Wie er wurde, was er war

Zweiteilige Doku über den legendären Kriegsherrn

Er gilt als der Vorzeige-Weltherrscher der Geschichte: Kein Superlativ scheint dem Makedonenkönig gerecht zu werden, um seine charismatische Persönlichkeit, seine Kunst in der Kriegsführung oder seine Vision von einem friedlichen, multikulturellen Imperium zu beschreiben. Als Kriegsherr ist Alexander schon zu Lebzeiten eine Legende, zum Mythos aber erhebt ihn erst die Nachwelt – die historische Figur dahinter ist über die Zeit fast völlig verschwunden. Die zweiteilige "Terra X"-Reihe arbeitet Schlüsselereignisse heraus, die verdeutlichen, wie der Königssohn aus dem entlegenen Norden Griechenlands zum ersten europäischen Weltherrscher wurde.

Nennt man Alexander zu Recht "den Großen"? Es waren die Römer, die ihm diesen Ehrentitel verliehen, dem bewunderten Feldherrn und Eroberer, in dem die spätere Weltmacht ihre eigenen Ambitionen schon vorweggenommen sah. Aus heutiger Sicht stößt Alexanders Kriegsruhm eher auf Kopfschütteln und Unverständnis. Seine Kritiker haben vor Augen, dass der ehrgeizige Feldherr einen blutigen und nicht enden wollenden Feldzug geführt hat, um seine Vision von der "Herrschaft über die Welt" in die Tat umzusetzen. Es gibt allerdings auch eine andere Lesart: das Tun und Lassen des Makedonenkönigs in den geschichtlichen Zusammenhang der Antike einzuordnen. Nur so kann man verstehen, welchen Gesetzen und Umständen sein Handeln unterworfen war. Das Alexander-Bild, das daraus entsteht, ist weitaus versöhnlicher. Und es präsentiert eine Reihe von Gründen, warum Alexander den Beinamen "der Große" vielleicht zu Recht trägt.

Alexanders Jugend im Kontext der Zeit

Terra X-Spielszene: Alexander (Vladi Georgiev) mit Aristoteles (Stoyan Alexiev)
Aristoteles soll Alexander auf die Herrscherrolle vorbereiten.

Über Alexanders frühe Jahre ist nicht viel bekannt. Trotzdem haben wir die erste Folge des Zweiteilers ausschließlich seiner Kindheit und Jugend gewidmet. Im Abgleich mit dem damaligen Zeitgeist liefern selbst die wenigen Fakten ausreichende Informationen über den heranwachsenden Thronfolger. Zwei Faktoren spielen dabei eine wesentliche Rolle: Da ist zum einen der Ehrgeiz des aufstrebenden Königreichs Makedonien. Die feinen Griechen schauen auf das Nachbarland im Norden herab, die Makedonen gelten als Hinterwäldler, ihr König als unkultivierter, neureicher Emporkömmling. Umso mehr sehnen sich die Eliten des Landes nach Anerkennung durch eine alte Kulturmetropole wie etwa Athen. Alexanders Vater scheut keine Kosten und Mühen, für seinen Sohn die besten griechischen Lehrer seiner Zeit zu engagieren. Alexander ist Philipps Kapital, um aus Makedonien einen "modernen" griechischen Staat zu formen, der alles andere in den Schatten stellt.

Der zweite Faktor fällt unter das Stichwort "Stammbaumfiktion": Der Junge wächst in dem Bewusstsein auf, von göttlicher Abstammung zu sein. Das gehört zwar zum damaligen Selbstverständnis einer Königsdynastie, Alexander scheint aber besonders fest daran zu glauben. Als direkter Nachfahre von Zeus besitze er besondere Fähigkeiten, die ihn aus der Masse herausheben. Und nicht zuletzt sind da seine Gefährten, alles junge Männer aus dem Hochadel mit derselben Ausbildung. Von Anfang an bilden sie seine Entourage und unterstützen ihn mit wenigen Ausnahmen bis zum Ende vorbehaltlos. Alexander ist also in jeder Hinsicht bestens gerüstet und voller Ehrgeiz, die Hoffnungen des Königshofes zu erfüllen.

Dass Alexander einmal als Welteroberer in die Geschichte eingehen würde, damit hat aber zunächst keiner gerechnet. Und genau da liegt der Punkt, an dem sich Alexanders Größe messen lässt. Denn der Makedone übertrifft alle Erwartungen der damaligen Zeit. Alexander gehört zu dem Typ "Erfolgsmensch", der sein Ziel mit jedem ihm zur Verfügung stehenden Mittel zu erreichen sucht. Immer der Beste zu sein, auch besser als sein Vorbild, der mythische Held Achill, ist die Triebfeder seines Tuns. Und der junge Kronprinz hat Erfolg. Mit 16 Jahren wird er Mitregent, gewinnt seine erste Schlacht und gründet die erste von mindestens zehn Städten, die seinen Namen tragen. Und nach dem Tod des Vaters gelingt es ihm mit Diplomatie und Härte, den Korinthischen Bund zu erneuern.

Als er die griechischen Kolonien in der heutigen Türkei von der persischen Herrschaft befreit, zeigt er erneut, zu was er fähig ist: Er kehrt nicht, wie mit den Bündnispartnern verabredet, in die Heimat zurück, sondern zieht einfach weiter. Ohne Auftrag und mit schlecht gefüllter Kriegskasse dringt er ins Kernland der übermächtigen Perser vor, um das riesige Reich für Griechenland zu sichern. Auf dem Weg dorthin beweist er sich nicht nur als siegreicher Feldherr, sondern auch als geschickter Regent. Er erkennt schnell, dass das Perserreich bei weitem nicht so stabil ist, wie immer angenommen. Er kann als Befreier auftreten, er betreibt aktive Siedlungs- und Hochzeitspolitik, verteilt großzügig Gelder, schützt bestehende Verwaltungen, erklärt die Demokratie und gibt sich als Kosmopolit.

Weltveränderer und Visionär

Karte: Das Alexanderimperum
Über 23.000 Kilometer legt Alexanders Armee in zehn Jahren zurück.

Sein Vorwärtsdrang führt auch dazu, dass sich die griechische Kultur in den gesamten Orient und nach Indien verbreitet. Griechisch zu sprechen ist plötzlich chic. Zudem legt Alexander über 23.000 Kilometer in zehn Jahren zurück – eine Leistung, die im Altertum ohne Beispiel ist. Ebenso wie die Logistik für seine rund 37.000 Mann starke Armee, zu der auch Frauen, Kinder, Ingenieure, Biografen und Wissenschaftler gehören. All das bewundern seine Zeitgenossen ebenso wie die Nachwelt. In der Antike gibt es einfach niemanden, der die damalige Welt so verändert hat wie Alexander der Große. Deshalb ist der Makedone eine Ausnahmeerscheinung – zumindest aus historischer Perspektive. Das gilt auch für seine Vision von einem multikulturellen Weltreich, in dem die unterschiedlichen Völker friedlich miteinander leben. Sein früher Tod hat den Plan vereitelt, das Reich zerfällt. Heute ist das ehemalige Alexanderimperium zwischen Levante und Hindukusch eine von Krieg und Bürgerkrieg zerrissene Region, die täglich die Schlagzeilen der Weltpresse beherrscht. Und so ist unser Thema auf tragische Weise nach über 2000 Jahren hochaktuell.

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