboli bricht zur Zeit zwar etwa alle 20 Minuten aus, aber wir wollen in einer Lichtstimmung drehen, in der das Glühen der Lava besonders gut zu erkennen ist. Und die Dämmerung wird rasch vorbei sein. Wir sind drehbereit – aber der Vulkan nicht. Jetzt heißt es warten. Nach zehn Minuten beginnt wieder das alles durchdringende Grollen, wieder eine Eruption. Für Aufnahmen mit Dirk Steffens ist es aber noch zu dunkel. Wieder warten. Eine Viertelstunde später rumpelt es erneut in der Tiefe des Kraters, es kracht, glühende Brocken schießen in die Höhe. Diesmal läuft alles perfekt. Wir haben den ersten Dreh mit Dirk Steffens im Kasten: vor dem ausbrechenden Vulkan. Jetzt heißt es schnell noch die „Establisher“ drehen, den Lava spuckenden Krater für die Eröffnungssequenzen des Films, solange die Sonne nicht voll auf den Gipfel knallt. Denn schon sehr bald nach Sonnenaufgang soll es hier oben unerträglich heiß werden.

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