DNA-Test als letzte Hürde

Forscher finden Knochenfragmente in Kapitel-Kapelle

Reliquien waren ein nicht zu unterschätzender Macht- und Wirtschaftsfaktor. Vielleicht haben die Augustiner die Knochen der Königin ausgelagert, bevor sie das Kloster aufgeben mussten? Der Fund von Knochenfragmenten gibt Anlass zur Hoffnung, den Fall Ketevan zu lösen.

Knochenfragmente aus dem Schwarzen Schrein Quelle: ZDF,Resa Asarschahab

Sidh Mendiratta spricht mit der Oberin von Santa Monica, einst das größte Nonnenkloster Asiens. Männer haben hier normalerweise keinen Zutritt. Mit einem Empfehlungsschreiben des Erzbischofs von Goa und viel Überredungskunst gelingt es dem jungen Forscher schließlich aber doch, das Herz der strengen Oberin zu erweichen.

Dunkle Kammer von Santa Monica Quelle: ZDF

Fahndung in der "dunklen Kammer"

Die Fahndung beginnt in der so genannten "dunklen Kammer". Seit Jahren wurde der Raum nicht mehr betreten, ein Depot für alte Statuen und Heiligenbilder. Möglicherweise lagern hier auch Reliquien. Mendiratta stößt auf das Wappen des Augustinerordens und eine Heiligenfigur mit kristallener Reliquienbox, die ist jedoch leider leer. In der dunkelsten Ecke der "dunklen Kammer" stehen zwei Maschinengewehre. Wahrscheinlich aus der Zeit, als 1961 indische Truppen in die portugiesische Kolonie einmarschierten. Doch auch hier kein Hinweis auf den Schwarzen Schrein.

Die Grabung in St. Augustin ist ein Mammutprojekt, eines der größten Forschungsvorhaben der indischen Antikenbehörde. Die Archäologen rekonstruieren das Kloster und seine Geschichte. Der kleinste Hinweis könnte entscheidend sein. Tausende von bemalten Scherben haben sie gefunden, winzige Puzzleteile. Erst unter dem kundigen Blick ergeben sie ein Bild. Es sind Fragmente von Keramikfliesen, so genannten Azulejos, die bis heute in Portugal beliebt sind. Die Archäologen haben herausgefunden, dass die Kirche vollständig mit den kostbaren Kacheln dekoriert war. Ein Beleg für den Reichtum von St. Augustin.

Keramikfliesen-Fragmente Quelle: ZDF

Schlüssel zum Schrein

Als das Bild von der Klosteranlage immer klarer wird, konzentrieren sich der Portugiese und die indischen Forscher wieder auf die Frage nach der Lage der Kapitel-Kapelle, einem relativ kleinen Raum mit nur drei Fenstern. Eine schwierige Suche bei einem zweistöckigen Komplex mit mehreren Höfen und Nebengebäuden. Die Kapelle muss der Schlüssel zum Schwarzen Schrein sein.

Ausdauer und Beharrlichkeit führen schließlich zum Erfolg. Arbeiterinnen stoßen auf eine Steintafel mit lateinischer Inschrift. Mendiratta entziffert zusammen mit Projektleiter Taher die Inschrift. Sie stimmt mit dem Wortlaut in seiner "Schatzkarte" überein. Sie stehen vor dem Grabstein eines Portugiesen, der - wie aus den Chroniken hervorgeht - in der Kapitel-Kapelle begraben ist. Der Grabstein ist der Beweis, dass sie den richtigen Raum gefunden haben.

Lateinische Inschrift Quelle: ZDF

Vom Schrein keine Spur

Am zweiten Fenster, rechts vor dem Altar, so heißt es, stand der Schwarze Schrein. Doch das Fenster ist leer und vom Schrein keine Spur. Die Steinkiste gegenüber kann es nicht sein. Die Wissenschaftler rätseln: Warum ist der Schwarze Schrein nicht an seinem Platz, wenn gegenüber das Grab des Edelmanns genau dort liegt, wie es der Chronist vor 400 Jahren beschrieb?

Die Jagd nach dem Schwarzen Schrein ist wieder einmal Tagesgespräch in den Geschäften rund um den Ausgrabungsort. Die Bevölkerungsmehrheit ist heute hinduistisch, aber gut ein Viertel immer noch katholisch. So ist es vielleicht weniger erstaunlich, dass sich die Menschen für das Schicksal der Reliquie einer christlichen Königin interessieren. Religion ist im Vielvölkerstaat Indien ein sensibles Thema. Die Angst vor einem neuerlichen "Kampf der Religionen" ist nicht unbegründet. Vor allem das Verhältnis zwischen Moslems und Hindus ist an manchen Orten Indiens gespannt. Missverständnisse gab es nicht nur zu Kolumbus Zeiten.

Unbekannte Gebeine Quelle: ZDF

Reliquien als Staatsangelegenheit

Die Archäologen entdecken menschliche Knochen in der Steinkiste der Kapitel-Kapelle gegenüber Fenster Nummer zwei. Ein Hoffnungsschimmer für die Wissenschaftler. Auch hinter Fenster Nummer zwei finden sich Knochenfragmente. Stammen sie von der Märtyrerin, deren Überreste Mönche in Persien raubten? Ein DNA-Test ist die letzte Hürde. Damit wollen die Forscher herausfinden, ob die freigelegten Knochen genetisch übereinstimmen mit einer Reliquie Ketevans, die in Georgien liegt.

Doch das Glück lässt noch auf sich warten. Die Georgier wollen ihr Knochenstück nicht zur Untersuchung freigeben. Es sei zu klein und würde dadurch zerstört. Der georgische Außenminister wird in Neu Delhi erwartet. Die Reliquien sind zu einer Staatsangelegenheit geworden.

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