Dorado der Heilpflanzen

Geheimtipp eines Pharmakologen

Vor der Malek-Bibliothek im Zentrum Teherans trifft Johannes Mayer Professor Fariborz Moattar. Der iranische Pharmakologe hat in Deutschland studiert. In seiner Heimat ist er heute einer der führenden Experten für Pflanzenheilkunde. Mit ihm besucht er auch das Tal der Heilkräuter.

Moattar hat Zugang zu den Schatzkammern der persischen Bibliotheken. Das Wissen der Ärzte der Kalifen - gesammelt und in altarabischen Schriftzeichen bewahrt. Für den Würzburger Forscher ein großer Moment.

"Kanon" im Original

Endlich kann er Avicennas "Kanon" im Original einsehen und mit der lateinischen Ausgabe vergleichen. Manche der Handschriften sind sogar illustriert - eine Seltenheit in der islamischen Literatur. Ein Rätsel aus der lateinischen Ausgabe des "Kanons" klärt sich auf: Mit "Sene de Mecha" können nur Sennesblätter aus Mekka gemeint sein, erklärt Moattar. Das zeigt der Textvergleich zwischen Arabisch und Latein.

Wie funktioniert der menschliche Körper? Die Ärzte der Kalifen hatten davon bereits eine präzise Vorstellung. Bei einer Darstellung der inneren Organe ist sogar die Gebärmutter zu sehen. An der Universität von Teheran werden historische Illustrationen aufwändig restauriert. Sie sind Zeugnisse menschlichen Forschergeistes. Und das, obwohl der Islam Abbildungen des Menschen verurteilt.

Beleidigung Gottes

Doch woher stammen die Kenntnisse über das Skelettsystem und das Innere des Körpers? Avicenna kannte die Gebote des Koran: Den menschlichen Leib zu öffnen, galt als Beleidigung Gottes. Als ein Versuch, es ihm gleichzutun, dem Schöpfer aller Dinge. Die Anatomie des Menschen war während vieler Jahrhunderte ein Geheimnis, das niemand anzutasten wagte. Doch wie gelangte der große Arzt an sein Wissen? Avicennas Neugier war unersättlich. Um Einblick in den Körper eines Toten zu nehmen, muss er heimlich ans Werk gegangen sein.

Südlich von Teheran befindet sich ein Dorado der Heilpflanzen. Professor Moattar möchte seinem Kollegen Johannes Mayer seine Heimatstadt Isfahan zeigen, wo einst auch Avicenna zu Hause war. Auf dem Weg liegt ein Ort mit außergewöhnlichem Reichtum an Medizinalpflanzen. Das Weidental ist ein Geheimtipp des iranischen Gelehrten. Er hat diesen Ort für die Wissenschaft entdeckt. Rund 10.000 Arten von Pflanzen wachsen im Iran, hunderte davon kommen nirgendwo sonst vor. Daher konnte nur ein Teil von Avicennas Rezepturen auch im Abendland zubereitet werden.

Allerlei Heilkräuter

Die Heilkräuter der Ärzte der Kalifen wachsen zwischen den Felsen: Daphne - eine Art Psychopharmakum des Mittelalters. Es musste genau dosiert werden, denn Daphne ist äußerst giftig. Weitaus harmloser ist der persische Lavendel. In alten Schriften wird er als Beruhigungsmittel für Magen und Darm erwähnt. Viele der Pflanzen sind noch kaum erforscht. Der Aronstab ist ein altes Mittel gegen Gicht und Lungenleiden. Astrágalus - sein Harz hilft bei Erkältungen. Die persische Schalotte wirkt antibakteriell. Aus Tragántum stellte man Wundpflaster her. Die Bittermandel empfiehlt Avicenna gegen Nierensteine. Auf dem Grat des Gebirges wächst eine der Rätselpflanzen Avicennas: Asa Foeditae, im "Kanon" als Mittel gegen Erkrankungen der Atemwege hoch gelobt.

Kein Wunder, dass man im Abendland die sagenhaften Heilkräuter aus dem Orient mit Gold aufwog. Mit Karawanen gelangten sie über Syrien nach Venedig und von dort ins Herz Europas. Auch der Milchsaft des Asa Foeditae war jedem guten Medicus bekannt.

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